Wehofener durften „Das Letzte!“ als erste sehen

Mehr als der Mahner mit dem erhobenen Zeigefinger: Wilfried Schmickler – hier bei einem Auftritt in Dinslaken –  arbeitet, singt und spielt sich in „Das Letzte!“ am alltäglichen Irrsinn ab.Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Mehr als der Mahner mit dem erhobenen Zeigefinger: Wilfried Schmickler – hier bei einem Auftritt in Dinslaken – arbeitet, singt und spielt sich in „Das Letzte!“ am alltäglichen Irrsinn ab.Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wilfried Schmickler begeisterte in der ausverkauften Alten Schmiede mit der Vorpremiere seines neuen Programms.

Wehofen.. Wie bewegt man die Kabarett-Instanz Wilfried Schmickler dazu, das mit Spannung erwartete, neue Programm ausgerechnet in Wehofen erstmalig als Vorpremiere zu zeigen?

Mit schmackhaften Rinderrouladen, herzhaftem Rotkohl und leckeren Kartöffelchen. Die Kombination kredenzen die Gastgeber in der Alten Schmiede dem Leverkusener Kabarett-Poeten immer dann, wenn er wieder mal vorbeischaut, wie er das schon seit 25 Jahren tut.

Weil Menschen mit starker Medienpräsenz von Medienmachern gern mit Etiketten versehen werden, damit man sie schneller in Schubladen stecken und bei Bedarf wieder hervorholen kann, haftet Schmickler das Prädikat „Moralist“ an.

Dass diese Kategorie zu kurz greift, dass dieser Rheinländer weit mehr ist, als der Mann mit dem hoch erhobenen Zeigefinger, zeigte er vor ausverkauftem Haus.

Universalgelehrter des Humors

In seinem neuen Programm, das gar nicht so pessimistisch stimmt, wie der Titel „Das Letzte!“ vermuten ließe.

Kollektive Sucht nach gegrilltem Fleisch, das massenhafte Abdriften von Menschen in Scheinwelten des Internets, der Stumpfsinn öffentlich-rechtlicher Abendprogramme und eine wirtschaftliche und politische Kultur, in der nassforsch-dreiste Jugendlichkeit einen substanziellen Mangel an Lebenserfahrung und Persönlichkeit übertüncht – Themen, die in Schmickler den Mahner wecken.

Doch prangert er nicht nur an, er arbeitet und spielt sich an den Motiven ab, widmet ihnen brillante Chansons, strickt feinmaschige Pointen oder provoziert mit Prognosen, die das lachende Publikum spontan verstummen lassen.

Was, an Schmicklers wahrlich gesunden Menschenverstand gemessen, objektiv lächerlich ist, gibt der Rheinländer auch der Lächerlichkeit Preis.

Etwa die „Regentonnenvariationen“ des Lyrikers Jan Wagner. Die erinnern gewaltig an Hape Kerkelings mittlerweile legendären „Hurtz!“-Sketch. Was eine Jury nicht hinderte, Wagners Regentonnen mit dem Leipziger Buchpreis zu ehren.

Wilfried Schmickler ist in einer Zeit des seichten Scheins ein großer Universalgelehrter des Humors. Eine moralische Instanz, kein nölender Moralist.

Sein Programm „Das Letzte!“, mit dem er bald auf Tour geht, ist hoffentlich nicht das Letzte, was man von ihm hört und sieht.