Schuldlos auf dem Trockenen

An diesen Zustand wird Levent Öztas sich wohl gewöhnen müssen: In seinem Laden auf der Alleestraße wurde das Wasser abgestellt, obwohl er alle Abschläge bezahlt hat.
An diesen Zustand wird Levent Öztas sich wohl gewöhnen müssen: In seinem Laden auf der Alleestraße wurde das Wasser abgestellt, obwohl er alle Abschläge bezahlt hat.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Unternehmer hat Miete und Nebenkosten für seinen Computerladen auf der Alleestraße stets pünktlich bezahlt. Stadtwerke stellten trotzdem das Wasser ab.

Alt-Hamborn..  Fünf Praktikanten beherbergt Levent Öztas derzeit in seinem Computerladen auf der Alleestraße: „Die Jungs lernen bei mir eine ganze Menge und haben trotzdem Spaß. Ich glaube, die fühlen sich hier wohl.“

Die jungen Männer, die größtenteils an Berufskolleg-Schulen ausgebildet werden, lächeln freundlich und nicken eifrig, während Levents Ehefrau ihnen in der Küche Gebäck anbietet – es ist Pausenzeit.

Tee und Kaffee, die sie dazu reicht, hat sie gerade aus Mineralwasser hergestellt. Denn in Öztas’ Familienbetrieb gibt es seit 1. Februar kein fließendes Wasser mehr. „Obwohl ich nachweislich immer pünktlich Miete und Nebenkosten überwiesen habe“, sagt Öztas, „aber die Stadtwerke interessiert das nicht.“

Levent Öztas, 44 Jahre alt und Vater einer 20-jährigen Tochter, ist im Hauptberuf Meister bei ThyssenKrupp-Steel. Das Computergeschäft ist ein Zubrot, sagt er, „das sich aus einem Hobby entwickelt hat.“ Früher habe er in der Familie geholfen, wenn jemand Computerprobleme hatte: „Sie wissen, wie das ist: Dann kamen immer mehr Leute auf mich zu und fragten, ob ich nicht helfen kann. Da habe ich ein Geschäft daraus gemacht.“

Bis Mitte 2014 wohnte der Hausbesitzer noch im Hause, in der Wohnungs über Öztas’ Ladenlokal: „Der wohnte hier und seine Schwester und die Eltern wohnten auch hier im Haus“, sagt Öztas, „und irgendwann waren sie dann alle weg.“

Der Hausbesitzer verschwand spurlos, ließ aber jede Menge Schulden zurück, wie Öztas bald erfuhr: „Die Stadt teilte mir mit, ich sei als verbleibender Mieter im Hause jetzt Drittschuldner. Ich überweise meine Miete einfach weiter wie immer. Halt nur an die Stadt.“

Nie habe er dem Vermieter auch nur einen Cent geschuldet, sagt Öztas: „Habe immer pünktlich die Miete und die Nebenkosten bezahlt.“ Trotzdem – und dies, sagt er, belaste ihn sehr – müsse er jetzt in der Nachbarschaft um Wasser betteln und hunderte Liter Tafelwasser einkaufen: „Der Besitzer hat die Abschläge wohl nicht weiter an die Stadtwerke überwiesen. Und die haben mir jetzt das Wasser abgestellt.“

Seit 1. Februar sitzt der Familienbetrieb auf dem Trockenen. Im Dezember noch, sagt Öztas, hätten die Stadtwerke ihm ein Angebot über weitere Wasserlieferungen gemacht: „Als ich es annehmen wollte, wurde es plötzlich zurück gezogen.“

Zuletzt, sagt Öztas, hätten die Stadtwerke ihm angeboten, doch selbst die kompletten Wasser-Schulden seines Vermieters zu bezahlen: „Das kommt für mich derzeit nicht in Frage“, sagt Öztas.

„Es ist gültige Gesetzeslage“, sagt Dr. Jürgern Effenberger, Geschäftsführer des Mieterbundes Rhein-Ruhr, „die von den Stadtwerken hier angewandt wird.“

Wenn der Vermieter die Zahlungen, die er von seinen Mietern für Wasserversorgung erhalte, nicht an den Versorger weiter leite, „kann man in diese Situation kommen, in der Herr Öztas offensichtlich ist.“

Selbst wenn die Familie Öztas alle Abschläge pünktlich bezahlt habe, sagt der Mietrechtsexperte, „sind die Stadtwerke grundsätzlich im Recht.“ Es gebe für die Familie keinen Anspruch auf einen neuen Wasserzähler oder weitere Wasserlieferungen. Jedoch: „Spielraum für Kulanz gibt es freilich immer.“

Auf die hoffte Levent Öztas. Auch, weil er das Haus, das in der Zwangsversteigerung steckt, eigentlich kaufen möchte: „Auch, weil die Kunden sich an den Standort gewöhnt haben.“

Die Stadtwerke teilten der Redaktion am Montag jedoch mit, dass es für Levent Öztas keine Kulanz geben wird: „Wir können nicht gegen den Willen des Besitzers den Wasseranschluss umschreiben“, sagte Sprecher Thomas Nordiek. Levent Öztas müsse das Problem mit dem Eigentümer klären, sagte Nordiek. „Wenn dieser Eigentümer nicht greifbar ist, dann ist das natürlich ärgerlich für betroffene Mieter“, sagte Nordiek.