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Schüler lernen selbst organisiert in Duisburg-Marxloh

22.01.2013 | 10:00 Uhr
Schüler lernen selbst organisiert in Duisburg-Marxloh
Das Lern-Büro der Herbert-Grillo-Gesamtschule: Dort wird nach ganz neuen Methoden gearbeitet. Ähnlich könnte künftig auch in den Sekundarschulen gearbeitet werden. Von links: Gamze, Savo.Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool

Duisburg-Marxloh.   In der Herbert-Grillo-Gesamtschule hat jeder Schüler sein eigenes Logbuch. Darin notiert er, welche Lernabschnitte er bearbeitet, welche Tests er geschrieben hat und schätzt sein eigenes Arbeitsverhalten ein.

Bei „Raumschiff Enterprise“ durfte nur der Kapitän ins Logbuch schreiben. In der Herbert-Grillo-Gesamtschule hat jeder Schüler sein eigenes Logbuch. Darin notiert er, welche Lernabschnitte er bearbeitet, welche Tests er geschrieben hat und schätzt sein eigenes Arbeitsverhalten ein. „Lernbüro“ heißt diese Unterrichtsform etwas trocken und tatsächlich geht sie mit einigem Organisationsaufwand einher. Weil jeder Schüler seine individuelle Reise durch die unerforschten Weiten des Lernstoffs macht, fällt auch ein Teil der Dokumentation in seinen Aufgabenbereich.

Große Zeitblöcke

Unterrichtet wird in großen Zeitblöcken von drei Stunden. Im Moment sitzen 15 Schüler des Jahrgangs 5 mit Mathe-Lehrerin Dagmar Stadler über verschiedenen Arbeitsblättern. Zwei Schüler schreiben gerade einen Test als Abschluss eines Lernabschnitts an einem besonderen Bitte- nicht-stören-Tisch in der Mitte. Die anderen unterstützen sich gegenseitig. Feyza unterbricht kurz ihre kniffelige Textaufgabe und hilft einer anderen Schülerin bei der Suche nach dem nächsten Aufgabenblatt. Als der richtige Ordner auf dem Materialtisch gefunden ist, kehrt sie zu ihrer Aufgabe zurück und liest leise vor: „Beim Basketball erzielt Alba Berlin 119 Punkte, der MTG Gießen 86 Punkte. Wie viele Punkte werden insgesamt erzielt?“ Feyza ist kurz ratlos, dann fragt sie ihre Tischgruppe: „Was heißt erzielen?“

Dagmar Stadler geht gerade am Tisch vorbei und sieht, dass Feyza auf dem besten Wege ist, ihr Problem selbst zu lösen. „Das heißt, wie viel Punkte die zusammen gemacht haben“, erfährt Feyza von ihren Mitschülern, dann ist ja alles klar. Sie notiert nach kurzer Nebenrechnung säuberlich: Es wurden 205 Punkte erzielt.

Auf dem Pult liegt die Liste mit den letzten Zwischennoten. Unterrichtsinhalte, Lernziele und Beurteilungen sind hier kein geheimes Lehrerwissen. Die Schüler haben konkrete Vorstellungen davon, was in nächster Zeit an Lernstoff ansteht und welche kleinen Abschnitte sie in ihrem Tempo zum Ziel führen werden. Sie empfinden den Arbeitsaufwand zur Selbstorganisation nicht als Zumutung. „Man hat sich an die ganzen Sachen schnell gewöhnt und dann macht es Spaß, weil man selber richtig merkt, wie man vorwärts kommt“, sagt Hannah.

„Davon haben wir geträumt“, sagt Mathe-Lehrer Uwe Schäfer-Kopton, der den Einstieg gemeinsam mit sieben Kollegen zwei Jahre lang vorbereitet hat. Das System soll durch die Jahrgänge hochwachsen, die Fächer Deutsch, Mathematik und Gesellschaftswissenschaften bearbeitet der Jahrgang 5 im Lernbüro. Abteilungsleiter Thomas Zander möchte auch die Möglichkeit schaffen, dass die Schüler in einem Zeitblock zwischen den Fächern wechseln können.

Sabine Merkelt-Rahm



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