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Stadtgeschichte

Vor hundert Jahren schlemmten die Duisburger in der „Reichskrone“

19.02.2013 | 17:13 Uhr
Vor hundert Jahren schlemmten die Duisburger in der „Reichskrone“
Der alte Handelshof zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.Foto: Hamborner Verlag

Hamborn.  Mit dem Bericht über den Handelshof endet unsere Serie über die alten Traditionsgaststätten der einstmals selbstständigen Stadt Hamborn.

Die Szene beschreibt ein etwas anderes Hamborn: Die heutige Duisburger Straße ist noch unbefestigt, nicht gepflastert oder asphaltiert. Hochstämmige Ulmen säumen den Straßenrand. Das Amtsgericht steht noch nicht, stattdessen liegt dort ein Acker. Wohl verlaufen schon Straßenbahngleise in Richtung Dinslaken.

Aber seit 1904 dominiert das stattliche Rathaus die Umgebung. Ein Jahr später, 1905, lässt Hermann Beekmann direkt gegenüber vom Rathaus, auf der anderen Straßenseite, an der damaligen Provinzialstraße/Ecke Rathausstraße, das Restaurant „Reichskrone“ als stattliches viergeschossiges Eckhaus, mit Stuck verziert, errichten. Es bildet später als „Hotel-Restaurant Handelshof“ das erste Haus am Platz.

Schön eingerichteteFremdenzimmer und gute Küche

Im Adressbuch des Jahres 1906, so hat Heimatforscher Hans-Joachim Meyer herausgefunden, warb Beekmann mit Fernsprecher-Anschluss, der Haltestelle an der elektrischen Straßenbahn und Zentralheizung, außerdem mit „schön eingerichteten Fremdenzimmern“ und „guter Küche“. Sein Haus bot „fast frisches Dortmunder sowie Münchener Paulaner und Deutsch-Pilsener“ sowie „vorzügliche Rhein- und Moselweine.“

Schon 1914 hat die „Reichskrone“ einen anderen Inhaber: Bernhard Neuhaus. „Papa Neuhaus“, wie er genannt wird, drückt der dortigen Gastronomie für Jahrzehnte seinen Stempel auf. Direkt nebenan errichtet er 1929 das „Hotel Handelshof“ - diesmal ein fünfgeschossiges Gebäude mit moderner Fensterfassade. Eine Dampf-Fernheizung von Thyssengas versorgt das Hotel. Das Haus verfügt über einen Lift. Und im Restaurant im Erdgeschoss finden 600 Personen an Tischen Platz. Das Haus bietet 30 Hotelzimmer.

Noch in den 1950er Jahren ist der Handelshof Hamborns gesellschaftlicher Treffpunkt. Große Veranstaltungen finden dort statt, die Jubilarehrungen des Hamborner Bergbaus etwa. Nachmittags herrscht Kaffeehaus-At­mosphäre: Walzer bei Kaffee und Kuchen. Und abends geben sich Gäste aus der Show- und Musikszene auf der Bühne die Ehre.

Nach Neuhaus’ Tod Ende der 60er Jahre übernimmt Tochter Gertrud die Geschicke des Hauses, berichtet Heimatforscher Meyer weiter. Ihr Ehemann, der Kinderarzt Dr. Albert Neurohr, betrieb zeitweise seine Praxis in den Hotelräumen. Aber die große Zeit von Handelshof und Reichskrone ist damals vorbei. Mitte der 70er Jahre schließt das Eck-Restaurant, wenig später auch der Hotelbetrieb. Heute sind hauptsächlich Rechtsanwälte und Ärzte in dem Haus ansässig.

Martin Kleinwächter


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