Segen ohne Ende für das Rathaus

Am Montag waren die Sternsinger zu Gast im Hamborner Rathaus.
Am Montag waren die Sternsinger zu Gast im Hamborner Rathaus.
Foto: FUNKE Foto Services

Hamborn.. Im Foyer des Hamborner Bezirksrathauses kreuzen sich am Montagmorgen die Ströme. Die schicken Leute mit den dicken Blumensträußen sind wohl zu einer Trauung hier, die anderen warten in der langen Schlange vor dem überfüllten Bürgerservice. Aber wo sind die Sternsinger?

Aus dem ersten Stock ertönt ein vielstimmiges: „Stern über Bethlehem“, das müssen sie sein. Im großen Sitzungssaal sitzen mehr gekrönte Häupter um die Tafel, als bei einer durchschnittlichen Fürstenhochzeit. Bezirksbürgermeister Uwe Heider hat die Sternsinger aus Hamborn und Marxloh zum Empfang ins Rathaus eingeladen. Nun blickt er zufrieden, aber stumm auf dem ganzen Tisch herum, denn die kleinen Spendensammler und Segenverteiler arbeiten sich gerade zügig durch ihr komplettes Lieder-Repertoire.

Elisabeth Spörer von St. Peter und Paul kommt mit dem Anstimmen gar nicht schnell genug hinterher. Nicht jede Textzeile ist zu verstehen, die ganz Kleinen singen etwas schüchtern mit. Bei den Größeren haben einige Spaß, so richtig schön schräg zu singen und lassen sich auch durch einen mahnenden Seitenblick ihrer Betreuer nicht dabei stören.

Und ein paar haben wohl noch ein Stück Obst oder einen Schluck Kakao von den angebotenen Erfrischungen in der Backe, der nun die Aussprache behindert. Aber kein Zweifel: Ihr Gesang kommt von Herzen, darauf kommt es an.

[kein Linktext vorhanden] Ihre handgesägten Sterne lehnen am Tisch, die goldenen Klapperbüchsen stehen daneben. Die langen Mäntel der Sänger erinnern noch entfernt an ein früheres Leben als Wohnzimmerübergardine. Viele besorgte Mütter haben sich aufwändige Mützen-Kronen-Kombinationen und Turbane ausgedacht, damit die königlichen Ohren auf den anstrengenden Touren von Haus zu Haus nicht abfrieren. Nach dem Gesang kommt die Arbeit. Uwe Heider sucht sich die hochgewachsenen Sternsinger heraus, deren Karriere sich sichtbar dem Ende zuneigt. Alle bei denen schon ein halber Meter Jeanshose unter dem Königsornat hervorragt, dürfen über den hohen Rathaustüren die Klebesteifen mit dem traditionellen 20*C+M+B+15 Haussegen verteilen. Schnell noch ein Foto von allen auf der Rathaustreppe und auf dem Nachhauseweg in der Straßenbahn kommt der kratzige Turban endgültig in die Tasche mit dem restlichen Obst.

„Klar, es gibt schon ein paar Leute, die uns die Tür vor der Nase zuschlagen, oder einen blöden Spruch machen“, sagt Betreuer Peter Benders, „aber die allermeisten Leute freuen sich, wenn wir kommen und finden es gut, dass wir die alte Tradition des Sternsingens fortführen.“ Zu denen gehört auch Uwe Heider. „Das beeindruckt mich schon sehr, dass die Gemeinden es immer wieder schaffen, so viele Kinder und auch so viele Helfer auf die Beine zu bringen“, sagt der SPD-Politiker.