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Diskussion ums FOC

Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center

04.03.2012 | 17:25 Uhr
Am Freitag, den 2.3.2012 fand in der Clauberg-Halle, Kampstraße, eine öffentliche Anhörung zum geplanten "Outlet-Center" statt. Bezirksvertretung Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool

Duisburg-Hamborn.   Die Pläne des Investors zum umstrittenen Factory Outlet Center haben in der Bezirksvertretung Hamborn die erste Hürde genommen. Die Politik verspricht, Mieter-Befürchtungen ernst zu nehmen. Bewohner der zum Abriss vorgesehenen Zinkhüttensiedlung fühlen sich "entsorgt".

Alles andere wäre eine Überraschung gewesen: Einstimmig hat die Bezirksvertretung Hamborn auf ihrer Sondersitzung am Freitag Abend in der Clauberg-Halle der Änderung des Bebauungsplans und des Flächennutzungsplans Obermarxloh zugestimmt. Damit hat das geplante „Factory Outlet Center“ (FOC) mit insgesamt 140 Fachgeschäften und der Abriss der Zinkhüttensiedlung mit 400 Wohnungen eine erste Hürde genommen. Sehr zur Enttäuschung der Mieter der vor 50 Jahren erbauten Siedlung.

Anders als bei der ersten Bürgeranhörung zu dem umstrittenen Bauprojekt am Dienstag ging es diesmal ausgesprochen ruhig und sachlich zu. Zwar war die frühere ehemalige Schulaula bei der zweiten Bürgeranhörung binnen einer Woche mit rund 300 Besuchern fast genauso voll wie beim turbulenten Auftakt am Dienstag.

Anwohnerin fühlt sich durch Outlet-Center-Bau "sozialverträglich entsorgt"

Aber dieses Mal wurde kein Redner durch Sprechchöre, Pfiffe, Trommeln und Trampeln gestört, wohl auch, weil ultralinke Gruppen, die noch am  Dienstag laut und unflätig gestört hatten, diesmal nicht erschienen waren. Auffällig: Nur zwei der insgesamt 18 Redner bei der zweiten Bürgeranhörung wohnen tatsächlich in der Zinkhüttensiedlung. Alle äußerten sich ablehnend gegenüber dem Bauprojekt, ernteten damit viel Beifall im Saal.

Video
Die Siedlung Am Zinkhüttenplatz in Duisburg-Obermarxloh soll einem Outlet Center weichen. Bei einer Pressekonferenz äußerten sich Befürworter und Gegner des Vorhabens.

Zu ihnen gehörte Anneliese Wolf: „Ich finde es ganz schlimm, wie man jetzt versucht, uns sozialverträglich zu entsorgen“, sagte die Rentnerin verbittert und sprach damit sicher vielen Siedlern aus dem Herzen. Durch die Auflösung der Siedlung würden Vereine und Kirchengemeinden in Hamborn und Obermarxloh viele Mitglieder verlieren. Auch die Marxloher Diplom-Pädagogin Margarete Wösthoff – eine der wenigen wirklich einheimischen Rednerinnen, denn die Mehrzahl derer, die sich an der Aussprache beteiligten, kam nicht einmal aus dem Duisburger Norden – wies auf die Tragik hin, wenn Menschen aus ihren Wohnungen gedrängt würden: „Es handelt sich um Menschen, die in einem Alter sind, in dem sie sowieso viel mit Abschied und Tod konfrontiert werden.“

Unversehrtheit der Wohnung

Es werde von, „einem sozialverträglichen Umzug gesprochen. Aber wir können die Folgen dieses Umzugs nicht absehen.“ Der Umzug im hohen Alter könne bei den Mietern zu Depression, Antriebslosigkeit, beschleunigter Demenz, sogar zum Tode führen, sagte Wösthoff.

Dr. Michael Lefknecht, seit 1985 Umweltmediziner in Marxloh und Aktivist in zahlreichen Bürgerinitiativen, verstand die Sorgen und Ängste, „die emotionale Betroffenheit“ der meisten Mieter der Siedlung. Schließlich schütze die Verfassung die Unversehrtheit der Wohnung. „Jetzt ist das Vertrauen zerstört! Das Kind ist ganz tief in den Brunnen gefallen!“ Grund sei, dass im Planungsverfahren „von Anfang an viele Fehler gemacht worden seien, sagte Lefknecht, um dann den Granden der Duisburger Nachkriegspolitik zu bemühen: „Alt-OB Krings hat gesagt, dass man sich nicht wundern muss, dass die Emotionen jetzt so hoch gehen.“ Kommunikation auf Augenhöhe könne gemachte Fehler wieder „heilen“. In diesem Sinne sprach er sich für einen Runden Tisch aus, wie ihn Stadtdirektor Peter Greulich vorgeschlagen hat.

