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Stadtteilreport (4)

Oestrum – Klein, aber selbstbewusst

16.08.2010 | 12:21 Uhr
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
Oestrum in 60 Minuten. Foto: Friedhelm Geinowski

Duisburg.Das ist Nachbarschaft: Siegfried Schmidt will mir Oestrum im Stadtbezirk Rheinhausen zeigen, Ferdi Schackert schließt sich kurzentschlossen an. Der Friseur ist Ur-Oestrumer.

Der Vater schnitt schon die Haare, und einen Sattler wie den Großvater brauchte einst jede Landgemeinde.

Und genau das war Oestrum vor noch gar nicht langer Zeit. Wer genau hinsieht beim Stadtteilbummel, wird’s nicht übersehen. Aber erst müssen wir klären, was wir erkunden: Ganz Bergheim oder nur Oestrum? „Wir lassen es bei Oestrum“, entscheidet Schmidt, Mitglied des WAZ-Leserbeirats. Ich vermute, er hat Schackert damit aus dem Herzen gesprochen. Ich besuche, werde ich belehrt, einen „sehr selbstbewussten Stadtteil“.

Info
Oestrum in 60 Sekunden

Oestrum ist amtlich Teil des Stadtteils Bergheim und gehört zum Bezirk Rheinhausen. Bergheim insgesamt hat 21 078 Einwohner, davon 10 926 Frauen, 10 152 Männer, 19 361 Deutsche, 1717 Ausländer. Zahlen zu Oestrum gibt’s nicht.
Oestrum besteht zu einem erheblichen Teil aus dem Gewerbegebiet Mevissen. Dort betreibt unter anderem Mc Donald’s seine „Food Town“ zur Belieferungen der Burger-Filialen weit über Duisburg hinaus. Oestrum liegt am Verlauf der alten Römerstraße, die in der Antike Krefeld und Xanten verband. Nicht weit entfernt ist der Moerser Stadtteil Asberg, der als Asciburgium Römerlager war.

Erste Station meiner Oestrum-Führung ist die Eichenstraße. Eine private Musikschule fällt ins Auge, die offensichtlich einmal Gasthaus war, drei Schaufenster, ansonsten die Ruhe eines Dorfes zur Mittagszeit. „Wir hatten 13 Geschäfte hier“, blickt Schackert auf geschäftigere Zeiten zurück mit Bäcker, Metzger, Lebensmittelläden. Nur ein Buchhandel macht jetzt die Einkaufsstraße aus – immerhin. „Der Kern ist nicht mehr das, was er war“, sagt Schackert. Schmidt: „Ich finde den dörflichen Charakter sehr schön.“ Zum Einkaufen gebe es einen gut sortierten SB-Markt in der Nähe und weitere Angebote jenseits der Moerser Stadtgrenze.

Duisburgs Stadtteile I

Rechter Hand duckt sich ein Backstein-Häuschen unter hohe Bäume, ein Kopfsteinpflaster-Plätzchen davor: die frühere Bäckerei. Weiter gehen wir am alten Pastorenhaus vorbei zum Dorfplatz, der mit einer Eiche in der Mitte optisch seinem Namen alle Ehre macht. Aber ach: Der „Jägerhof“ am Dorfplatz macht nur noch auf, wenn ihn jemand für eine Feier anmietet. Schackert erinnert sich an bessere Tage der Gaststätte, wo es hoch her ging, wo schon einmal ein Pferd oder ein Bulle mit an der Theke standen.

Duisburgs Stadtteile II

Apropos Bulle: Dem Rindvieh soll der Stadtteil seinen Namen zu verdanken haben, beziehungsweise den Kommandos der Bauern an ihre Zugtiere: „Oes (Ochse) rum.“ Kann sein. Kann aber auch anders sein. Vielleicht klingt ja Lateinisches mit, schließlich hat man in Oestrumer Boden erst unlängst Erinnerungsstücke aus der Römerzeit entdeckt. Und das einstige Römerlager im heutigen Moers-Asberg ist nur wenige hundert Meter entfernt.

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Von der Vergangenheit zur Zukunft: Eine weitere Siedlung wächst derzeit heran, schöne Einfamilienhäuser mitten im grünen Umfeld, aber auch ein Aufreger: Ausgerechnet als „Bergheimer Wiese“ wird das Neubaugebiet vermarktet, was „Alt-Oestrumer“ Schackert gehörig gegen den Strich geht.

