Neuer Inhaber in der alten Adler-Apotheke in Duisburg-Beeck

Apotheker-Wechsel in Beeck: Frank Forster (l.) übernimmt den Betrieb von Manfred Krämer.
Apotheker-Wechsel in Beeck: Frank Forster (l.) übernimmt den Betrieb von Manfred Krämer.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Zum Jahreswechsel ging Manfred Krämer in den Ruhestand. Neuer Apotheker am Beecker Markt ist nun der 50-jährige Frank Forster.

Beeck.. Die Adler-Apotheke am Beecker Markt ist eine der ältesten der Stadt Duisburg – und ganz gewiss eine der schönsten: 1896 wurde das stattliche Haus im Gründerzeitstil errichtet. Es überstand samt Einrichtung zwei Weltkriege. Noch heute ist das Ladenlokal mit seinen wunderschönen Holzregalen nahezu vollständig erhalten. Der Verkaufsraum ähnelt mehr einem Museum als einer Apotheke. Ein Antrag auf Denkmalschutz ist gestellt.

Es war ein gewisser Ludwig Vollheim, der den Bau des prachtvollen Gebäudes in Auftrag gab. Er selbst betrieb die Apotheke aber nur wenige Jahre. Bereits zur Jahrhundertwende 1899/1900 übernahm Joseph Hassel Haus und Geschäft. Sein Nachfolger war Hans Hassel senior, der bis zu seinem Tod im Jahr 1950 mit Medizin handelte.

Während des Zweiten Weltkrieges, als Eigentümer Hans an der Front war, hatte Apothekerin Caecilie Hufnagel den Betrieb kommissarisch geleitet, nach dem Tod von Hans Hassel senior übernahm sie den Betrieb bis zum 31.12.1963. Dann stieg Hans Hassel junior ein. 1997 wiederum übergab er die Firma an seinen langjährigen Mitarbeiter Manfred Krämer. Und der übertrug sie am 31. Dezember 2014 an Frank Forster.

Eigentümer des Gebäudes ist und bleibt Hans Hassel junior. Der heute 77-Jährige lebt inzwischen in Moers. Früher bewohnte er die beiden Etagen über der Apotheke. Hassel hängt an dem Haus, das sich seit 115 Jahren im Familienbesitz befindet.

In den 1970er Jahren ließ er es aufwendig in Schuss bringen. „Ich hatte Glück. Ich fand eine Fachfirma in Oberhausen, die gleich sagte, das Haus dürfe nicht saniert, sondern müsse restauriert werden.“ Man erkannte, dass es sich um ein wahres Schmuckstück handelte, das es zu erhalten gelte. Und so wurde mit großem Aufwand und viel Feingefühl vor allem die durch Granatsplitter beschädigte Fassade von den Fachleuten, die schon am Aachener Dom gearbeitet hatten, in Ordnung gebracht. Etliche der glasierten Klinker wurden in Handarbeit angefertigt.

Kirchenarchitekt plante Innenausbau

Noch heute ist die komplette Ladeneinrichtung von 1896 vorhanden. Das reich verzierte Holz stammt aus Kalkaer, war bei der Erweiterung des dortigen Doms übrig geblieben. Der Architekt war derselbe, der die nahe Laurentiuskirche geplant hatte. Er ließ die schwere Eichen-Einrichtung in Kalkaer fertigen. Zum Glück wurden die feinen Ornamente, die bleiverglasten Vitrinen, die Tür im Windfang und die sonstige Einrichtung bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg nur minimal beschädigt. Noch heute existieren sogar die alten Glasgefäße, in denen vor 100 Jahren die selbstgedrehten Pillen, Tinkturen und Salben aufbewahrt wurden. Einige stehen als Dekoration im Regal, die meisten aber sind sicher auf dem Speicher verstaut.

Dass ein Kirchenarchitekt die Inneneinrichtung geplant hat, lässt sich deutlich ablesen. Manche Teile der Einrichtung könnten auch Teile eines Beichtstuhls sein. Und die Sitzgelegenheit direkt neben dem Eingang erinnert sofort an eine Kirchenbank. Einfach traumhaft.

Als Rentner reisen und lesen

Der Hamborner Manfred Krämer (64) kam vor 33 Jahren als Apotheker nach Beeck. 1997, als sich Hans Hassel junior aus dem Berufsleben zurückzog, übernahm er den Betrieb. Nun geht der Mann, den im Ortsteil jeder kennt, in den Ruhestand. Sein Nachfolger, den Hans Hassel jr. selbst ausgewählt hat, ist Frank Forster (50).

Der Baerler war lange Zeit in der Geschäftsführung des Bethesda-Krankenhauses beschäftigt, wagt jetzt erstmals den Sprung in die Selbstständigkeit. Er will die Tradition des Hauses fortführen – sprich: er legt Wert auf gute Patientenberatung, will „nah an den Menschen“ sein, den Kunden „viel Zuwendung“ schenken. Das schnelle, unpersönliche Geschäft ist nicht sein Ding. Forster ist verheiratet, hat ein Kind. Als seine Hobbys nennt er Laufen, Radeln, Schwimmen und Pharmazie.

Krämer ist ebenfalls verheiratet, hat drei Kinder und will sich im Ruhestand sportlich betätigen (Laufen und Basketball), aber auch viel Reisen (in Deutschland), Lesen und ehrenamtlich für andere Menschen da sein. Er lebt inzwischen in Voerde-Spellen, will sich dort verstärkt „in die Dorfgemeinschaft einbringen“.