OB-Abwahl in Duisburg - Kritik an hohen Anforderungen
19.01.2012 | 11:30 Uhr 2012-01-19T11:30:00+0100
Duisburg. Seit 2011 ist durch eine Änderung der Gemeindeordnung die Abwahl eines Oberbürgermeisters durch die Wähler möglich. Das Abwahlverfahren um Duisburgs OB Adolf Sauerland ist das erste Verfahren dieser Art. Alexander Slonka, Geschäftsführer des Landesverbandes Mehr Demokratie, kritisiert die Regeln.
Erstmals steht in NRW ein Oberbürgermeister vor einer Direktabwahl . Alexander Slonka, Geschäftsführer des Landesverbandes „Mehr Demokratie e.V.“ begrüßt die Änderung der Gemeindeordnung, die es seit 2011 möglich macht, dass Bürger ihren OB abwählen können.
Warum brauchen wir die Abwahlmöglichkeit?
Alexander Slonka: Wir finden diese Änderung logisch. Wer direkt gewählt wird, muss auch wieder abgewählt werden können. Die Staatsgewalt geht in unserem Land jederzeit vom Volke aus - somit muss sie gewählten Vertretern auch wieder entziehbar sein. Und ob die Bürger Zweifel am gewählten Bürgermeister haben, können oft nur die Bürger selbst entscheiden. Das bisherige Verfahren, eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rat zur Einleitung einer Abwahl, war da einfach nicht ausreichend. Gut, dass das jetzt auch per Bürgerbegehren geht.
In NRW hat es zuvor drei – durch die Stadträte eingebrachte – Abwahlverfahren gegeben. . .
Slonka: Die bisherigen Abwahlverfahren in Ennigerlohe, Meckenheim und Nideggen sind im Vergleich zu Duisburg nahezu geräuschlos abgelaufen. Natürlich hat es innerhalb der Stadtgrenzen heiße Debatten gegeben, die zweimal zur Abwahl des amtierenden Bürgermeisters geführt haben. Überregional hat das aber kaum jemand mitbekommen. Im Fall Duisburg ist das völlig anders. Die schrecklichen Ereignisse bei der Loveparade haben dafür gesorgt, dass dieses Abwahlverfahren bundesweit in den Medien ist.
Die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen liegt meist unter 50 Prozent. „Politikverdrossenheit“ ist dann häufig das diskutierte Schlagwort. Gilt für direkte Abwahlverfahren eine andere Ausgangssituation?
Slonka: Es gibt viele Gründe, nicht zu einer Wahl zu gehen. Politiker- und Parteienverdrossenheit ist einer davon. Letztlich ist die Wahlbeteiligung bei einer Wahl ins Amt aber egal – die Gewählten sind gewählt, die geringe Wahlbeteiligung meist schnell vergessen. Die Ausgangssituation bei der Abwahl ist eine andere, weil ein Zustimmungsquorum von 25 Prozent gilt. Das heißt: 25 Prozent der Wahlberechtigten müssen hingehen und mit Ja für die Abwahl stimmen; sonst ist der Abwahlentscheid ungültig. Wir sehen dieses hohe Quorum sehr kritisch, weil es dazu führt, dass die Gegner einer Abwahl nicht mit voller Kraft in den Abstimmungskampf einsteigen müssen. Wahlenthaltung wird als Nein gewertet; dabei sollten in einer Demokratie doch diejenigen entscheiden, die sich beteiligen und nicht die, die auf der Couch sitzen bleiben.
Artikel, Fotos, Videos und ausgewählte Beiträge zur Loveparade in Duisburg und den Folgen – etwa zur Abwahl von Adolf Sauerland als OB und dem politischen Neuanfang in Duisburg – finden Sie auf unseren fünf Spezialseiten.
In Duisburg spielen viele Emotionen mit, wenn es um Adolf Sauerland geht. Spielt das eine Rolle, was die Wahlbeteiligung angeht?
Slonka: Bei Bürgerentscheiden ist es häufig schwierig, Menschen zur Abstimmung zu bewegen, weil das Thema der Abstimmung nicht ihren Stadtteil betrifft und damit die emotionale Betroffenheit fehlt. Dies wird bei der Abwahl in Duisburg nicht der Fall sein. Der Abwahlkampf wird, das zeigen die Vorwürfe, sehr emotional geführt und ich erwarte eine hohe Wahlbeteiligung.
Was passiert mit Bürgerinitiativen wie der in Duisburg, wenn die Wahl für sie am Ende negativ ausgeht?
Slonka: Bei früheren Abstimmungen in Nordrhein-Westfalen wurde es eigentlich immer akzeptiert, wenn sich die Mehrheit der Bürger gegen ein Begehren ausgesprochen hat. Ich bin mir sicher, dass das auch in Duisburg der Fall sein würde. Problematisch wird es nur, wenn sich beim Entscheid eine deutliche Mehrheit für die Abwahl von Herrn Sauerland ausspricht, die Abwahl aber am Quorum scheitert. Die Gräben wären dann wohl noch tiefer als zuvor. Deshalb wünsche ich Duisburg vor allen Dingen eins: ein klares und unmissverständliches Ergebnis beim Abwahlentscheid im Februar.

17:52
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11:13
Nein, es ist keine Wahl, es ist bloß nur eine einfache und emotionale Abstimmung gegen eine einzelne unbescholtene Person. Es brauchen sich nur die an der Abstimmun zu beteiligen, die gegen Herrn Sauerland sind. Dann wäre es, nebenbei bemerkt, auch keine geheime Wahl mehr, weil jeder der teilnimmt, sich öffentlich zu seinen Nein bekennt.
21:36
ist also eine Wahl, bei der der Kopf abgeschaltet wird, nicht wahr.
