Sükrü Sarlak – ein Schuster mit Herz und Seele

Schuster Sükrü Sarlak in seinem Betrieb ab der Franz-Lenze Straße 71.
Schuster Sükrü Sarlak in seinem Betrieb ab der Franz-Lenze Straße 71.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In diesem Teil der Serie „Mitmenschen“ im Duisburger Norden stellen wir den Vierlindener Schuster Sükrü Sarlak vor. Er trat ins Großvaters Fußstapfen.

Vierlinden..  Dass er irgendwann mal Schuster wird, das ahnte Sükrü Sarlak nicht, als er 1970 mit neun Jahren nach Deutschland kam. Geboren wurde er in der Nähe von Konya, der türkischen Millionenmetropole, die wegen der tanzenden Derwische weltberühmt ist. Mit seinen Eltern zog er zunächst in den Westerwald, 1977 verschlug es ihn nach Walsum. Eine Arbeit fand er rasch in der Autoindustrie, in der er viele Jahre als Programmierer für Industrieroboter tätig war. „Aber der Job wurde zu stressig“, sagt der heute 53-Jährige.

Plaudern über Gott und die Welt

Hinzu kamen die langen Pendelfahrten nach Velbert und anderen, weiter entfernten Einsatzorten. Da erinnerte er sich an seinen Opa. „Der war Schuster“, sagt Sükrü Sarlak. Die Arbeit mit Leder hatte den Wahl-Walsumer schon als Kind begeistert. Da lag es nahe, dass er nach einem Job in dieser Branche suchte. Einen Steinwurf vom Franz-Lenze-Platz entfernt fand er ihn. Der alte Betreiber des Schusterladens wollte seinen Betrieb aufgeben, Sarlak griff zu.

„Seit sieben Jahren bin ich jetzt hier vor Ort“, sagt er gut gelaunt. In seinen Laden kommen Stamm- wie Laufkunden. Im Laden duftet es so, wie es in einem Schusterbetrieb sein soll: Nach Leder, Klebstoff und Pflegemitteln.

Sarlak ist kein Schnellschuster. Was er macht, macht er gewissenhaft. „Ich repariere richtig.“ Sekundenkleber, um einen losen Absatz zu fixieren? „Kommt gar nicht in Frage. Das hält doch nicht.“ Gut Ding will Weile habe, lautet sein Motto – und so repariert er nach alter, bewährter Methode, mit ordentlichem Kleber. Egal ob ein Absatz schief gelaufen ist, ob eine Sohle komplett erneuert werden muss, oder das Leder gerissen ist – Sükrü Sarlak wird’s schon richten. „So lange es sich lohnt.“ Wer mit ein paar alten Tretern für ein paar Euro vom Discounter kommt, den schickt er auch schon mal weg. Es mache ja keinen Sinn, für die Reparatur mehr auszugeben, als der Schuh gekostet habe. Wer aber mit seinen uralten Lieblingsstiefeln kommt, in die ein neuer Reißverschluss muss, oder die dicke, rutschfeste Wintersohlen brauchen – der ist bei dem Mann an der richtigen Stelle. In der Regel muss man zwei Tage einplanen, bis man die Schuhe wieder abholen kann.

Von Schuhreparaturen allein kann Sarlak nicht (mehr) leben. Deshalb bietet er auch einen Schlüsseldienst, verkauft Ledertaschen und Gürtel, hat zudem einen Wäschemangelservice. „Man muss sehen, dass man klarkommt.“ Die Kunden mögen ihn: Sie schätzen seine ruhige, fröhliche und hilfsbereite Art und plaudern auch gerne mit ihm über Gott und die Welt.

Sükrü Sarlak ist verheiratet, er hat vier Kinder (drei Mädchen, einen Jungen). Seine Hobbys: Die Natur genießen und am PC schrauben.