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Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus

13.06.2012 | 08:00 Uhr
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
Hausbesitzer Friedhelm Zaborski vor seinem Haus an der Koopmannstraße in Meiderich. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg.   Der pensionierte Chirurg Dr. Friedhelm Zaborski wollte eine Genehmigung für den rückwärtigen Anbau seines Hauses, der von seinem Vater in Nachkriegswirren errichtet wurde, einholen. Jetzt fordert die Stadt den 77-Jährigen auf, die Fenster mit feuerbeständiger Technik auszustatten oder zuzumauern.

„Der Ehrliche ist der Dumme“, so sieht es Dr. Friedhelm Zaborski, pensionierter Chirurg, der vor vielen Jahren wieder in sein Elternhaus, Koopmannstraße 87 in Obermeiderich, einzog. Mittlerweile 77 Jahre alt, will er mit seiner Frau in eine altengerechte Wohnung ziehen und das Haus verkaufen. Und da er wusste, dass ein rückwärtiger Anbau vom Vater, einem Maurer, in den Nachkriegswirren ohne Genehmigung errichtet worden war, beauftragte er ein Architekturbüro, dafür nachträglich die Genehmigung einzuholen. Zaborski wollte sich spätere Scherereien mit dem Käufer ersparen. Die hat er jetzt mit der Baubehörde.

Denn beim Studium der Bauakte fiel dort auf, dass es auf der Südwestseite des Hauses zwar vier Fenster gibt, jedoch nur eines davon genehmigt worden ist - und auch das nur „auf Widerruf“. Dr. Zaborski hat jetzt die Wahl, diese Fenster entweder zuzumauern oder mit feuerfesten Glasbausteinen oder Fensterscheiben auszustatten – ansonsten bekommt er eine entsprechende Ordnungsverfügung, dies tun zu müssen.

Bundesbahn errichtete Wohnblock

Als der Vater das frühere evangelische Gemeindehaus 1928 erwarb, befand sich nebenan noch Acker der Deutschen Reichsbahn. Das Haus steht genau auf der Grundstücksgrenze. In nur 5,84 Metern Abstand durfte die Bundesbahn dort Mitte der 1950er Jahre einen Wohnblock errichten. Eigentlich ist der Abstand zu gering, müsste rund sechs Meter betragen. Bei einem Feuer könnten Funken überspringen.

Vorwurf
Loveparade-Ängste

Den Vorschlag mit den Glasbausteinen hat ein von Dr. Zaborski beauftragter Rechtsanwalt der Stadt selbst gemacht. Normale Fenster in dieser Qualität würden, schätzt der Arzt, rund 20.000 € kosten. Die Stadt geht übrigens nach Aktenlage davon aus, dass die Räume auch ausreichend Licht haben, wenn die Fenster zugemauert würden, es also noch andere Fenster gibt. Zumindest in der Wohnküche ist das nicht der Fall.

Den Zustand weiter zu dulden, lehnt Anja Huntgeburth ab. „Weil sich die dafür Verantwortlichen bei einem Feuer persönlich haftbar ma­chen“, sagt sie. Schließlich dulde man den Zustand schon für einige Wochen. Dr. Zaborski hält das für übersteigerte Ängste, die aus der Loveparade-Katastrophe resultieren.

„In so einem Fall ist die förmliche Duldung das Mittel der Wahl“, sagt dazu der Recklinghauser Verwaltungsrechtler Eduard Dischke. „Bei unter 20 Zentimetern fehlendem Abstand würde ich von einer geringfügigen Abweichung sprechen, die duldungsfähig ist“, ergänzt er. Ein Haftungsproblem für die Stadt sieht Dischke nicht. „Es muss natürlich geprüft werden.“ „Aber die Duldung ist ein normales bauordnungsrechtliches Instrument, kein Hexenzauber.“ Dischke würde entweder die Ordnungsverfügung der Stadt abwarten und dagegen Klage erheben oder ihr mit einer Verpflichtungsklage auf Duldung zuvorkommen.

Der pensionierte Arzt könnte den städtischen Auflagen nur entgehen, wenn die Deutsche Annington, mittlerweile Eigentümer des Blocks, ihm die Eintragung einer entsprechenden Baulast bewilligen würde. Aber da auch dies Haus verkauft werden soll, will die Annington sich die Verkaufs-Chancen dadurch nicht schmälern. Theoretisch könnte die Lücke zwischen beiden Häusern durch einen Anbau geschlossen werden. Immerhin ist die Annington aber bereit, den Zustand weiter zu tolerieren.

Die Stadt pocht auf das Zumauern

Bei der Stadt pocht man aus Sicherheitsgründen auf das Zumauern bzw. den Ausbau in feuerbeständiger Technik. Die muss 90 Minuten einem Feuer standhalten. Es handele sich um Vorschriften, betont Pressesprecherin Anja Huntgeburth, die noch aus preußischer Zeit stammten. Und dabei spiele auch keine Rolle, dass der Zustand seit 1934 so geduldet werde. Das geschehe nur bis „auf Widerruf“.

