Stadt Duisburg schlägt in Sachen Zuwanderung Alarm

Die Stadt Duisburg warnt: Es gibt große Probleme mit der Integration von Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien.
Die Stadt Duisburg warnt: Es gibt große Probleme mit der Integration von Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien.
Was wir bereits wissen
Intensive Diskussion in der Bezirksvertretung Hamborn. Die Zuwanderung gefährdet nach Einschätzung der Stadt massiv den sozialen Frieden.

Duisburg-Marxloh.. Als alarmierend stellt die Stadtverwaltung die Situation der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien in Duisburg dar. Knapp 3000 von ihnen leben mittlerweile in Marxloh – wir berichteten. Gleichwohl war Elisabeth Pater darum bemüht, die erzielten Erfolge hervorzuheben. Pater ist Leiterin des Kommunalen Inte­grations­zentrums. Sie war in der Bezirksvertretung Hamborn zu Gast.

Vor allem auf drei Ortsteile konzentrierten sich die Zuwanderer aus Südosteuropa Ende 2014: auf Hochfeld (18,3 Prozent), Marxloh (27 Prozent) und Bruckhausen (12,7 Prozent). Gut 11.000 von ihnen gab es zu diesem Zeitpunkt in Duisburg. 200 bis 300 wandern seit 2013 monatlich zu.

40 Prozent Kinder und Jugendliche

Sie stellen die Stadt vor ganz neue Herausforderungen. 40 Prozent der Zuwanderer sind Kinder. Entweder haben sie noch gar nicht oder nur lückenhaft eine Schule besucht. Über Schulzeugnisse verfügen sie auch selten. Ihre Eltern seien daran auch nicht sonderlich interessiert, heißt es. Hinzu kämen fehlende Deutschkenntnisse. An die Eltern komme man nur mit Hilfe von Dolmetschern heran.

Aber „weitestgehend“, so der Bericht, sei die Beschulung dieser Kinder in 54 so genannten Vorbereitungsklassen sichergestellt. Nur sei der vorgesehene Zeitraum, sie innerhalb von zwei Jahren für den Besuch einer deutschen Regelschule fit zu machen, unrealistisch.

Die Schuleingangsuntersuchungen hätten zu folgenden Ergebnissen geführt: Es gebe kaum Impfschutz. Die Kinder seien also Überträger von Masern, Mumps und Röteln. Der Zustand der Zähne vieler Kinder sei „katastrophal“, heißt es. Aber meist seien sie auch nicht krankenversichert. Die Rede ist von „unlösbaren Problemen.“

Beratung der Zuwanderer ist vorrangig

Das Gesundheitsamt steuere mit einer Impfaktion gegen. Aber es gebe nicht genug Ärzte, vor allem Zahnärzte, die bereit seien, diesen Menschen unentgeltlich zu helfen. Bei Arztbesuchen müssten die Familien begleitet werden. Viele Mütter seien selbst noch Kinder. Die wöchentliche kostenlose Sprechstunde im Sozialpastoralen Zentrum Petershof in Marxloh seit November 2014 jedenfalls ist überlaufen.

Acht Integrationslotsen, aus Fördergeldern finanziert, übernehmen die umfassende Betreuung dieser Menschen. Dafür stehen ihnen je zehn Stunden in der Woche zur Verfügung.

Zahlreiche Fördertöpfe auf allen staatlichen Ebenen wurden schon angezapft. So kann Marxloh weiter am Programm „Soziale Stadt“ teilnehmen. Vor allem die Beratung der Zuwanderer über die Lebensbedingungen und die soziale Ordnung in Deutschland sei vorrangig. Dafür hat die gemeinnützige Awo-Integrations-GmbH in Marxloh eine Begegnungsstätte eingerichtet.

Bohrende Fragen an Stadtmitarbeiterin

In der Bezirksvertretung Hamborn stellte die SPD bohrende Fragen an Elisabeth Pater. Sie leitet das Kommunale Integrationszentrum, das die Aufgabe hat, das Zuwanderer-Problem zu bewältigen. Gar nicht gefiel der SPD, dass ihr Bericht von einer „verbesserten Situation“ für Marxloh spricht.

„Für uns steht die Situation eher kurz vor dem Eskalieren“, erklärte Claus Werner Krönke. „Marxloh ist nicht auf einem guten Weg, sondern steht am Abgrund“, so seine Befürchtung.

