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OB Sauerland sagt, er übernehme „moralische Verantwortung“ für Loveparade

11.07.2011 | 13:07 Uhr
OB Sauerland sagt, er übernehme „moralische Verantwortung“ für Loveparade
Vor der letzten Sitzung des Duisburger Rates vor dem Jahrestag der Loveparade-Tragödie hat OB Adolf Sauerland eine persönliche Erklärung abgegeben, in der er sagt, er übernehme "moralische Verantwortung" für die Ereignisse bei der Loveparade. Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool

Duisburg.Oberbürgermeister Sauerland wollte zu seiner „moralischen Verantwortung“ im Zusammenhang mit der Loveparade-Katastrophe sprechen. Er sagte lediglich, er trage die "moralische Verantwortung für dieses Ereignis." Dann kritisierte er Presseberichte. DerWesten berichtete live aus dem Sitzungssaal im Rathaus Duisburg:

14.10 Uhr: Rathaus Duisburg: Eine knappe Stunde vor der Ratssitzung fährt Oberbürgermeister Sauerland mit dem Paternoster nach unten - ein willkommenes Motiv für die Fotografen, die in der ersten Etage vor dem Ratssaal warten.

14.22 Uhr: Vor dem Rathaus demonstrieren Verdi-Mitglieder. Nicht gegen Sauerland, wie einige vermuten, es geht um die Arbeitsbedingungen von Hauswirtschaftskräften in Kindergärten.

14.38 Uhr: Der Stadtentwicklungsausschuss des Duisburger Rates hat sich übrigens gerade einstimmig für den Erhalt des Loveparade-Unglücksortes als Gedenkstätte ausgesprochen. Es erscheint grundsätzlich denkbar, die Treppe an der Rampe als Kernstück des Erinnerungs-Ortes zu erhalten.

14.43 Uhr: Im Ratssaal warten zehn Kamerateams und 15 Fotografen auf OB Adolf Sauerland.

14.46 Uhr: Hier sind nicht nur die rund 50 Journalisten gespannt, was der Duisburger OB heute zu sagen hat. Deshalb zur Erinnerung noch einmal ein Auszug aus seiner persönlichen Erklärung, die Sauerland im August 2010 abgegeben hat: "Für mich steht fest: Ich werde mich meiner Verantwortung uneingeschränkt stellen der persönlichen wie der politischen. Beides hängt allerdings zusammen. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich erst Klarheit über eine etwaige tatsächliche Verantwortung der Stadtverwaltung haben muss, bevor ich die politische Verantwortung dafür übernehme."

14.51 Uhr: Wird Sauerland sich nach dem Bekanntwerden der Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft vor seine Mitarbeiter stellen?

14.54 Uhr: Die Fernseh-Teams und Fotografen haben sich direkt vor dem Pult des OB aufgebaut. Jetzt betritt der OB den Saal.

14.58 Uhr: Alle nehmen wieder Platz, Sauerland sitzt stumm vor seinem Mikro, neben ihm nimmt Stadtdirektor Peter Greulich Platz.

OB Adolf Sauerland erklärt sich

15.03 Uhr: Die Türen werden geschlossen. Vor Eintritt in die Tagesordnung sollen sich alle Anwesenden erheben. Sauerland beginnt, mit zittriger Stimme: "Dies ist die letzte Sitzung vor dem Jahrestag der Loveparade. 21 junge Menschen fanden den Tod in einer beipiellosen Tragödie. Ungezählte wurden verletzt und leiden zum Teil noch heute unter den Folgen",sagt Sauerland. Auch noch nach einem Jahr schmerze die Erinnerung sehr, die Wunden seien noch längst nicht verheilt.

15.04 Uhr: Nach einem Jahr schmerze die Erinnerung sehr, die Wunden seien noch längst nicht verheilt. Dann die Erklärung, auf die sicherlich alle gewartet haben: "Als Oberbürgermeister dieser Stadt trage ich die moralische Verantwortung für dieses Ereignis. Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, mich an dieser Stelle bei allen Hinterbliebenen und Geschädigten zu entschuldigen."

15.05 Uhr: Länger als die eigentliche Entschuldigung dauern dann seine Dankesworte: "Ich danke allen, die im Jahr nach der Loveparade-Tragödie Opfer und Angehörige begleitet und Betroffene gestärkt haben. Ich danke allen, die als Polizeibeamte oder in Ordnungs-, Sicherheits, und Hilfsdiensten ihr Bestes gegeben haben und das Erlebte nicht vergessen können. Ich danke allen, die sich für einen würdigen Umgang mit der Erinnerung engagieren und allen, die das Geschehene verstehen wollen und Gerechtigkeit suchen. Ich danke allen, die mithelfen, dass unsere Stadt wieder nach vorne blicken kann."