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Aber die gute Laune kehrt sofort zurück, als wir auf den Hof von Anita und Peter Kempken einbiegen. Unten Kopfsteinpflaster, rundum Stallungen, Wirtschaftsgebäude und ein stattliches Bauernhaus. Der idyllisch-ruhige Innenhof wird zweimal im Jahr zum Dorf-Mittelpunkt: im Winter mit dem schon traditionellen Weihnachtsmarkt, und jetzt am 21. August mit dem Weinfest, organisiert von Nachbarn für Nachbarn. Schackert: „Die Leute sollen quatschen, sich amüsieren und glücklich nach Hause gehen.“

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Duisburgs Stadtteile IV

Unsere 60 Minuten sind vorbei, wir haben tollende Pferde auf der Weide gesehen und Lkws, die über die Moerser Straße donnern. Letztere und die oft viel zu schnellen Autos sind für Schmidt „der einzige Makel“ von Oestrum. Auch fehle ihm eine gepflegte Gaststätte im Ortskern. Sein ansonsten zufriedenes Stadtteil-Fazit: „Guter Mix aus Landleben, Dorf und neuer Wohnbebauung“. 

Willi Mohrs

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Kommentare
22.06.2011
14:02
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
von Rakllo | #12

lustrudiluna sowas in diesen Dorf,ne bitte nicht mehr

27.11.2010
17:03
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
von lustrudiluna | #11

Ich habe den Weihnachtsmarkt verpasst. Kann mir jemand sagen, wo man eine Info findet, wann das Ereignis 2011 stattfindet? Oder wollen die Oestrumer keine Besucher :-)

17.11.2010
10:49
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
von Schwafheimer | #10

Sollte zu Moers gehören. :)

28.10.2010
08:20
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
von NeuTrompeter | #9

Nicht ganz richtig: Bergheim ist ein Ortsteil im Stadtbezirk Rheinhausen. Wenns, wie im Kasten angedeutet, amtlich sein soll, muss auch der richtige Begriff verwendet werden. Den Stadtteil gibts gar nicht.

08.09.2010
20:54
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
von Stainless Steel Rat | #8

Als Neu-Oestrumer (ich wohne erst 23 Jahre im schönsten Ortsteil Rheinhausens) ist mir jetzt erst eins aufgefallen. Dass der Jägerhof leider keine richtige Kneipe mehr ist, und dass die Musikschule in einer ehemaligen Gastwirtschaft untergebracht ist, entspricht der Realität. Aber auch das Schäfchen (Bendmann Bahn : heute Oestrum Bahn) gehört zu Oestrum. Also, ganz ohne Gastwirtschaft/Kneipe/Restaurant (im Sommer sogar mit Biergarten) sind wir wirklich nicht.

26.08.2010
23:22
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
von Oestrum-Zebra | #7

Als Ur-Oestrumer (mein Vater ist mit Ferdi zur Schule gegangen, Ur-Oma väterlicherseits ist auf der Talstr. geboren, lebe seit einem Jahr im Exil in MH) ist diese Frage schwer zu beantworten. Meine Definition - basierend auf einer Familienumfrage (alles Oestrumer): im Norden bis zum Ballbruchgraben, im Westen bis zur Friedens-Kirche, im Süden bis Auf dem Hahn, und im Westen bis zum Ende des Oberfelds (Neustr. = Beginn von Trompet). Andere Meinungen?

24.08.2010
12:47
Oestrum – Klein, aber selbstbewusst
von HStadt | #6

Als Neu-Oestrumer würde mich mal interessieren, wo denn die Grenze nach Bergheim verläuft, denn bisher dachte, ich alles nördlich der Moerser Str. wäre Oestrum und alles südlich davon Bergheim, aber das ist ja offensichtlich falsch.

21.08.2010
19:12
Klein, aber selbstbewusst
von Widanski | #5

Duisburg endet halt am Rhein. Alles links davon wird niemals Duisburg werden. Egal was auf dem Nummernschild steht

16.08.2010
14:39
Klein, aber selbstbewusst
von juvenal | #4

Freue mich schon auf die Artikel über Trompet und Schwarzenberg...

15.08.2010
16:24
Klein, aber selbstbewusst
von Cornelia | #3

Danke für die gute Idee und den schönen Artikel, den ich mit Freude gelesen habe. Ich habe schon in Oestrum und Bergheim gewohnt und lebe jetzt am Rande von Friemersheim. Die Rheinhausener Seite ist einfach die schönste.

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