Schorsch plädiert für Abriss des einstigen Walsumer HJ-Heims

Das ehemalige HJ-Heim aus der Rückansicht.
Das ehemalige HJ-Heim aus der Rückansicht.
Foto: Gregor Herberhold
Der Backsteinbau neben der Gemeinschaftsgrundschule Schulstraße steht seit Auszug der Drogenberatung leer und verfällt. Stadt hat keine Abrisspläne.

Aldenrade.. Die einstige Notkirche von St. Josef in Walsum-Aldenrade verkommt immer mehr. Türen und Fenster sind zugenagelt, wild wachsendes Grün umgibt den großen Backsteinbau an der Schulstraße. Jetzt regt Helmut Schorsch, Vorsitzender des Heimatvereins Walsum, an, die „Bruchbude“ zu beseitigen. Das Thema brachte er bei einem Vereinstreffen im Rathaus zur Sprache.

Das Städtische Immobilienmanagement, Eigentümerin des Baus, hat derzeit nach unseren Informationen keine Pläne, das Haus abzureißen. Geschlossen wurde es, nachdem die Drogenberatung ausgezogen war. Nicht mehr genutzt wird es laut Auskunft der Stadt Duisburg „auf Grund von Baumängeln“.

Helmut Schorsch (83) berichtet, dass das Haus „innen völlig vergammelt“ ist. Sämtliche Metallleitungen (Wasser und Strom) seien herausgerissen, auf dem Boden lägen „mindestens 100 alte Spritzen von Drogenabhängigen“. Er kann sich keine neuerliche Nutzung vorstellen, sähe lieber einen kleinen Park an der Stelle.

Errichtet wurde das Gebäude während der Nazi-Zeit. Ein Chronist schrieb am 19. April 1941 im Hamborner General-Anzeiger: „Endlich ist der lang gehegte Wunsch der Hitler-Jugend in Erfüllung gegangen. Das Walsumer HJ-Heim ist fertiggestellt und wird am heutigen Samstagmittag im Rahmen einer Feierstunde eingeweiht.“

Mehrere große Räume

Das Haus ist rund 45 Meter lang. Es gab mehrere Räume mit je rund 50 Quadratmetern Fläche. Neben zusätzlichen Besprechungsräumen, einem Luftschutz- und einem Erfrischungsraum gab es auch einen „Brauseraum“ mit Umkleiden.

Als Walsum am 14. Oktober 1944 massiv bombardiert wurde, traf eine Luftmine die nahe St.-Josef-Kirche, die völlig zerstört wurde. Zunächst kamen die Katholiken bei den Protestanten an der Schulstraße unter. Als das ebenfalls beschädigte Jugendheim von den Katholiken in Eigenleistung repariert und entkernt worden war, nutzte es die Gemeinde als Notkirche. Der erste Gottesdienst fand dort zu Pfingsten 1946 statt. Bis zum Winter 1948 war das alte Hitler-Jugend-Heim die Heimat der St.-Josef-Gemeinde, die bekanntlich vor wenigen Wochen ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Weihnachten ‘48 konnten die Christen wieder in der inzwischen halbwegs hergestellten Kirche feiern.

Das Heim sollte später wieder als Jugendeinrichtung genutzt werden. Nach alten Auszeichnungen beteiligten sich neben der katholischen und evangelischen Jugend die Falken an der Einrichtung.

Von 1991 an nutzte die Städtische Drogenberatung den Bau. Auch der Schulhausmeister wohnte dort kurze Zeit. Seit 2011 steht der Bau leer.

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