Vor 50 Jahren gab’s an Silvester Punsch aus dem Kochpott

Fröhlich feierte Angelika Nötzel (4.v.l.) mit ihren Eltern und Freunden Silvester.
Fröhlich feierte Angelika Nötzel (4.v.l.) mit ihren Eltern und Freunden Silvester.
Foto: Nötzel
Was wir bereits wissen
Angelika Nötzel aus Duisburg-Hamborn erinnert sich an den Jahreswechsel 1964/1965. Mit Freunden und Nachbarn feierte ihre Familie im Wohnzimmer.

Duisburg-Hamborn.. Drei Dinge gehörten einfach dazu, wenn die Menschen in den 1960er Jahren Silvester feierten: Punsch, Bleigießen und Luftschlangendekoration. Gerne denkt die heute 62-jährige Angelika Nötzel an die Zeit zurück, als sie mit Mama, Papa und Freunden der Familie sowie ihrer Tante den Jahreswechsel beging. Da war immer was los. „Gefeiert wurde natürlich zu Hause.“

Das Wohnzimmer räumte die Familie dafür am Silvestertag um. Erst der Teppich raus – damit er nicht bekleckert wurde und man besser tanzen konnte. Dann die Möbel an die Wand gerückt – damit mehr Platz entstand. Denn wirklich groß waren die Thyssen-Wohnungen an der Hermannstraße nicht. Dort lebten überwiegend ehemalige Alsumer, deren „Dorf“ bekanntlich im Zweiten Weltkrieg stark zerstört worden war. Die Reste des Ortsteils verschwanden unter einer Müll- und Schutthalde, dem heutigen Alsumer Berg.

Jeder brachte was zur Party mit

Da man sich aus alten Zeiten und durch die Arbeit kannte, war klar, dass sich die Nachbarn nach der Knallerei gegenseitig besuchten und alles Gute wünschten. „Meistens“, erinnert sich Angelika Nötzel, standen dann „kurz nach Mitternacht plötzlich viele Leute vor der Tür“. Logisch, dass sie auf einen Punsch aus dem großen Kochtopf – so wie man es von der TV-Serie Ekel Alfred kennt – eingeladen wurden. So feierten Deutsche, Italiener, Spanier gemeinsam.

Früher hielt man mehr zusammen

Der Kontakt zur Nachbarschaft, sagt die Röttgersbacherin etwas wehmütig, „war damals anders als heute“. Man hielt mehr zusammen. Logisch, dass die Gäste nicht mit leeren Händen kamen: „Jeder brachte was mit.“ Gemeint sind: Hochprozentiges, Salzstangen oder andere Knabbereien wie Fischchen aus Salzgebäck und Erdnusslocken.

Das Warten auf den Jahreswechsel verbrachte man mit Gesprächen, Tanzen, Essen (Kartoffelsalat mit Würstchen) und Bleigießen. „Bleigießen hatte bei uns Tradition“, sagt die gelernte Altenpflegerin. Schließlich wollte man ja wissen, was die Zukunft bringt... Außerdem war es ein lustiges Gesellschaftsspiel.

Natürlich machte man sich auch fein, zog den besten Anzug oder das schönste Kostüm, beziehungsweise ein hübsches Kleid an – und manche verkleideten sich auch, wie etwa Angelikas Vater Rudi. Er liebte es, als Clown den Abend zu verbringen.

Das waren noch Zeiten...