Seit dreieinhalb Jahren leben Neumühler auf der Baustelle

Die Lise-Meitner-Straße in Duisburg. Dort wohnen Karla Tatzki und Gordon Witzel.
Die Lise-Meitner-Straße in Duisburg. Dort wohnen Karla Tatzki und Gordon Witzel.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Rechnung ist bezahlt, aber die Stadt denkt gar nicht daran, eine Baustraße fertig zu stellen. Bis Anwohner über die Politik und die Zeitung Druck machen...

Neumühl..  Es könnte so schön sein im Neubaugebiet an der Lise-Meitner-Straße. 29 Eigenheime sind dort seit 2011 entstanden. Nur ein einziges Grundstück wurde nicht bebaut. Und daran liegt es, dass die Bauherren bis heute mit einer unfertigen Baustraße leben müssen. Denn grundsätzlich lässt die Stadt den oberen Straßenbelag erst auftragen, die Beleuchtung erst aufstellen und Pkw-Stellplätze erst markieren, wenn auch das letzte Grundstück an einer Straße bebaut ist. Selbst wenn sie das Geld dafür von allen Bauherren bereits beim Verkauf des Baugrundstücks bekommen hat.

Dreieinhalb Jahre lang haben auch die Eheleute Karla Tatzki und Gordon Witzel sich mit den Widrigkeiten einer Baustraße zufrieden gegeben. „Wir können unser Grundstück nur über eine von uns aufgeschüttete Rampe anfahren“, sagt Karla Tatzki. Für Fußgänger halte die unebene Baustraße jede Menge Stolperfallen bereit. Nach Regen stehe in den Senken das Wasser. Es werde wild geparkt und bei Dunkelheit fühle man sich als Fußgänger sehr unsicher.

Grundstück 2011 erworben

Das Paar hat sein Baugrundstück im April 2011 vom städtischen Immobilien-Management (IMD) gekauft. Die Erschließungskosten waren im Kaufpreis enthalten. Seit August 2012 ist das Haus fertig. Laut Kaufvertrag waren die beiden verpflichtet, das Grundstück innerhalb von zwei Jahren zu bebauen. Eine Frist für das IMD, die Erschließung fertigzustellen, ist für die Eheleute aus dem Vertrag nicht ersichtlich.

Noch im Januar, berichtet Karla Tatzki, habe ein leitender Mitarbeiter vom IMD ihr gegenüber bekräftigt, die Straße werde erst komplett gemacht, wenn das letzte Grundstück endlich bebaut ist. Doch mit den Bauarbeiten darauf sei noch nicht einmal begonnen, klagt die Bauherrin. Dabei sei das Grundstück viel früher verkauft worden als ihres. Das IMD habe der Eigentümerin bereits Vertragsstrafen auferlegt, weiß Karla Tatzki. Von dem jedenfalls in ihrem Kaufvertrag möglichen Rückkauf habe man dagegen keinen Gebrauch gemacht.

In ihrer Not baten die Eheleute jetzt die CDU in der Bezirksvertretung Hamborn, sich der Sache anzunehmen. Bezirksvertreterin Roswitha Schulz brachte den entsprechenden Vorstoß im März ein. Ihm schloss sich die gesamte Bezirksvertretung an. Und Bezirksamtsleiter Jürgen Scherhag gab dort jetzt die Rückmeldung, die Bauarbeiten seien bereits ausgeschrieben und der Auftrag erteilt. Mit der Fertigstellung der Lise-Meitner-Straße werde noch im Mai begonnen.

Eine Nachfrage bei der Stadt ergab, die Aussage des IMD-Mitarbeiters habe nicht diesen Einzelfall, sondern die grundsätzliche Vorgehensweise wiedergegeben. Aufgrund des Zeitverzugs, so Sprecher Falko Firlus, werde davon jetzt eine Ausnahme gemacht.