Was Innenminister Jäger über die Duisburger Probleme denkt

Ralf Jäger hatte viel Zeit mitgebracht. Zwei stunden stellten Bürger im Senftöpfchen Fragen an den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, der in Hochfeld aufgewachsen ist.
Ralf Jäger hatte viel Zeit mitgebracht. Zwei stunden stellten Bürger im Senftöpfchen Fragen an den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, der in Hochfeld aufgewachsen ist.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Einbrüche, Salafisten, Roma, Rechtsaußen und Asyl: Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) war im „Senftöpfchen“ in Duisburg-Röttgersbach zu Gast. Dort sprach er mit interessierten Bürgern über die Probleme in ihrem Stadtteil - er nannte aber auch mögliche Lösungen.

Duisburg-Röttgersbach.. Drei große, dunkle Audi-Limousinen fahren in den Kreisverkehr ein, halten blinkend an. Sicherheitsbeamte in dunklen Anzügen springen auf die Straße und stoppen vor dem Bistro Senftöpfchen den Verkehr – nur für Sekunden.

Dann ist NRW-Innenminister Ralf Jäger drin im prallgefüllten Gästesaal der Röttgersbacher Kneipen-Institution. Der NRW-Landtagsabgeordnete Frank Börner, der seit fast 20 Jahren zum Polit-Talk ins Senftöpfchen von Wirt Jürgen Theis lädt, begrüßt den hochrangigen Gast, der freilich ein Heimspiel hat. Jäger ist Chef der Duisburger SPD, kennt die Stadt und auch den Norden genau.

"Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt"

„Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt“, sagt der Mann, der seine Kindheit in Hochfeld verbracht hat. Dies sei auch empirisch zu belegen, sagt der studierte Pädagoge weiter, „allerdings gibt es einen Unterschied zwischen gefühlter Sicherheit und objektiver Sicherheit.“ Verbrechens-Vorbeugung trage dazu bei, dem Bürger ein sicheres Gefühl zu geben, sagt Jäger: „Deshalb ist es mein Job, für Prävention zu werben.“ Zwei Stunden lang stellte sich Jäger anschließend den Fragen des Publikums.

Die Röttgersbacher, Marxloher, Neumühler, Eickelkämper und Rheinhauser Bürger – darunter zahlreiche SPD-Parteigenossen – klagen teils über Wohnungseinbrüche, teils über nächtlichen Lärm durch Raser und haben zahlreiche Fragen zur geplanten Landes-Asyl-Aufnahmestelle, die im Neumühler Barbara-Hospital entstehen soll. Auch die Auswirkungen, die der massive Zuzug von Roma aus Rumänien und Bulgarien auf das Leben in Marxloh und Hamborn hat, werden hinterfragt.

"In der Debatte wird dies alles oft vermischt"

Eine Alternative zum Landesasyl im St. Barbara gebe es derzeit in Duisburg nicht, sagt Jäger: „Als seinerzeit durch die Politik gesagt wurde, St. Barbara stehe nicht zur Disposition, war noch niemandem klar, wie sich die politische Lage in Syrien und dem Irak entwickeln wird.“ Eindringlich bittet der Innenminister die Bürger, in der Debatte um Zuwanderung sauber zu differenzieren: „In Neumühl werden Asylbewerber unter gebracht, Kriegsflüchtlinge, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen.“

Die hätten einen komplett anderen Status als Rumänen und Bulgaren, die als Bürger der europäischen Union das Recht auf Freizügigkeit genießen: „In der Debatte wird dies alles oft vermischt und von rechten Aufhetzern in Parolen umgemünzt.“ Als ihn danach ausgerechnet ein Rheinhauser SPD-Genosse mit der – nun wirklich nicht differenzierten – Frage überrascht, ab wann das „Duisburger Boot denn voll sei?“ zeigt der ansonsten eloquente und entspannte Minister Zähne: „Hast du nicht zugehört? Worüber rede ich denn gerade? Genau diese Parolen bringen uns gar nichts.“