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OB Sauerlands und Kapitän Ahabs Wa(h)lkampf

25.11.2011 | 19:36 Uhr
OB Sauerlands und Kapitän Ahabs Wa(h)lkampf
„Armer Kapitän Ahab“. So verglich FDP-Ratsherr Wilhelm Bies Oberbürgermeister Adolf Sauerland.Foto: dapd

Duisburg.  „Armer Kapitän Ahab“. So verglich FDP-Ratsherr Wilhelm Bies Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Einer von einigen Sätzen in der Ratssitzung zum Abwahlverfahren, die eine Betrachtung wert sind.

Kapitän Ahab. Legendär mit Gregory Peck verfilmt, hat man Herman Melvilles Romanfigur des einbeinigen Walfängers vor Augen, der bis zu seinem Untergang Moby Dick, den weißen Wal jagt, der ihm einst ein Bein abriss. Sturheit bis zur Verblendung.

„Armer Kapitän Ahab“: Die tragische Romanfigur spiegelte FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies in der Ratssondersitzung am Donnerstag auf Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Ein – wenn auch harter – rhetorischer Volltreffer, aber kein Schlag – wie andere – unter die Gürtellinie. Ein Bild zudem, das Sauerland mit seiner Stellungnahme nach der Ratssitzung allzu offenbar bestätigte: Sein Moby Dick ist der politische Gegner. Allein dieses Freund-Feind-Denken, das Abtun der Abwahl als Kampagne gegen den ungeliebten CDU-Mann scheint ihn den Druck aushalten zu lassen. Sauerlands Sicht und auch die der CDU: Die „Roten“ wollen den „Schwarzen“ aus ihrem roten Rathaus, aus dem Amt jagen. Für die CDU ist Sauerland der gejagte Wal.

Die „Pequod“, Ahabs Walfangschiff, geht in Melvilles Roman unter. Keine Sorge, keine Dramatisierung: Das Schiff Duisburg wird nicht sinken. Doch der drohende Lager-Abwahlkampf wird die Stadt in schwere See bringen.

Als Kapitän Ahab verfolgte Gregory Peck bis zum eigenen Untergang Moby Dick, den Wal.Foto: imago/Warner Bros. Pictures/Entertainment Pictures.

 Kein Wort von Sauerland in seiner Reaktion, um was es bei dem Abwahlverfahren gegen ihn eigentlich geht, was Zigtausende hat das Bürgerbegehren unterschreiben lassen. Es ist die Loveparade, die politisch-moralische Verantwortung, die er hätte übernehmen müssen. Auch daran erinnerte FDP-Mann Bies. Und es geht um das Desaster nach der Katastrophe. Muss man wirklich an Pressekonferenzen, fragwürdige Gutachten, Leugnungen und Verleugnungen, an verbale Fehltritte erinnern?

Stattdessen: Wagenburg, Legendenbildungen. Spaltung der Stadt. Lähmung. Die Loveparade-Katastrophe wird zur nicht heilenden Wunde Sauerland. Auch fraglos für den Betroffenen selbst – trotz aller Bekundungen der Gelassenheit. Natürlich ist der Abwahlkampf nunmehr auch zum Kampf um die Macht im Rathaus geworden. Das politische Leben schaukelt sich hoch. All das hätte nicht sein müssen.

Auch das: Linke lobt die Verdienste des OB

In der Ratssitzung fiel ein weiterer bemerkenswerter Satz: „Sauerlands Verdienste als Oberbürgermeister gerade in der Anfangszeit sind unbenommen.“ Das sagte ausgerechnet Linken-Fraktionschef Hermann Dierkes. In der Tat: Aufgebrochene Verkrustungen mit Sauerlands Amtsantritt nach jahrzehntelanger SPD-Herrschaft, frischer Wind im Rathaus, neue Gesichter an Schaltstellen, Aufbruch namentlich in der Innenstadt, neue Attraktivität für Investoren. Alles richtig und unbenommen. Nur darum geht es längst nicht mehr.

Sauerland und die Loveparade

Ein dritter Satz aus der Ratssitzung: „Ich bitte Sie, keine Gräben aufzureißen, die wir nur schwer wieder zuschütten können“, appellierte Stadtdirektor Peter Greulich. Der Satz ging im Tumult unter. Man hört sich nicht mehr zu. So richtig die Mahnung ist, auch sie kommt zu spät. Zu groß das Misstrauen zwischen Politik und Verwaltung, zu heftig die gegenseitigen Schuldzuweisungen, Verdächtigungen, Mutmaßungen.

