Walsumer kämpfen für Kumpel
22.06.2008 | 20:16 Uhr 2008-06-22T20:16:00+0200Die Initiative "Kumpel für AUF" veranstaltete auf dem Franz-Lenze-Platz eine Kundgebung zur bevorstehenden Schließung der Zeche Walsum: Politik und Verwaltung reagieren zu spät
"Glückauf der Steiger kommt" und andere Lieder lockten die Marktbesucher zum Infostand. In wenigen Tagen gehen 75 Jahre Bergbau in Walsum zu Ende. Über Jahrzehnte wurde der Stadtteil von der Zeche geprägt. Grund genug für viele Walsumer die bevorstehende Schließung des Schachts nicht Tatenlos hinzunehmen. Mit einer Kundgebung am Samstag auf dem Franz-Lenze-Platz wollte die Initiative "Kumpel für AUF" "die Kumpel und ihre Familien würdigen und zeigen, dass die Walsumer über Parteigrenzen und Nationalitäten zusammenhalten", so Wolf-Dieter Rochlitz, der Sprecher der Initiative.
Mit der Aktion wollen sie vor allem ihren Protest gegen das Familienfest ausdrücken, bei denen die Kumpel offiziell von der "Deutschen Steinkohle" (DSK) verabschiedet werden. "Wir sind dagegen, dass nach dem Motto verfahren wird, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen", so Wolf-Dieter Rochlitz. Der Initiative geht es bei dieser Kritik in erster Linie darum, dass die Schließung der Zeche kein Freudentag ist, den man mit einem lustigen Fest begeht. "Ich bin der Meinung, dass es kein Grund zu feiern ist, wenn das Bergwerk geschlossen wird, sondern darüber nachgedacht werden muss, wie es mit dem Stadtteil weiter geht", so Wolf-Dieter Rochlitz.
Das offene Mikrofon ermöglichte es jeden Bürger, seine Meinung zum Thema Bergwerk-Schließung kund zu tun. Gabi Georgiou gehörte zu den Bürgern, die nicht Schweigen wollten und Stellung für die Kumpel bezogen. "Was aus unserer Jugend wird, wo diese zukünftig Arbeit finden soll, das stört die Verantwortlichen nicht. Ebenso wenig, wenn der ganze Stadtteil verödet und die Kleinhändler, Bäcker, Fleischer und so weiter aufgeben müssen", kritisiert sie die Haltung der Politik und der Wirtschaft.
Der Protest von "Kumpel für AUF", richtet sich aber nicht nur gegen die Betreiber des Bergwerkes sondern auch gegen die lokale Politik. Der Vorwurf gegen Politik und die Stadt lautet, dass sie sich nicht solidarisch an der Seite der Bergleute stellen. "Die Mehrheit der Kommunalpolitik hätte mehr um die Zeche kämpfen müssen. Sie hat die Schließung einfach hingenommen", sagt Wolf-Dieter Rochlitz.
Zudem ist ein weiterer Kritikpunkt der "Kumpel für AUF", dass die politischen Entscheidungsträger die Bevölkerung mangelhaft und verspätet über die Schließung informiert hat: "Die Kommunalpolitik hat den Menschen keinen reinen Wein über die Zukunft der Zeche eingeschänkt", so Rochlitz.
09:03
Es ist schon sehr eigenartig, wenn ein Verein wie Kumpel für AUF um das Bergwek trauert. Als wir Bergleute aus Walsum an allen möglichen Stellen um den Erhalt des Bergwerks kämpften, hatte diese Initiative nichts besseres zu tun, als öffentlich den Rahmenbetriebsplan ab zu lehnen. Jetzt zu jammern kommt vielleicht politisch gut und ist natürlich populistisch. Aber das hat was damit zu tun, dass sie zur Veranstaltung am nächsten Samstag nicht herein gelassen werden. Und das ist auch gut so. Dieser Verein hat sowieso nur die Aufgabe für die Marxistisch Leninistische Partei (MLPD) Interessenten und Mitglieder zu werben. Zu deren Leidwesen haben sie bis jetzt in Walsum keine Massenbewegung in ihrem Sinne entstehen lassen. Wir lassen uns nicht vereinahmen.
Glück Auf
Heinz Berning