Nicht nur Migranten müssen integriert werden

Unzählige Fernsehdiskussionen werden derzeit geführt über junge Leute, die zu radikalen Islamisten wurden. Dann erzählt wieder irgendein deutscher Professor von irgendeinem englischen College wie wichtig es ist, radikale junge Leute an der Ausreise zu hindern, und so weiter . . .

Viel von dem aktuellen Gerede über junge Salafisten, Konvertiten, junge Rechtsradikale, über Pegida, trifft nicht ansatzweise den Kern des Themas, die Wurzel der Probleme, die zu solchen gesellschaftlichen Extremen führt.

Im Duisburger Norden haben wir es täglich vor Augen. Vielleicht sehen wir es gerade deswegen nicht: Wo Jugend – gleich ob deutsch oder türkisch – unter prekären Bedingungen aufwächst, wo junge Menschen in Geldnot groß werden und auf ihrem Bildungsweg nicht unterstützt werden, da wird der Weg für das Abdriften in die rechte Szene oder zu den Salafisten geebnet.

Derzeit ist die Stadtgesellschaft im Duisburger Norden in der Art organisiert, dass Unterstützung und Hilfe eben meist dann geleistet wird, wenn Menschen schon in Problemen stecken: Dann stehen Arge, Awo, Runder Tisch, Caritas und andere bereit, um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Wo aber sind die Jugendorganisationen der Parteien, wo sind Akademiker in Rente, wenn es etwa darum geht, Schüler mit Migrationshintergrund und deutsche Schüler im Sinne von Bildungspatenschaften nachhaltig zu unterstützen?

Warum gibt es in Berufskollegs im Duisburger Norden keine kaufmännischen Bildungsgänge, die speziell türkische und arabische Sprachkenntnisse nutzen, um international ausgerichtete Kaufleute mit Option auf ein Bachelor-Studium hervor zu bringen?

Bei allem Respekt für Naturwissenschaft: Warum wird (in Schulen) mit (jungen) Muslimen nicht intensiver über das Wesen unserer Demokratie, die Trennung von Staat und Kirche gesprochen? Über die Vorteile, die uns allen daraus entstehen?

Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Unterm Strich bleibt die Einsicht: Integration fordert unser aller Engagement.

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