Martin Krampitz



Kommentare
07.03.2012
14:13
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von duisifan | #20

zu 19/@lydiawindrich:

und sie wissen natürlich, was "die da oben" im stillen Kämmerlein ausgeheckt haben und dahinter stecken natürlich die Iluminati mit ihren bösen Verschwörungstheorien.... das ist ja geratezu verherend, was hier so geschrieben wird. Dahinter steckt eine grundsätzliche Einstellung. Erklären Sie uns mal, warum in anderen Städten - z.B. Düsseldorf - funktioniert, was hier immer kaputt geschwetzt wird? Weil die Bevölkerung die Erfahrung gemacht hat, dass es in Düsseldorf funktioniert. Nun lassen sie doch bitte auch mal Erfolg in Duisburg zu. Wärend sie hier aktiv gegen Arbeitsplätze kämpfen und den von ihnen beschriebenen Teufelskreislauf unterstützen - denn wenn man es nicht zulässt, dass Investoren sich am Standort niederlassen, wird das Einkommen der Bevölkterung weiter schrumpfen. Aber das ist hier ja gar nicht der Fall im Duisburger Norden. Hier ist das Einkommen solange konstant, so lange der Harz-4-Satz nicht gesenkt wird. Geben sie den Leuten doch eine Chance!

06.03.2012
11:36
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von lydiawindrich | #19

zu 18 Die Markenhersteller wollen leider über solche FOC langfristig die Einzelhändler die ihre Marken verkaufen ausschalten, um ihre Gewinne noch zu erhöhen. Mit angeblicher Überproduktion und vorhandene B-Ware zu günstigeren Preise steigen sie erst mal ein.
Was hier immer so als große Chance für Duisburg gesehen wird, Arbeitsplätze und Gewerbeeinnahmen gehen an anderer Stelle wieder verloren. Sie haben Recht wir haben schon genug Center und da die Bevölkerung und das Einkommen nach wie vor schrumpft,kann man sich schon ausrechnen wann wir die nächsten teuren Bauruinen in Duisburg und Umgebung stehen haben. Auch ich finde wenn es schon ein FOC sein muss dann dort, wo die Umweltbelastungen nicht so hoch sind wie im Norden, wo keine Mieter verdrängt werden und wo der Verkehr sich nicht so knubbelt wie hier zwischen Marxloh und Hamborn.

05.03.2012
23:15
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von WilliWullu | #18

Mich würde interessieren, ob es überhaupt potentielle Mietinteressenten gibt. In Duisburg gibt es das Forum, Limbecker Platz in Essen, Centro in Oberhausen, Rhein Ruhr Zentrum, Ruhrpark, das neue Center in Dortmund, in Düsseldorf usw usw. Und die meisten Modemarken unterhalten dort eigene Läden. Die werden doch nicht hingehen und ihren eigenen Geschäften Schaden, in dem sie in einem Duisburger Vorort einen Outlet eröffnen. Denn von Mietern habe ich bisher nie etwas gehört. Nicht, dass die Angelegenheit nachher entweder eine Luftnummer oder ein normales Einkaufscenter wird. Denn ein Outletcenter könnte man sicher auch an anderer Stelle errichten, erst recht, wenn es ja so überregional sein soll. Warum also soll es gerade hier gebaut werden?

05.03.2012
21:16
Ideenwerk statt Werkideen
von Zentrum | #17

@kikimurks

Verschiedene Meinungen, Prognosen sind statthaft.

Fast alle, die hier posten machen dies in Ausübung von singulärer Meinungsfreiheit.

Sie, kikimurks, vertreten eine quartierbezogene Stadtteil- (?!) mit dem Hochtrabenden Namen Ideenwerkstatt…

Außer Kadavergehorsam zum realpolitischen BV-Mainstream und geringschätzigen Bewertungen Andersdenkender kann ich Ihren Beiträgen keine sonstige Ideensubstanz entnehmen.

Der Werkstatt incl. Belegschaft scheinen beim Thema FOC kreative Alternativideen ausgegangen zu sein.

Es wäre mit politischem Anstand verbunden, wenn die BV den Moratoriumsgedanken aufgegriffen und ernsthaft verfolgt hätte.

Scheinveranstaltung, Scheinideen, Scheinriesen im Orchestergraben und Scheininformation auf der Bühne der Clauberghalle.

