Spiegel eines neuen Mittelstands

Özcan Yavuz (links) folgte als Vorsitzender des Tiad auf Ali Aydin (rechts). Foto : Siegfried Wensierski
Özcan Yavuz (links) folgte als Vorsitzender des Tiad auf Ali Aydin (rechts). Foto : Siegfried Wensierski
Foto: Siegfried Wensierski
Özcan Yavuz, Vorsitzender des Vereins türkischstämmiger Unternehmer, spricht über Identität, Jugendarbeitslosigkeit und Perspektiven für Duisburgs Norden

Marxloh/Moers..  Wenn es um seine Herkunft geht, dann nimmt es der 41-jährige Özcan Yavuz ziemlich genau: „Ich wohne in Duisburg, bin aber kein Duisburger sondern Friedrichsfelder“, sagt der Diplom-Kaufmann, der seit einigen Monaten Vorsitzender des Tiad e.V. ist, des Vereins türkischstämmiger Duisburger Unternehmer mit Sitz in Marxloh.

Der Vater zweier Töchter löste in dieser Funktion seinen Vorgänger Ali Aydin ab. Rechtsanwalt Aydin hatte in den vergangenen Jahren erfolgreich versucht, den Tiad und seine Mitglieder klar zu positionieren, wenn es um die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsverhältnissen türkischstämmiger Jugendlicher im Duisburger Norden ging.

Am vergangenen Montagabend lud der Tiad e.V. seine Mitglieder und die Redaktion zum traditionellen Montagstreff in das Moerser Café del Sol ein. Unternehmensberater, Kfz-Meister, Brautmodenhändler, Steuerberater, Pkw-Händler, Lebensmittel- und Kosmetikgroßhändler sprachen dort über Pläne und Perspektiven für das neue Jahr 2015 und blickten schon voraus nach 2016. dann wird der Verein 20 Jahre alt.

Fast alle, die hier sitzen, sind Söhne oder Enkelkinder von Menschen, die in Duisburg als Gastarbeiter mit harter körperlicher Arbeit eine Existenz aufbauten: „Mein Vater hat mir damals gesagt“, sagt Yavuz, „dass ich es besser haben und studieren soll. Habe ich dann auch gemacht, wie viele hier.“

Dennoch, sagt Yavuz, seien auch heute noch, wo längst das Schlagwort vom neuen türkischen Mittelstand im Ruhrgebiet die Runde mache, auch gut ausgebildete Migrantenkinder bei der Suche nach einem Arbeitsplatz benachteiligt: „Schauen sie sich die jüngsten Studien an, die sagen alles.“

Er und sein Vorstand, sagt Yavuz, würden sich in Zusammenarbeit mit der Stadt, der IHK und anderen Akteuren, daran beteiligen, solche Missstände regional abzuschaffen.

Die immer wieder aufkommende Kritik, der Tiad schotte sich als Verein für ausschließlich türkische und türkischstämmige Unternehmer nach außen ab, lässt Yavuz nicht gelten: „Schauen sie in Länder, wo es deutschstämmige Minderheiten gibt“, sagt er, „etwa Polen oder Rumänien.“ Dort gebe es seit Jahrhunderten Zusammenschlüsse deutschstämmiger Künstler, Christen oder Unternehmer: „Und dennoch tragen sie viel Gutes für die gesamte Gesellschaft bei. So wollen wir es hier auch tun.“

Den Diplom-Kaufmann und Familienvater schmerzt es, zu sehen, wie viele junge Menschen im Duisburger Norden arbeitslos sind oder als Aufstocker am Existenzminimum leben: „Die wirtschaftliche Lage im Duisburger Norden allgemein durch unternehmerisches Engagement zu verbessern, auch dass ist ein wichtiges Ziel des unseres Vereins.“