Stadion aus Schweiß und Herzblut

Das Bild aus dem Jahre 1921 zeigt die Einweihung eines Ehrenmals am Stadion an der Buschstraße für die im Kriege gefallenen Mitglieder der des damaligen SV Hamborn 07.
Das Bild aus dem Jahre 1921 zeigt die Einweihung eines Ehrenmals am Stadion an der Buschstraße für die im Kriege gefallenen Mitglieder der des damaligen SV Hamborn 07.
Foto: WAZ
Vor genau 100 Jahren eröffneten die Sportfreunde Hamborn 07 ihr erstes Stadion an der Buschstraße. Jörg Weißmann, Vorsitzender des Heimatvereins Hamborn, kennt die Hintergründe

Hamborn..  In den Vereinschroniken der Sportfreunde Hamborn 07 und in Büchern über die Oberliga-West steht geschrieben, Hamborn 07 hätte das Eröffnungsspiel zu Ehren ihres ersten Stadions an der Buschstraße am 13. April 1913, vor genau 100 Jahren mit 0:13 verloren.

„Stimmt aber nicht“, sagt Jörg Weißmann, Vorsitzender des Hamborner Heimatvereins, Mitglied und glühender Verehrer der Sportfreunde Hamborn 07: „Die verloren damals gegen den Duisburger SV 1900 mit 0:11. Die Bücher müssen neu geschrieben werden“, sagt er augenzwinkernd.

Aufgefallen ist Weißmann dies bei seinen Recherchen zum 100. Jahrestag der ersten Stadion-Eröffnung, der sich heute zum 100. Mal jährt: „Der Hamborner Generalanzeiger schrieb damals dezidiert von einem 0:11.“

75.000 Neu-Bürger in zehn Jahren

Die Geschichte des Sportplatzes an der Buschstraße ist gleichzeitig auch eine Geschichte einer sich rasant entwickelnden Stadtgesellschaft, deren Menschen von Tatendrang und Gründergeist beseelt waren. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig. Man stelle sich vor: Hamborn hatte am 1. April 1900 rund 28.000 Einwohner. Am 1. April 1911 waren es bereits 102.800 Bürger – 75.000 Neu-Bürger in zehn Jahren!

Die expandierende Industrie zog die Menschen von überall her an. An jenem 1. April 1911 wurde „Das größte Dorf Preußens“, wie Hamborn genannt wurde, zur Stadt erklärt. Wo es so viel Arbeit gab, wo es so viele unterschiedliche Menschen gab – auf fast alle Neu-Bürger traf die derzeit strapazierte Formulierung von den „Armutsmigranten“ oder „Armutseinwanderern“ zu – da musste Verbindendes geschaffen, gebaut werden: Kirchen, Bäder, Parkanlagen, Schulen. Und natürlich Sportplätze.

Nun hatte der Spielverein Hamborn 07, der 1907 aus der Fusion des BC Hamborn mit dem SV Marxloh hervorgegangen war, einen Sportplatz im Hamborner Stadtpark. Hier bestand jedoch der Nachteil, dass dieser Platz mit Fußballern anderer Vereine geteilt werden musste. Dies ergab bei der Terminplanung und somit für den Spielbetrieb erhebliche Probleme. Was zwangsläufig dazu, führte, dass der Vorstand nach weiteren Alternativen Ausschau hielt. Unweit des Stadtparks, schreibt Jörg Weißmann, fand der Vorstand des Vereins ein geeignetes Grundstück an der Buschstraße. Leider war es bewaldet.

Der Vorstand sei dennoch so sehr von dem Grundstück als Sportplatz überzeugt gewesen, dass er die Liegenschaft erwarb. Nach dem Ankauf war die Vereinskasse leer. In der Chronik der Sportfreunde Hamborn 07, die der verstorbene Hamborner Sportjournalist Willy Pütz verfasst hat, sind die Folgen beschrieben: Vereinsmitglieder mussten selbst , „Hand anlegen. Mit Hacke schafften die Mitglieder in unermüdlicher Arbeit ein Spielfeld. Nicht selten schufteten sie bis tief in die Nacht hinein.“

Der Mühen Lohn war das, was schon Wochen vor dem 13. April Plakate in Hamborn groß ankündigten: Der Sportplatz des SV Hamborn 07 wird eröffnet! Hamborns Oberbürgermeister Friedrich Strecker adelte den Anlass mit einer Festrede.