15.06 Uhr: Mit den Worten "Duisburg verneigt sich in Trauer vor den 21 jungen Menschen, die vor einem Jahr ihr Leben verloren haben", beendet Oberbürgermeister Sauerland seine Erklärung.

15.07 Uhr: Trauerminute für Horst Conrady, den Geschäftsführer der CDU-Fraktion, der am 18. Juni gestorben ist.

15.08 Uhr: Das war's. Sauerland-Sprecher Josip Sosic verteilt die Erklärung, die der Oberbürgermeister gerade gehalten hat. Außerhalb der Tagesordnung äußert sich der OB zur aktuellen Berichterstattung und geht noch einmal auf die heutige Berichterstattung ein.

15.12 Uhr: Die nun bekannt gewordenen Ermittlungsergebnisse seien schon im Mai Gegenstand in den Medien gewesen. Er kritisiert, dass nun die Namen einzelner Mitarbeiter der Stadtverwaltung genannt wurden. Nach wie vor gelte die Unschuldsvermutung für alle Beschuldigten: "Ich stelle mich an dieser Stelle ausdrücklich vor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Und nach wie vor gilt auch: Die heute wieder zitierten ersten Ermittlungserkenntnisse der Staatsanwaltschaft nehmen keine gerichtliche Bewertung vorweg."

15.15 Uhr: Der Rat geht jetzt zur Tagesordnung über, ein Großteil der Medienvertreter, die nur für die Erklärung gekommen waren, verlässt den Saal.

15.17 Uhr: Eine Reporterin mit ihrem Kamera-Team im Rücken spricht aus, was viele Journalisten denken: "Nach der Nummer komme ich mir jetzt ein bisschen doof vor."

15.27 Uhr: Reaktionen auf diese Worte, sei es von den Mitgliedern des Rates oder von der Zuschauer-Tribüne, gab es übrigens keine. Adolf Sauerlands Erklärung im Wortlaut finden Sie nun im Artikel "klärung im Wortlaut "

_______________________________________________________

Duisburgs OB unter Druck

Heute sind Passagen aus dem Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft Duisburg zur Katastrophe mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten bekannt geworden: Danach müssen sich Mitarbeiter des Bauordnungsamtes und des Ordnungsamtes vorwerfen lassen, ihren Verpflichtungen zur Prüfung des Sicherheitskonzepts und der Einhaltung von Auflagen nicht nachgekommen zu sein.

Sauerland hatte bereits am 7. Juli, am Rande der Eröffnung der Sparkassen-Erlebniswelt im Zoo Duisburg, eine Erklärung zur Loveparade-Katastrophe und der Frage seiner Verantwortung angekündigt . Er steht zudem unter Druck, weil die Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg “ auch nach seinen jüngst bekannt gewordenen Worten des Bedauerns  nicht von der Forderung abrückt, Sauerland müsse zurücktreten.

15 Tage nach dem Start der Unterschriftensammlung zur Einleitung eines Abwahlverfahrens hatte die Initiative bereits mehr als 20.000 der benötigten 55.000 Unterschriften gesammelt . Bis Oktober hat „Neuanfang für Duisburg“ noch Zeit. Für die Abwahl Sauerlands müssen danach 92.000 wahlberechtigte Duisburger stimmen.

Seinen Rücktritt hatte OB Sauerland seit der Katastrophe am 24. Juli mehrmals abgelehnt . Seine Abwahl war im September 2010 nach einem Bürgerbegehren an der erforderlichen Mehrheit im Duisburger Stadtrat gescheitert .

Sauerland über politische Verantwortung

Anfang August 2010 hatte das Stadtoberhaupt ebenfalls eine Erklärung zur Verantwortungsfrage abgegeben, damals zur Ankündigung eines internen Prüfberichts der Düsseldorfer Anwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, nach dem den Mitarbeitern der Stadtverwaltung keine Pflichtverstöße nachzuweisen seien. Damals sagte er:

Adolf Sauerland und die Loveparade

„Ich werde mich meiner Verantwortung uneingeschränkt stellen, der persönlichen wie der politischen. Beides hängt allerdings zusammen. Ich bitte um Verständnis, dass ich erst Klarheit über eine etwaige tatsächliche Verantwortung der Stadtverwaltung haben muss, bevor ich die politische Verantwortung dafür übernehme.“  

 