Ein letzter Satz aus dem Rat, der fatal klingt, zweifelsohne zwiespältig ist, aber dennoch brachte Linken-Chef Dierkes das Duisburger Dilemma auf den Punkt: „Für die Stadt wäre nichts gewonnen, wenn Sauerland das Abwahlverfahren gegen zigtausende Bürger überstehen würde.“

Oliver Schmeer

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Kommentare
26.11.2011
18:30
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von klaig | #21

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26.11.2011
17:06
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von Trowel | #20

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26.11.2011
16:32
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von akaz | #19

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26.11.2011
16:09
Fernsehtipp!
von DerHesse | #18

Aktuell zum Thema bringt RTL morgen den Klassiker Moby Dick in einer Neuverfilmung.
Wer also vom Thema keine Ahnung hat, einfach reinschalten *lol*

26.11.2011
15:15
Modernes Affentheater
von Nasowe | #17

Besser als mit diesem Affentheater kann man dem staunenden Volk nicht vorführen, wie Parlamentarismus, Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft, das eigene Tasche füllen, Ignoranz, fachliche Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit - die so bezeichnete "Demokratie" eben - funktioniert. Nur Mut und weiter so - der Erfolg wird nicht auf sich warten lassen.

26.11.2011
11:56
schlappe metapher
von judasthomaskuhl | #16

wenn schon dann sollte der vergleich nicht hinken

der bekanntere adolf "wenn das deutsche volk nicht stark genug ist muß es untergehn"

sauerland mit seinem "nach mir die sintflut"

so passt die ebene wenn man die motivlage eines oberbürgermeisters beschreiben will dem ralph giordano eine "grauenhafte schmerzlosigkeit" attestiert und der nach robert jungks kriterien als "gemütsfaschist" gelten darf

ahab ist eine irregehende romantisierung

26.11.2011
10:13
@ hobbesdu | #13
von Linker-Genosse | #15

Warum ist dieser Vergleich blödsinn? Vielleicht aus dem Grund weil Sie nicht auf diesen Gedankenblitz gekommen sind?
Ich persönlich finde den Vergleich sogar passender denn je.
Erinnern Sie sich vielleicht noch an das Foto auf dem sauerland und Mahlberg am Ruder standen und somit Einigkeit signalisierten?
Nun schauen Sie sich das obrige Foto einmal genauer an.
Was fällt Ihnen daran auf?
Richtig, der Bootsführer (sauerland) hat den rettenden Blick zu seinen eigenen Rettern verloren und steht somit auf verlorenem Posten. Dieses Verhalten ist symtomatisch für verblendete und betriebsblinde Politiker dieser Generation.
Und wenn man sich beide Fotos in Gänze ansieht so erkennt man sogar Gemeinsamkeiten: Beide haben den gleichen stierigen Blick!

26.11.2011
10:00
Ich darf noch immer nicht dran denken.....
von Harry.Hirsch | #14

....was kommt wenn das Verfahren scheitert.

1 Antwort
....was kommt wenn das Verfahren scheitert.
von Linker-Genosse | #14-1


Es wird nicht scheitern, da die duisburger Bürger die richtige Entscheidung der Abwahl treffen werden.
Es kann nur dann scheitern, wenn man nicht selbst an seine Kraft des Bewirkens glaubt.

26.11.2011
09:51
Es ist heutzutage modern...
von hobbesdu | #13

... in Bildern zu sprechen, der Vergleich mit der Romanfigur Käptn Ahab ist gelinde gesagt Blödsinn. Käptn Ahab ist ein verbohrter alter Mann, der sich in blindem Haß an einem weißen Wal rächen will, weil er ihm das Bein abgerissen hat. A.S. mag zwar ebenfalls verbohrt sein, das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit.

Hier haben wir es mit einem Mann zu tun, der an seinem Amt klebt, sich weigert, politische Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht sollte er sich nochmal seinen Amtseid durch den Kopf gehen lassen. Statt seiner Stadt zu dienen, gibt er sie der Lächerlichkeit preis und sorgt seit einem Jahr für politischen Stillstand.

Ich sehe dem Lagerwahlkampf gelassen entgegen. Hauptsache er bleibt nicht im Amt..

1 Antwort
Nein
von rschulz3 | #13-1

er ist deswegen nicht Blödsinn, weil auch gemeint ist, dass Ahab in seiner Verblendung seine ganze Crew mit in den Abgrund zieht.
Und das übertragen Sie jetzt mal auf die Stadtspitze und die CDU......

26.11.2011
01:34
Ahab Allegorese
von TomJ | #12

Hm, die Allegorese zu dem Ahabbild ist schon okay.

Aber man sollte auch der Vollständigkeit und der Ironie wegen zusetzen, daß die Ahabmethapher auch von diesen RAF-nixen als Parabel konstituierend war.

http://www.mare.de/index.php?article_id=2478

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/stefan-aust-im-interview-wer-die-raf-verstehen-will-muss-moby-dick-lesen-1103231.html

In der moralischen Hybris, die sich Sauerland zuschanzt, passt es dann wieder analog - wie die Faust aufs Auge.

(:

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