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Riss in der Oberlippe: Duisburger Gericht stellt Verfahren ein

08.08.2012 | 16:34 Uhr
Riss in der Oberlippe: Duisburger Gericht stellt Verfahren ein
Foto: Ingo Otto

Duisburg-Hamborn.   Schöffengericht Hamborn konnte den Fall nicht klären und stellte das Strafverfahren gegen den Ehemann der Verletzten ein.

Mit einem drei Zentimeter langen Riss in der Oberlippe lag die Frau am 29. Dezember 2011 in ihrer gerade bezogenen Wohnung blutend auf dem Fußboden. Soweit ist der Sachverhalt unstrittig, der am Hamborner Amtsgericht verhandelt wurde

Ein Foto der Gesichtsverletzung geht durch die Hände des Vorsitzenden Richters, der beiden Schöffinnen und der Staatsanwältin. Doch wie ist der Riss entstanden? Die Hauptzeugin ist nicht erschienen, Richter Dr. Dechant unterbricht die Verhandlung, telefoniert mit dem Anwalt der Geschädigten. Sie habe den Termin vergessen, lässt sie ausrichten, sei aber jetzt auf dem Weg.

Bis sie erscheint, ist Zeit für die Aussage des geschiedenen Ehemannes. Der Mann mit dem gepflegten Schnäuzer und dem auffälligen Siegelring am Finger berichtet, er habe seine damalige Ehefrau, die erst wenige Tage zuvor die gemeinsame Wohnung verlassen hätte, blutend in ihrem Badezimmer vorgefunden.

Kein Licht im Badezimmer

 Die Tür zur Wohnung sei offen gewesen. „Die ist wohl an die Kante der Badewanne gekommen, es gab ja kein Licht in dem Badezimmer“. Und überhaupt sei es kein Wunder, dass sie sich nicht auf den Beinen halten könne, sie sei ja schon früher immer besoffen nach Hause gekommen. Seine fast erwachsenen Kinder nicken zustimmend, sie leben beim Vater, die beiden jüngeren Kinder der Familie sind im Heim. Der Vorsitzende Richter zweifelt doch eher an der Version vom Badeunfall: „Da muss man schon sehr seltsam fallen, um so eine Verletzung davon zu tragen“. Der Beschuldigte beteuert: „Ich habe sie immer nur gepflegt und ihr Essen gebracht. Wenn ich sie geschlagen hätte, wäre ich danach doch nicht mit ihr zum Krankenhaus gefahren.“ Der Sohn bestätigt den Alkoholkonsum der Mutter, spricht sogar von einer ganzen Flasche Wodka pro Tag.

Nach einer weiteren Verhandlungspause ist die Hauptzeugin endlich da und geht schnell an Sohn und Exmann vorbei. Die Enddreißigerin im knöchellangen Sommerrock und olivfarbenem Jäckchen mit passendem Kopftuch macht ihre Aussage auf Türkisch und wird von einer Übersetzerin unterstützt.

Ungereimtheiten in der Aussage

 Sie sei von ihrem Mann beim Einräumen der Waschmaschine von hinten mit Faustschlägen traktiert worden, gibt sie an. Als sie im Wohnzimmer zu Boden ging, habe er sie noch mal geschlagen und ihre Lippe sei aufgeplatzt. Ob er die Faust oder die flache Hand geschwungen habe, will das Gericht wissen. Sie kann es nicht sagen. Sie bestreitet, betrunken gewesen zu sein. Sie sagt aber auch, dass es keinen angeht, was sie in ihrer Wohnung macht. Ob sie seinen Mandanten aus der Wohnung gewiesen habe, interessiert den Verteidiger. Sie blickt verständnislos. „Ich habe in meiner Ehe schon so viele Schläge gekriegt, das war normal“, lässt sie wissen. Ihr Sohn schnaubt betont empört durch die Nase und wird vom Richter um Ruhe gebeten.

„Es gibt auch einige Ungereimtheiten in ihrer Aussage“, begründet das Gericht und stellt das Verfahren nach § 153 der Strafprozessordnung wegen Geringfügigkeit der Schuld ein.

Sabine Merkelt-Rahm



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