Philipp Wahl und Marc Wolko

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Kommentare
12.07.2011
08:28
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von banane666 | #121

auf eine Reise nach Bayern wurde ich gefragt: was du kommst aus Duisburg? Ist das die Stadt mit dem OB Sauerland und Love-Parade? (nicht die Frage ist das die Stadt mit dem größten Binnenhafen Europas) Warum ist der noch nicht weg vom Fenster?

das was er jetzt sagt kommt doch nicht ehrlich ´rüber!
Alleine schon wie er das abliest......der hat Schiß dass er jetzt abgewählt wird, zu Recht!
so ein Schauspieler!
Mittlerweile will das Sauerland sich in Rothaargebirgsland umbenennen, da es Imageverlust befürchtet.....und was ist mit Duisburg?
Solange er der OB ist kehrt hier keine Ruhe ein
klaus h aus Duisburg

12.07.2011
00:34
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von turnaround | #120

# 117 taosnm
Wie Sie richtig sagen: Ein Schritt nach dem anderen. Mehr ist derzeit nicht leistbar. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her und da müssen wir erstmal ansetzen. Nach dem Dominoprinzip werden manche Dezernenten mit Sauerland fallen. Wehren sie sich gegen ihren alleinigen Untergang und dauerhafte Rufschädigung und sagen bei der Staatsanwaltschaft gegen Sauerland aus, desto besser.

11.07.2011
23:57
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von dudu10 | #119

Ich hätte da einen:
Gabriele Grillo, aber die wird nicht wollen ;-(

11.07.2011
23:56
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von dudu10 | #118

#117

Vorschläge ?

11.07.2011
23:43
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von taosnm | #117

#116 turnaround
Es wäre jedoch eine charmante Idee, dem Rat und der Verwaltung einen OB-Kandidaten - nicht aus ihren eigenen Reihen - anzubieten, der ihnen nachhaltig vermittelt, was eine Stadt zu leisten und wie sie es zu leisten hat. Aber, Sie sagen sehr richtig, zunächst einmal gehört der Noch-OB aus dem Rathaus gejagt.

11.07.2011
23:32
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von turnaround | #116

Wenn es einen Neuanfang für Duisburg geben soll, dann sollte der Rat der Stadt sich mit dem Rücktritt von Sauerland auflösen und den Wählern die Möglichkeit geben den neuen OB zusammen mit einem neuen Rat zu wählen.

#61 von Duisburgernorden , am 11.07.2011 um 16:06

Das wäre in der Tat, das nächste Ziel, aber leider vor den nächsten regulären Kommunalwahl nicht erreichbar. Gehen wir es daher - der Not gehorchend - einen Schritt nach dem anderen an. ABWAHL von Sauerland.

11.07.2011
23:11
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von AxelKrause | #115

#114 von HeinzK1

Dieser OB hatte die schlechtesten PR-Berater Deutschlands. Wenn er überhaupt welche hatte.
Nach der Abwahl wird es keine Woche dauern und er ist in der Medienlandschaft verschwunden.

Gut so.

Ticker, ticker, ticker

11.07.2011
23:01
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von HeinzK1 | #114

Die bundesweite Reaktion der Medien - von Tagesthemen, Spiegel Online bis Rheinische Post - ist vernichtend für den Oberbürgermeister.

Was von Herrn Sauerland als Befreiungsschlag gedacht war, falls er sich dies selbst ausgedacht hat, verkehrt sich nun ins Gegenteil.

Die sog. Entschuldigung kommt ein Jahr zu spät und erwartet würde die Übernahme der politischen Übernahme mit den damit verbundenen Konsequenzen.

Herr OB Sauerland sollte schnellstens seine PR-Berater wechseln.

Duisburg braucht einen Neuanfang.
.

11.07.2011
22:20
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von ruka | #113

Wie sagte heute ein Mitstreiter: Wenn der OB heute wieder nur Geschwafel abgibt ,kopiert die Listen bis die Drucker glühen !!!In den nächsten Tagen wird es einen Sturmlauf auf die Sammelstände geben !Um den OB zu entsorgen ,würde ich auch Nachtschichten einlegen !!!!Und mit Axels Worten :Ticker,Ticker Ticker !

11.07.2011
20:25
OB Sauerland spricht über Loveparade und seine „moralische Verantwortung“
von armesDuisburg | #112

Mit den Worten Duisburg verneigt sich in Trauer vor den 21 jungen Menschen, die vor einem Jahr ihr Leben verloren haben, beendet Oberbürgermeister Sauerland seine Erklärung.
Der merkt doch gar nichts mehr. Im gegensatz zu ihm, gedenkt und verneigt sich duisburg schon seit dem 24.07.10 vor den toten........ und dieser typ braucht dafür fast ein ganzes jahr? ääääätzend !!!!!!!

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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