Scharfe Kritik von der SPD

„Die Integrationslotsen, sie kommen nicht richtig an“, hatte SPD-Sprecher Sebastian Haak zuvor kritisiert. „Doch“, erwiderte ihm Elisabeth Pater. Zwei Mitarbeiter seien eingestellt worden. Aber die Bewilligung der Gelder dafür habe sich verzögert. „Wir könnten aber auch zehn beschäftigen“, räumte sie ein.

„Das Ganze ist also ein Tropfen auf den heißen Stein“, sah Haak sich bestätigt. Dazu Elisabeth Pater: „Es gibt aber auch noch Honorarkräfte, auch bei den Wohlfahrtsverbänden. In der Summe leisten sie schon wesentliche Un­terstützung.“

Aus der Bevölkerung gebe es aber keine positiven Rückmeldungen, blieb Haak hart. Offenbar hätten sich die Probleme von Rheinhausen nach Marxloh verlagert. „Man darf die Leute nicht in Schrottimmobilien unterbringen, sondern muss das entzerren“, forderte er.

Task Force ist dran an Schrottimmobilien

„Aber Wohnen ist doch eine private Angelegenheit. Sollen wir das Vermieten verbieten?“, fragte ihn Pater zurück. „Schrottimmobilien müssen blockiert werden“, beharrte der SPD-Sprecher. Dazu Pater: „Un­sere Task Force hat mit ihren Kontrollen begonnen.“

Auch die angebotene Sprachförderung ist nach Einschätzung von Ratsherr Manfred Slykers (SPD) ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die haben ja alle keine Arbeit.“ „Wir setzen bei den Kindern und Jugendlichen an“, erwiderte ihm Pater. „Aber 75 Prozent der 4000 bis 5000 Kinder und Jugendlichen würden doch gar nicht erreicht“, schaltete sich Claus Werner Krönke wieder ein. Da entstünden immer mehr Sozialhilfeempfänger statt qualifizierter Fachkräfte. Elisabeth Pater verwies auf die große Zahl der gebildeten Aufnahmeklassen an den Schulen. Viele der Betroffenen wüssten schon, dass Qualifizierung ihre einzige Chance sei, hier in Deutschland Fuß zu fassen.

Wohnen in Schrottimmobilien

In erster Linie kommen die Familien in Schrottimmobilien un­ter, die Wohnungen würden überteuert vermietet, heißt es in dem Bericht der Stadt.

Typisch dafür sind beschädigte Haustüren, fehlende Klingeln und Briefkästen, eine defekte Stromversorgung, Glasbruch, Schädlingsbefall und Müll in Haus und Hof.

Seit 2014 gibt das neue Wohnungsaufsichtsgesetz der Stadt die Handhabe, Schrottimmobilien für unbewohnbar erklären und sie räumen zu lassen. Aber die Behörden könnten nur ein Haus im Monat überprüfen.

Auf der Liste ihrer „Problemimmobilien“ standen Ende 2014 aber noch rund 60 bewohnte Häuser in heruntergekommenem Zustand.

Ein Versuchsprojekt mit der Gebag in Wanheim scheiterte. Dort wurden Zuwanderer in Wohnungen der stadteigenen Gebag un­tergebracht. Aber sie beendeten die Mietverhältnisse in der Hochhaussiedlung dort nach wenigen Monaten von sich aus wieder.

Auch zu Ordnung, Sauberkeit und zu fremdem Eigentum hätten die Zuwanderer ein anderes Verhältnis. Der Bericht bilanziert je­denfalls: „Besonders bei der Sicherung des sozialen Friedens in den Stadtteilen und Quartieren gibt es großen Handlungsbedarf.“ Schon seit 2013 gibt es in der Stadt eine „Task Force Sicherheit und Ordnung“.

2000 Familien beziehen Sozialhilfe

Die Zahl der Familien, die Sozialhilfe beziehen, hat sich in ei­nem Jahr verdoppelt, auf über 2000. Ihre beruflichen Perspektiven seien miserabel. In der Regel hätten sie keine Berufsausbildung. Auf einem ohnehin für Hilfskräfte angespannten Ar­beitsmarkt müssten sie mit ihren schlechten Sprachkenntnissen konkurrieren.

Immerhin 328 Personen haben 2014 an Sprach- und Integrationskursen des Jobcenters teilgenommen. 73 Personen konnten seit 2014 als Reinigungskräfte oder Lagerarbeiter, in die Altenpflege, die Gastronomie oder in das Baugewerbe vermittelt werden. Damit Kindergeld an sie nicht doppelt gezahlt wird, müssen die Eltern neuerdings ihre Steueridentifikationsnummer vorlegen.