Sparen liegt den Ruhrortern im Blut
19.02.2010 | 10:00 Uhr 2010-02-19T10:00:00+0100
Großer Bahnhof in der Ruhrorter Sparkasse. Am Donnerstag wurde das bis 1905 selbstständige Geldinstitut 170 Jahre alt. Damit ist die Filiale im Hafenstadtteil die älteste in der Stadt. In Duisburg selbst wurde erst vier Jahre später eine Sparkasse eröffnet.
Ein Grund für die Ruhrorter, mit allen Kunden und geladenen Gästen aus Politik, Gesellschaft und Verwaltung mal richtig einen draufzumachen: Mit Sekt, leckeren Häppchen, einer großen Verlosung, Kinderbelustigung und sogar einem Ständchen, das Viertklässler der nahen Grundschule brachten.
Am 18. Februar 1840 erhielt der damalige Ruhrorter Bürgermeister Cornelius Haarbeck die Genehmigung, eine Sparkasse eröffnen zu dürfen. Allerdings hatte es ein Jahr gedauert, bis das begehrte Papier, in Süterlin geschrieben und ordentlich unterzeichnet, endlich ausgestellt war. Kein Wunder: Den Antrag stellte er ja nicht bei einem einfachen Beamten, sondern beim Königlichen Landrat Dewens. Die Bürokratie ließ grüßen.
Die Begründung, warum die aufstrebende Hafenstadt unbedingt eine Sparkasse benötigte, war einfach: Der Ort hatte sich mit der Schiffbarmachung der Ruhr enorm entwickelt und war zu einem riesigen Umschlagplatz für Fracht aller Art, ganz besonders aber Kohle geworden. Den Spitzenumsatz erreichte Ruhrort 1860: 940000 Tonnen wurden dort ein- und ausgeladen. Das verdiente Geld brachten die meist einfachen Leute schnell unters Volk: Die Ruhrorter waren, wie Oberbürgermeister Adolf Sauerland in seiner Glückwunsch-Rede augenzwinkernd anmerke, oft durstig. Sprich: Sie trugen ihren Lohn gern in die nächste Kneipe.
Genau das wollte der damalige Bürgermeister und erste Chef der Kasse, Cornelius Haarbeck, ändern. Sein Ziel: dass „den unbemittelteren Einwohnern und Dienstboten“ die Möglichkeit gegeben wird, „kleinere Ersparnisse für künftige Bedürfnisse rentbar anzulegen“. Sage und schreibe 3,5 % Zinsen bekamen sie damals für ihre Taler. Jede Ein- und Auszahlung wurde in einem „Quittungsbuch“ festgehalten - heute würde man Sparbuch dazu sagen.
1905 schloss sich die Sparkasse - notgedrungen - mit dem Geldinstitut in Duisburg zusammen. Das war eine Folge der kommunalen Neuordnung, die Meiderich, Beeck und Ruhrort mit Duisburg vereinigte. Die Chefs der Kassen waren alles andere begeistert, schließlich wollte jeder seinen Posten behalten.
Heute zählt diese Duisburger Sparkasse zu den Schwergewichten in Deutschland: Mit einer Bilanzsumme von sechs Milliarden Euro muss sie sich nicht verstecken. Allein die Ruhrorter Filiale betreut knapp 3000 Girokonto-Kunden. Das entspricht zufällig genau der Einwohnerzahl, die Ruhrort vor 170 Jahren hatte, als die dortige Sparkasse gegründet wurde.
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