Glückauf

05.03.2012
20:45
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von lydiawindrich | #16

zu 15 Ja, Danke für den Hinweis mit freundlichen Grüßen Lydia Windrich

05.03.2012
17:03
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von GeorgiaSam | #15

Gutachten der Stadt über die Verträglichkeit des FOC:
http://news.piratenpartei.de/anonto.php?http://www.duisburg.de/micro2/pbv/medien/bindata/Zusammenfassung2010.pdf

Gegengutachten der IHK:
http://www.ihk-niederrhein.de/downloads/ihk/FOC_Duisburg-Marxloh_-_Bewertung_durch_Junker_und_Kruse.pdf

Gutachten über die Einzelhandelssituation in Duisburg, gleicher Autor wie bei verträglichkeit des FOC:
http://news.piratenpartei.de/anonto.php?http://www.duisburg.de/micro2/pbv/medien/bindata/Zusammenfassung2010.pdf

Untersuchung der verkehrlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung der Grundstücke Rhein-Ruhr-Halle und Stadtbad in Duisburg-Marxloh. Ergebnisbericht. Bearbeitung: Dipl.-Ing. Richard Dohmen, Dipl.-Ing. Michael Vieten, Regina Funke-Akbiyik, Christian Eckert. Projekt A2174 / März 2009
http://www.duisburg.de/micro2/imd/medien/bindata/Verkehrsgutachten_A2174_03-09_DU-Marxloh.pdf


@14 verwechseln Sie da etwas? Das Gutachten ist von Junker und Kruse, nicht Kölbl und Kruse

05.03.2012
15:48
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von lydiawindrich | #14

zu 8 und 9
Bevor ich mir eine Meinung bilde ob ich für oder gegen etwas bin, hole ich erst einmal eine Menge an Infos ein und es gibt zum 100 mal gute Gründe gegen das FOC zu sein.
Und wenn unsere Politiker auch mal nach anderen Lösungen zu suchen hätten sie auch bestimmt welche gefunden. Mehr gibt es da zu nicht zu schreiben.

05.03.2012
15:37
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von lydiawindrich | #13

Es soll laut Investor das 2 größte FOC in Europa hier gebaut werden, das Gutachten von Köbel, Kruse behandelt noch das halb so große Center, selbst darin ist schon zu lesen das es in Marxloh und auch Hamborn zu Kaufkraftverluste der Einzelhändler vor Ort geben wird. Ferner rechnet der Investor mit einem Einzugsgebiet von 60 bis 90 Minuten Fahrzeit bis zum FOC. Es wird Verkehrsmäßig zu Dauerstaus kommen und die Umweltbelastung im Norden wird noch einmal steigen. Nein, hier, an der geplanten Stelle brauchen wir kein FOC. Die A59 müsste auch erst einmal ausgebaut werden und neue Ab und Auffahrten müssten her, um diesen Zustrom an Kraftfahrzeugen aufnehmen zu können und um das zu Erkennen braucht man kein Verkehrsexperte sein, dafür reicht es hier zu wohnen und selbst ein Fahrzeug zu lenken.
Genau so ein Center wie in Hamborn geplant ist brauchen wir hier, zwischen den Stadtteilen aber kein und schon einmal gar nicht das 2 größte FOC von Europa.

05.03.2012
14:31
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von Duisburgernorden | #12

@11, das mit den 30 Minuten war mir bisher unbekannt. Wo gibt es das Gutachten denn einzusehen ?

05.03.2012
14:20
#8 und #9
von GeorgiaSam | #11

Dafür, dass Sie alle nur halb verstanden haben, sind Ihre Kommentre schon sehr mutig. Haben Sie sich auch nur mit irgend einer Planung näher beschäftigt?
Das FOC wirkt überrregional und ist insofern keine Konkurrenz zum Altmarkt-Center, stimmt zwar, aber haben Sie sich mal angesehen, was da unter Überregional verstanden wird?
80% des Umsatzes soll mit Menschen gemacht werden, die innerhalb von 30 Minuten das FOC mit dem Auto erreichen. Dieser 30 Min. Bereich geht laut "Gutachten" im Westen bis an die Grenze von Bochum und Dortmund und im Süden an den Südrand von Düsseldorf. Versuchen Sie doch mal, in 30 Minuten mit dem Auto von Langendreer nach Marxloh zu kommen. Da wünsche ich Ihnen aber viel Erfolg - Samstags könnten Sie Glück haben, vielleicht.
Mit andern Worten: Wenn die 30 Minuten-Grenze gilt, verringert sich der Einzugsbereich des FOC ganz erheblich. Es sinkt nicht nur das Besuchervolumen, sondern auch das Umsatzvolumen. So viel zum Thema Überregional ....






1 Antwort
Stadtteilparlament gibt Okay für Factory Outlet Center
von synthetic | #11-1

Habe es ausprobiert und bin von Langendreer nach Marxloh gefahren in 31 Minuten haben also recht. Wobei ich sagen muss es war an einem Montag Mittag.

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