Nur noch eine Notdienstpraxis

Nach den Beschlüssen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), die Zahl der Notfallpraxen in Duisburg von vier auf eine zu senken, wird es auch für die Bürger spürbare Auswirkungen geben: „Auf die Patienten kommen längere Wege zu“, sagt Dr. Helmut Gudat, Vorsitzender der KV-Kreisstelle Duisburg. Die Reform soll aber frühestens 2016 in Kraft treten.

Dann soll es auch keine fachärztlichen Notdienstpraxen mehr in Duisburg für die HNO-Versorgung und den augenärztlichen Dienst geben – das konnten Ärzte bislang in ihren Praxen selbst organisieren. Künftig sollen die Patienten auf zentrale Notpraxen in Nachbarstädte ausweichen, die genauen Standorte stehen aber noch nicht fest. Das gilt auch für den Notdienst für Kinder- und Jugendmedizin, bei dem Duisburg, Oberhausen und Mülheim zusammengefasst werden. Hier ist aber Duisburg als Standort im Gespräch.

Auch der ärztliche Fahrdienst wird neu zugeschnitten und ist dann mit acht Fahrzeugen für die Städte Duisburg, Oberhausen und Wesel zuständig. Bisher stehen Duisburg vier Fahrzeuge zur Verfügung. Dr. Gudat betonte, dass die Beschlüsse ein „Grobraster“ seien. Er will bei den Verhandlungen mit der KNVO „an die Grenzen des Machbaren“ gehen.

Hart ins Gericht mit den Plänen geht der Leiter des notärztlichen Rettungsdienstes der Duisburger Feuerwehr, Dr. Frank Marx. Er befürchtet mehr Andrang in den Notaufnahmen und eine Zunahme von Notrufen. Marx: „Wir werden als Rettungsdienst missbraucht, wenn der allgemeinärztliche Dienst ausgedünnt wird. Schon heute erhalten wir eine große Zahl an Anrufen von Menschen, die kassenärztlich behandelt werden müssten“ – etwa bei einer Grippe.

Zudem gebe es keine lokalen Notdienst-Rufnummern mehr, sondern nur eine NRW-weite Nummer. „Die Mitarbeiter dort können nicht erkennen, ob es sich um einen Notfall handelt“, so Marx. Und: „Wir jagen dann mit Blaulicht durch die Stadt, haben aber auch keine Medikamente dabei.“ Marx unterstellt der KVNO auch „eindeutig finanzielle Interessen“. Doch am Ende könne es teurer werden. Denn: „Ein rettungsärztlicher Einsatz kostet 700 Euro, gut zehn Mal so viel wie eine vergleichbare kassenärztliche Behandlung.“