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Kommentar: Thema der Woche

Vom Mangel

03.06.2012 | 11:00 Uhr
Vom Mangel
Karikatur: Holtschulte

Duisburg-Bruckhausen.   Bezeichnend ist, dass es die Stadt nicht für nötig hält, die Vorwürfe Schritt für Schritt zu widerlegen. Wartet man geradezu darauf, dass die politische Rechte dieses Feld übernimmt?

Jeder Soziologiestudent lernt im ersten Semester, dass Organisationen nicht nur offizielle Ziele haben, also die, für die sie einmal ins Leben gerufen wurden. Er lernt vielmehr, dass sie auch Ei­geninteressen verfolgen. Das gilt auch für die Stadt Duisburg und die Entwicklungsgesellschaft EGDU. Solche Eigeninteressen können sogar manchmal dominieren: das Interesse daran etwa, möglichst nicht von außen kon­trolliert zu werden, nicht überfordert zu werden oder was man dafür hält oder mit Privilegien wie Dienstwagen und gut dotierten Posten ausgestattet zu werden, um nur einige zu nennen.

Nun hat sich die Stadt schon vor vielen Jahren dem herrschenden Zeitgeist verschrieben, dem aus den USA zu uns herübergeschwappten Glauben an das erfolgreiche Managertum - wenn man es nur gut genug honoriert. Das Schlagwort vom „Konzern Stadt“ brachte das schon vor Jahren auf den Punkt. Eine unübersichtliche Vielfalt von städtischen Gesellschaften ist seitdem entstanden. Ihre Manager sind teilweise besser bezahlt als der Oberbürgermeister.

Dass Dumme ist nur, dass sich diese Sichtweise im Gemeinwesen mit dem Demokratie-Gedanken schneidet. Das Managertum, dahinter stecken die Führung und Kontrolle von oben. Demokratie bedeutet Führung und Kontrolle von un­ten. Dahinter wiederum steckt der simple Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Und da gibt es dann doch einige Auffälligkeiten: Wie kommt es, dass die Umgestaltung Bruckhausens politisch nicht im Ansatz umstritten ist? Wie kommt es, dass sich keine bekannte politische Kraft wenigstens mit Kritik an der Art und Weise, wie diese Umgestaltung geschieht, zu profilieren versucht? Die von der „Initiative für Transparenz“ aufgeworfenen Fragen sind ja nicht absurd. Bezeichnend ist aber, dass es die Stadt nicht für nötig hält, die Vorwürfe Schritt für Schritt zu widerlegen.

Wartet man geradezu darauf, dass die politische Rechte dieses Feld übernimmt? Wie kommt es, dass es keinen Bruckhausen-Sanierungsausschuss des Rates gibt, der regelmäßig nachhält, wie die Mittel dafür verwendet werden, sondern nur einen anonymen Aufsichtsrat der EGDU?

Martin Kleinwächter



Kommentare
04.06.2012
10:58
Vom Mangel
von hercules150 | #6

zu 5
Dabei geben die Organisationen den Bürgern zwar das Gefühl mit zu bestimmen,
doch am Ende setzten sie ihre von ihnen geplanten Dinge durch und verkaufen das dann auch noch als Bürgerwille. Beispiele dafür gibt es mehr als genug. Doch in der Vergangenheit wurden ja stets die Kritiker von EGDU und den Machenschaften von Verwaltung an den Pranger gestellt. Die Realität und Wahrheit wollte ja niemand wissen,leider. Sonst wären weit aus weniger Kinder in den berühmten Brunnen gefallen.
Auch diesesmal werden die Verantwortlichen sich alles passend biegen oder Auskünfte mit dem Argument Datenschutz verweigern. das ist Realität und die DEMOKRATIE in Duisburg

04.06.2012
08:44
Unsinn
von entfilzer | #5

Selten habe ich einen derart unsinnigen Kommentar gelesen. Übernahme durch die Rechte? Anonymer Aufsichtsrat? Mangelnde Demokratie?
Demokratische Entscheidungen werden in eigens dafür gewählten Gremien getroffen. Sie sind nicht nur überprüfbar, sondern im Falle der Rechtswidrigkeit auch anfechtbar. Es gibt nämlich eine unabhängige Gerichtsbarkeit.

04.06.2012
03:56
Vom Mangel
von jojo2008 | #4

Herrn Kleinwächter sei Dank, wenn ich auch den Hinweis auf "die Rechte" als einziger Alternative nicht verstehe. -
Was in Bruckhausen seitens der Stadt, des Landes und der EU und Thyssens geschehen ist, kann ich nur als hanebüchen bezeichnen und hat mit Demokratie nichts zu tun, ja die Stadt hat sich sogar beweisbar rechtswidrig verhalten, als sie z.B. Mieter von Privathäusern mit Prämien zum Auszug bewegt hat (sittenwidriges Verhalten laut § 825 BGB), von dem menschengefährdenden Umgang mit den eigenen Häusern mal ganz abgesehen. -
Nicht nur ich habe den Rat und die Verwaltung mehrfach darauf hingewiesen. Reaktion des Rates: Null, bzw. Zustimmung zum B-/F-Plan (1 Gegenstimme). Reaktion der Verwaltung: Nee, is schon alles i.O. Beweise?: Null (Mir gegenüber). -
Kosten für uns Steuerzahler: Über 35 Mio. EURO plus Steuerersparnis von Thyssen wg. der "Spende" (Danke, Frau Thyssen) in ähnlicher Höhe. -
Wie nennen wir diesen Skandal? Schlage "Eurogate" vor. -
Harald Jochums / Archetekt

03.06.2012
22:08
Vom Mangel
von Andreas45141 | #3

der Artikel überrascht mich jetzt, seit jahren wurde auch die waz auf die misstände hingewiesen

03.06.2012
19:42
Vom Mangel
von hercules150 | #2

zu 1 Stimme Ihren Kommentar Punkt für Punkt zu.
Diese Stadt samt Verwaltung, Gesell- Seilschafften, Verwaltung, EGDU und etlichen Ratsherren haben unsere Stadt in den Ruin geführt. Offenheit kann man von denen kaum erwarten. Demokratie ist für diese angeblichen Macher (Zerstörer) von Stadtteilen, Lebensqualität ein Fremdwort.
Demokratie sieht und sehe anders aus. Es heißt auch nicht umsonst:" Der Fisch stinkt am Kopf zu erst".

03.06.2012
19:19
Vom Mangel
von karaDu | #1

Abgesehen davon, dass ich mich frage, warum ausgerechnet die "politische Rechte dieses Feld" übernehmen sollte, finde ich Ihren Artikel hervorragend und erstaunlich für diese Zeitung, außerordentlich wohltuend. Tatsächlich geht es hier um nichts weniger als unsere Demokratie und JEDER sollte diese Fragen stellen. Wie kann es sein, dass Entscheidungen, von denen so viele Menschen in derart existenzieller Weise betroffen sind, im Rat unserer Stadt immer mit absoluter Eingekeit beschlossen werden? Warum werden die Fragen der Initiative nicht beantwortet? Und warum vertraut man einer Stadtregierung, die solche Skandale wie Küppersmühle und Landesarchiv zu verantworten hat? Die Geschehnisse in Bruckkhausen sind skandalös, angefangen mit der seit Herbst 2006 andauernden Veränderungssperre, mit dem Druck, der über die Sanierungssatzung auf die Bewohner ausgeübt wird und noch lange nicht endend mit der mit eben diesen Mitteln herbeigeführten Verwahrlosung des Stadtteils.

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