Radgeschäft Henneken schließt

Wollen ab 1. Mai ihren Ruhestand geniessen: Walter und Monika Reeken Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Wollen ab 1. Mai ihren Ruhestand geniessen: Walter und Monika Reeken Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit 1948 gibt es den Zweirad-Meisterbetrieb auf der Beecker Straße. Monika, die Tochter des Gründers, und Mann Walter gehen in den verdienten Ruhestand.

Alt-Hamborn..  Am 10. Dezember 1948 eröffnete Franz Henneken sein Zweirad-Fachgeschäft auf der Beecker Straße in Alt-Hamborn.

Mobilität für einen Stadtteil , der in den kommenden Jahrzehnten einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung erleben sollte, bot der Handwerks-Meister an.

An der Beecker Straße erfüllten sich Jahrzehnte lang Mofa-, Moped- und Motorroller-Träume der Hamborner Jugend.

Auch die Träume angehender Journalisten: Im Jahre 1985 erwarben der Autor dieser Zeilen und sein Bruder dort eine Hercules Ultra 80 in der sportlichen RS-Variante. Nagelneu und doch günstig, als Auslaufmodell.

Knapp 10 PS und 80 Kubik, gepaart mit dem Gefühl, die Welt unter den zwei Rädern zu besitzen – das Team von Henneken-Zweiräder machte es möglich.

Generationen von Stahlarbeitern fuhren auf Fahrrädern Made in Germany zur Schicht, die bei Henneken erworben und in Stand gehalten wurden. Oder am Wochenende beim Familienausflug den Rhein und die Ruhr hinauf.

„Früher gab es 13 inhabergeführte Betriebe in der Nachbarschaft“, sagt Monika Reeken, geborene Henneken, „heute sind es noch zwei.“ Stolz sind sie, Monika und Walter Reeken, auf die Geschichte ihres kleinen Unternehmens.

Unzählige Auszubildende absolvierten ihre Lehre beim Unternehmensgründer und später bei Schwiegersohn Walter Reeken. Der war, als er Monika kennen und lieben lernte, auf den Bau von Turbo-Motoren spezialisiert, arbeitete Anfang der 1970’er Jahre für den japanischen Yamaha-Konzern.

„Dann bin ich hier sesshaft geworden“, sagt Walter und blinzelt seiner Monika liebevoll zu, „habe umgeschult und meinen Meister gemacht.“ Stolze 17 Jahre lang war er Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Zweirad-Sparte innerhalb der niederrheinischen IHK.

Wenn am Donnerstag, 30. April, die Tür des Ladenlokals auf der Beecker Straße zum letzten Mal abgeschlossen wird, ist all’ dies Geschichte. Einen Nachfolger gibt es nicht: „Die Kaufkraft in Hamborn hat deutlich nachgelassen, außerdem bestellen viele Menschen heute alles online, sogar Räder und Zubehör“, sagt Monika Reeken.

Die Werkstatt im Hause will Walter Reeken auch nicht weiter betreiben, obwohl es viele Aufträge gibt: „Ich bin 68 Jahre alt. Zeit, auch mal etwas vom Leben zu haben.“ Da stimmt Monika ihm zu: „Wir haben kaum einmal Urlaub gemacht. Immer nur gearbeitet.“

Möglicherweise folgen die beiden, die weiter in Hamborn leben wollen, zum Start in den Ruhestand einem Wink des Schicksals. Vergangene Woche ließ ein Ehepaar aus Kanada, das eine Tour quer durchs Revier machte, ein Fahrrad von Walter reparieren: „Die haben uns eingeladen nach British-Columbia. Der Mann baut dort Schneemobile“, sagt Walter und seine Augen leuchten.