Opfer-Initiative kritisiert Beschuldigten-Auswahl

Im Unglückstunnel hat sich nach Einschätzung der Opfer-Initaitive auch die Polizei falsch verhalten.
Im Unglückstunnel hat sich nach Einschätzung der Opfer-Initaitive auch die Polizei falsch verhalten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Eine Opfer-Initiative kritisiert die Beschuldigten-Auswahl für den Loveparade-Prozess. Auch wegen des Verhaltens der Polizei bei der Katastrophe in Duisburg hätte ermittelt werden müssen, hieß es. Zudem fehlten unter anderem Duisburgs Ex-OB Adolf Sauerland und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller auf der Anklagebank.

Duisburg.. „Ich war schockiert“, schildert Jörn Teich von der „Betroffenen-Initiative LoPa 2010“ seine Reaktion auf die gestern vorgestellte Auswahl der Angeschuldigten durch die Staatsanwaltschaft. Es sei offenbar nur in Bezug auf die Vorbereitungen für die Loveparade ermittelt worden, kritisiert er. Ausgeklammert seien damit aber die Geschehnisse am Tag der Tragödie.

Vor allem der Polizei kreidet Teich, der am Unglückstag mit seiner kleinen Tochter bei der Loveparade war und dort verletzt wurde, massive Fehler an. Abgestellte Fahrzeuge der Ordnungshüter hätten an der Rampe, an der das tödliche Gedrängel entstand, zusätzlich für Enge gesorgt. Ebenso habe ein Polizeiwagen, der zur Unglückszeit den Tunnel voller Menschen befuhr, weiteren Druck auf die Menge erzeugt. Solche Fehler der Einsatzkräfte dürfe man vor Gericht nicht „ausklammern“, fordert Teich.

Lückenlose Aufklärung habe auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft versprochen, aber so Teich: „Lückenlose Aufklärung hört nicht am 24. Juli auf.“

Nicht akzeptabel ist für die Opfer-Initiative zudem, dass nach bisherigem Stand Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller, Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Duisburgs Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe und der damalige stellvertretende Polizeipräsident Detlef von Schmeling die Anklagebank erspart bleiben soll. Teich: „Die Hauptverantwortlichen müssen dabei sein. Sonst passiert so etwas doch wieder.“