Walsum
Schelte vom Sparkassenchef
08.02.2010 | 18:18 Uhr 2010-02-08T18:18:00+0100Haben die Staatschefs genug getan, damit sich dieses beispiellose Desaster der Finanzkrise nicht wiederholt? „Die sollen endlich mal anfangen!”, sagte Volker Goldmann, Vorstandschef der Sparkasse Bochum. Im Rahmen der Aktion „Chef zu gewinnen” stellte er sich Schülerfragen.
Rund vier Billionen Dollar hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise die Weltwirtschaft bisher gekostet, hat der internationale Währungsfonds in Washington ausgerechnet. Haben Angela Merkel, Geoff Brown, Nicolas Sarkozy oder Barack Obama genug getan, damit sich dieses beispiellose Finanz-Desaster nicht wiederholt? „Die sollen endlich mal anfangen!”, sagte Volker Goldmann, Vorstandschef der Sparkasse Bochum, klipp und klar im Selbstlernzentrum der Gesamtschule Walsum. Bisher sei doch noch viel zu wenig geschehen, so Goldmann.
Im Rahmen der Aktion „Chef zu gewinnen” stellte sich der 60-jährige Chef von rund 1380 Angestellten der Sparkasse Bochum zwei Schulstunden lang den Fragen von 29 Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Stufe 13. Unter Leitung ihrer beiden Lehrer Georg Bickmann-Krebber und Henrick Schaffert hatten die jungen Leute einen umfangreichen Fragenkatalog abzuarbeiten. Die Jungen und Mädchen fragten klug, interessiert und zielführend. Goldmann antwortete präzise, kompetent und freundlich.
Ein Schüler stellte die Frage des Tages: Was denn konkret geschehen müsse, damit sich die größte Finanz- und Wirtschaftskatastrophe seit der Weltwirtschaftskrise 1929/30 nicht wiederhole? Goldmann antwortete prompt: „Man darf in Zukunft nur noch Wertpapiergeschäfte machen, die auch jeder versteht.” Faule Kredite und Ramschpapiere wie die äußerst umstrittenen Derivate müssten dagegen der Vergangenheit angehören.
„Dazu brauchen wir eine Finanzaufsicht, die weit über Deutschland hinausgeht. Finanzexperte Goldmann ließ durchblicken, dass aus seiner Sicht auch die Bafin in Bonn, oberste Behörde der deutschen Finanzaufsicht, bei der Kontrolle des internationalen Wertpaperhandels versagt hat. Goldmann sprach sich auch für eine Regulierung der Schwindel erregend hohen Boni für Manager und Investmentbanker aus. Selbst die Manager und Banker, die schlecht und riskant gearbeitet hätten, seinen in vielen Fällen noch mit unangemessen hohen Vergütungen belohnt worden.
Das Geschäftsgebaren der Sparkassen sei dagegen seriös und überschaubar, betonte der Sparkassen-Chef, der jahrelang auch die Bochumer SPD leitete und für die Genossen im Duisburger Stadtrat saß.
Goldmann: „Im letzten Jahr haben wir eine Menge Zulauf von Kunden bekommen, die sagen: Hier ist mein Geld sicher. Und auch die Verknappung von Kreditmitteln bei vielen anderen Banken ist den Sparkassen zugute gekommen.” Und warum soll ein Kunde sein Geld bei der Sparkasse anlegen, wollte eine Schülerin gerne wissen: „Jeder Kunde kann seine Sparkasse fußläufig schnell erreichen, seine Finanzgeschäfte um die Ecke erledigen”, so das Oberhaupt von 48 Sparkassen-Filialen im Bochumer Stadtgebiet. „Dort haben Sie einen Ansprechpartner, eine Vertrauensperson, ihren Kundenberater.”
Und kein anonymes Call-Center, fügte er im nächsten Satz hinzu.
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