Wenn man als Baubehörde solche Mängel entdecke, so Huntgeburth weiter, „sind wir verpflichtet, einzugreifen.“ Außenwände seien aus Feuerschutzgründen immer geschlossen auszuführen - oder eben im so genannten F-90-Standard. Die Stadt bemängelt aber auch noch andere Umbauten.

Martin Kleinwächter



Kommentare
16.06.2012
16:30
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von dummmberger | #13

Wenn eine Antrag auf Baugenehmigung gestellt wird und der Bau geltenden Vorschriften widerspricht, muss der Antrag abgelehnt werden.
Dabei spielt es keine große Rolle, ob der Bau schon illegal ein paar Jahrzehnte dasteht.

13.06.2012
22:00
Sollte nicht alles besser werden???
von ucausdu | #12

Vor gar nicht all zu langer Zeit hieß es doch: "Wenn der alte OB AS endlich weg ist, wird alles besser" Das sieht man ja ganz deutlich!!! Man sollte diese ganzen "Glanzleistungen" unser Ämter mal aufschreiben. Das wird ein Welterfolg und von Disney verfilmt. Arbeitstitel: "Schildbürgerstreiche 2.0" am besten noch in 3-D !

13.06.2012
21:44
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von pejadu11 | #11

Bauamt und Bauordnungsamt sowie andere Behörden treten durch das intensive Bohren von dünnen Brettern den Beweis an, dass sie überpersonalisiert sind und die städtischen Stellenabbaupläne noch zu niedrig sind. Neben den erheblichen Einsparungen für den städtischen Haushalt kommen noch die Einsparungen der leidgeprüften Bürger, die die unsinnigen Auflagen von solch armseligen Behörden schultern müssen und die ihr Geld weitaus sinnvoller ausgeben könnten.

13.06.2012
18:36
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von Andreas45141 | #10

rathaus zumauern

13.06.2012
18:30
Komisch
von PSorensen | #9

Das Kraftwerk in Dattel verstößt so ziemlich gegen alle Auflagen, Bestimmungen und Gesetze, da muß das sicher auch bald abgerissen werden. Ach ne, Gesetz gelten ja nur für normale Bürger, sorry, ich vergaß...

13.06.2012
17:58
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von taosnm | #8

Nach nochmaligem gründlichen Lesen des Berichtes fällt mir auf, dass z.B. 1950 ein Haus genehmigt wurde, obwohl der Abstand zum Haus des Dr. Zaborski nicht ausreichte. Deshalb wäre es konsequent, wenn man nun von der Annington verlangen würde, das Haus abzureissen, weil der Abstand seinerzeit nicht eingehalten wurde.

Und dann muss bitteschön auch noch einmal jemand erklären, warum die Brandgefahr durch Funkenflug vermindert wird, wenn die Annington zugunsten des Dr. Zaborski eine Baulast eintragen würde. Schlimmer gehts nimmer.

Die Verwaltung wäre gut beraten, wenn sie den derzeitigen Zustand legitimieren würde, weil alles andere völliger Schwachsinn ist, und sie mit vielen anderen Dingen sich derartig blamiert hat, dass hier nicht noch getoppt werden muss.

13.06.2012
16:46
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von Harry.Hirsch | #7

Das was hier in Duisburg passiert müsste nach Karlsruhe.
Es geht auf keine Kuhhaut mehr. Vor der LP war die Stadt mehr als nur Tollerant, weil sich die Beamten keine Arbeit machen wollten und jetzt machen sie alles in 3 Jahren platt, was sie vorher noch übeer Jahrzehnte durchgingen ließen.

Das kann nicht sein und es gibt auch einen Bestandsschutz.
Es ist nicht mehr in worte zu fassen, was die Bürger in duisburg durchmachen müssen, nur weil die Beamten im Rathaus über Jahrzehnte ihren Job nicht gemacht haben.
Man (ich) möchte da eigentlich nur noch reinschl.......!

13.06.2012
16:14
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von rudizehner | #6


Die Fenster sollen vor Funkenflug schützen.

Aber wer schützt die Bürger von solchen xxxxxxx Bürokraten? Die sind das einzige, was hier eingemauert gehört!

13.06.2012
15:10
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von uetti | #5

Ich glaube da muss sich jemand "neue Sporen" verdienen! Ich kenne einen Fall, bei dem nach 40 Jahren abgerissen werden muss. Stellungnahmen von der zuständigen "Dame" gibts nicht und am Telefon lässt sie sich verleugnen.

13.06.2012
14:27
Stadt fordert das Zumauern von Fenstern im Einfamilienhaus
von taosnm | #4

16 cm sind ein Thema für Duisburg! Meine Güte, gibt es denn da keine anderen Sorgen? Und nachdem es seit Urzeiten 4 Fenster gibt, möge einer nur einen einzigen Grund nennen, diese zu entfernen. Eine Duldung seit 1934, geht schon fast an die hundert Jahre, jetzt aufzuheben, ist an Schwachsinn nicht mehr zu überbieten. Als Eigentümer würde ich grosse Lust verspüren, mich mit grösster Medienbeteiligung durch alle Instanzen zu klagen.

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