Eiine Emotionswahl also.
Toll!
Und wenn der OB dann weg ist, dann ist erst einmal Katerstimmung angesagt.
18:32
Die erste Abwahl eines OB in NRW war sogar der Satiresendung "extra 3" des NDR einen ausführlichen Beitrag wert. Wird heute in Einsfestival um 22:45 wiederholt.
Für alle Ja-Stimmer eine Pflichtsendung. Die Nein-Stimmer sollten sich die Sendung nicht ansehen, sonst müssten sie sich beschweren, wie der Saarländer, der sich über den satirischen Beitrag über das Saarland beschwert hat.
Danke für den TV-Tipp, werde ich mir reinpfeifen.
17:15
Hier nochmal für alle eine kleine Hilfe:
Richtig ist, Herr Sauerland wurde nichtmal mit 25% der abgegeben Stimmen zum OB gewählt. Um das Quorum zu erreichen, müssen aber 25% der in Dusselburg wahlberechtigeten Bürger mit ja abstimmen. Wenn das nicht erreicht wird bleibt der OB im Amt! Alle andern abgegebenen Stimmen sind dann für die Tonne.
Wenn man den kleinen Unterschied erkennt und sich 2 Min. Zeit nimmt, kann man die absolute Zahl der erforderliche Ja-Stimmen ausrechnen.
Ansonsten hat von Duri | #10 recht!
15:14
#10
Die Katastrophe der Loveparade und die damit verbundenen strafbaren Handlungen als "unpopuläre Entscheidung" zu titulieren ist schon ein Tiefschlag und absoluter Hammer.
Was haben Sie für eine Moral? Sind menschliche Empfindungen, Anteilnahme und Verantwortungsbewusstsein für Sie alles Fremdworte?
Mir ging es nicht um die aktuelle Situation, sondern um das Grundsätzliche.
Mit unpopulären Entscheidungen meine ich da eher z.B. die anstehenden Sparbeschlüsse zum Haushalt.
14:55
@taosnm:
"Wenn jemand sein Amt nicht vernünftig ausfüllt, gehört er abgewählt!"
Mal ab von der aktuellen Abwahldiskussion etwas grundsätzliches:
Es ist dann nur noch die Frage was vernünftig für den Einzelnen bedeutet.
Wenn es keine hohen Anforderungen an eine Abwahl (die ja auf kommunaler Eben alle 5 Jahre sowieso stattfinden kann) gibt, hat demnächst jede 2. Stadt ein Abwahlverfahren.
Es müssen auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden können, ohne befürchten zu müssen dass man deswegen direkt abgewählt wird.
Eine Abwahl innerhalb einer Legislatur kann nur aus sehr wichigen Gründen erfolgen, daher dürfen die Anforderungen hieran nicht zu niedrig sein.
Ansonsten gäbe es eine Flut von Abwahlen, mit der Folge, dass irgendwann keine Kandidaten mehr da sind weil jeder schon mal abgewählt wurde.
Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Für mich ist die Quote von 25% völlig in Ordnung, allein schon deshalb, weil sie in diesem besonderen Fall dafür stehen wird, dass der OB mit mehr Stimmen abgewählt als gewählt wird.
Der Einzelne spielt hier keine Rolle. Er kann denken, was er will. Es geht hier um eine qualitative Mehrheit, die im einzelnen gewiss unterschiedliche Vorstellungen von vernünftig hat. Setzen Sie anstelle von vernünftig einfach mal verantwortlich, dann wird es möglicherweise klarer.
Auch habe ich nicht behauptet, dass unpopuläre Entscheidungen falsch sind. Es gibt immer wieder Entscheidungen, die sein müssen, auch wenn sie unpopulär sind. Wenn man sie gut und sinnvoll begründen kann, steht die Abwahl nicht drohend im Hintergrund.
Wichtige Gründe gibt es in Duisburg leider mehr als einen. Der wichtigste Grund ist und bleibt die Loveparade, und in der Veurteilung des Umgangs mit der Katastrophe stehen die Duisburger nicht allein, sondern werden weit überregional begleitet. Ausserhalb der Stadt ist es völlig unverständlich, dass der OB noch im Amt ist.
Ausserdem, wenn es keine Kandidaten mehr gibt, weil alle schon einmal abgewählt sind, bedeutet das längst nicht, dass die Abwahl an sich ungeeignet ist, sondern das heisst ganz klar, dass die Kandidaten unfähig sind und die Bürger das inzwischen begriffen haben und sich wehren. Und das ist so etwas von richtig. Die Parteien sind derzeit dabei, sich selbst zu zerlegen, und es ist noch nicht einmal traurig darum. Wir alle werden neu nachdenken müssen.
14:34
@6
"Am 12.2 kann es nur heissen mit N E I N abzustimmen, um dafür zu sorgen, das Herr Sauerland weiter OB von Duisburg bleibt."
Eben nicht, wer gegen eine Abwahl ist sollte zu Hause bleiben. Wurde mir so von der CDU bestätigt.
Und Ihnen wünsche ich einen wunderbar sntspannenden Sonntag zu Hause, damit sie sich für das Ergebnis der Abwahl wappnen können.
14:27
Die Sauerland Familie hat hier mal wieder voll zugeschlagen und blamiert sich köstlich.
Ihr Lieben:Am 12.2. ist Schicht im Schacht für euch und euren Helden Adolf S.!
14:25
@6
"Am 12.2 kann es nur heissen mit N E I N abzustimmen, um dafür zu sorgen, das Herr Sauerland weiter OB von Duisburg bleibt."
Eben nicht, wer gegen eine Abwahl ist sollte zu Hause bleiben. Wurde mir so von der CDU bestätigt.