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Erziehung

Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott

22.11.2008 | 13:25 Uhr
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott

Duisburg. Durch nackt spielende Kinder geriet ein Kindergarten in Duisburg-Walsum in die Schlagzeilen. Seitdem wissen dort weder Eltern noch Erzieher richtig, wie es nun weitergehen soll. Viele Eltern setzen vorerst auf einen Boykott: Von 120 Kindern kommen derzeit nur noch 40 in die Einrichtung.

So sieht Karikaturist Michael Holtschulte den Fall

Es muss jetzt gelingen, das Vertrauen der Eltern wieder zu gewinnen”, sagt Thomas Krützberg, Leiter des Jugendamtes. Die Kindergarten-Aktion an der Josefstraße in Walsum, Kleinsten einen unbefangenen Umgang mit der Nacktheit zu ermöglichen, war fürchterlich schief gegangen, weil nicht alle Eltern in die Aktion einbezogen worden waren. Seither ist Aufruhr im Dorf.

Von 120 Kindern sind von ihren Eltern 80 seither nicht mehr dorthin geschickt worden. Unsicherheit und Misstrauen herrschen seither bei den Eltern ,und auch die Mitarbeiter fühlen sich nicht mehr wohl in ihrer Haut, ihre Stimmung ist am „Tiefpunkt” (Krützberg). Inzwischen scheint einigermaßen festzustehen, wie dieser Fall abgelaufen ist.

Nach den Ferien waren einige Kinder immer wieder nackt herumgelaufen. Dass fanden nicht alle Kinder toll. Deshalb war im Mitarbeiterteam die Idee geboren worden, den Kindern, die gerne unbekleidet herumlaufen wollten, das zu ermöglichen, ohne andere zu verletzten.

Ein Extraraum zum nackt Spielen

Gemeinsam mit den Eltern dieser Kinder wurde besprochen, einen Raum für sie zu reservieren, in dem sie nackt und unter sich sein konnten. Was nicht bedacht wurde: Die nicht beteiligten Kinder dachten sich ihren Teil über das Geschehen hinter der verschlossenen Tür und erzählten natürlich auch zu Hause etwas. Und vermutlich wurde mit jeder Erzählung alles noch ein bisschen dramatischer.

Inzwischen tobt ein Meinungskrieg im Dorf, der quer durch alle Nationen geht und auch vor so deftigen Äußerungen nicht zurückschreckt, dass man sie aus dem Internetforum dazu löschen musste. Es macht das Wort von Hexenjagd die Runde. Der Versuch des Kindergarten-Personals, am Mittwoch in einer sachlichen Versammlung Informationen weiterzugeben, ging in Tumult unter. Ein zweiter Versuch am Donnerstag war da schon erfolgreicher.

Hoffen auf einen Neuanfang

Jedenfalls ist das der Eindruck von Jugendamtsleiter Thomas Krützberg. Er jedenfalls sagt, es sei ein „klassischer Fehler” gewesen, dass nicht alle Eltern in die Aktion eingeweiht worden waren. Das ist auch ein Vorwurf von Eltern. Wenn man ihn im Vorfeld gefragt hätte, ob man die Aktion so machen könne, hätte er Nein gesagt, sagt der Jugendamtsleiter.

Jetzt geht es darum, einen Neuanfang hinzubekommen. Dass es dennoch schwer ist, das Vertrauen der Eltern zurückzugewinnen, weiß er. Ein Mitarbeiter des Jugendamtes ist jetzt im Kindergarten vor Ort. Und in zwei Wochen will man sehen, wie es weitergeht.

Auszüge aus der Online-Diskussion

Das Thema ist heiß, das wird aus den Internetstimmen deutlich. Die einen meinen, die Berichterstattung sei vom Jugendamt gekauft (zur Information: soviel Geld gibt's nicht), andere möchten am liebsten den Jugendamtsleiter und den Berichterstatter nackt über die Königstraße jagen. Aber das sind nicht alle Meinungen. Ein paar zur Auswahl, höchst subjektiv, einfach, um einige Positionen schlaglichtartig aufzuzeigen. Dass sie bei der Vielzahl der Kommentare zwangsläufig nicht alle Positionen widergeben können, ist dabei völlig klar. Die vollständigen Äußerungen finden Sie hier.

„Die Menschen sind von der Blutpresse aufgeschreckt und haben Angst, dass sich Untaten auch an ihren Kindern abspielen könnten.”

„Ich finde, mit Vierjährigen muss das nicht sein. Ob Moslems oder Christen, die Kinder sind einfach zu jung für sowas.”

„Der gute Mann sieht kleine Kinder offensichtlich als Sexualobjekte”, schreibt ein Marcel zur Frage, ob nackte Kinder Pornografie sind.

„Die Kinder kriegen es zu Hause beigebracht, dass man sich nicht auszieht vor anderen. Und im Kindergarten dürfen die das?”

„Was soll aus den Kindern werden, wenn es ihnen beigebracht wird, dass es normal ist, nackt herumzulaufen. Kann mir einer garantieren, dass die keine exhibitionistische Ader bekommen?”

„Ich bin weder Türkin oder prüde. Aber diese Art der Erziehung stößt mir sehr auf.”

„Deutsche wie Nichtdeutsche sind gleichermaßen erschüttert.”

„Wenn man Kindern ein gesundes Verständnis zum eigenen Körper und der eigenen Nacktheit erlaubt, warum sollte das denn schlimm sein?”

„Den meisten Kindern fällt noch nicht einmal auf, dass das Mädchen nackt anders aussieht als der Junge. Das darf man nicht aus der Sicht der Erwachsenen sehen.”

„Wann man ihnen sofort ihre Nacktheit verbietet, werden sie sich das sicherlich merken und später total verklemmt mit ihren Körpern umgehen.”

„In den achtziger Jahren haben meine Kinder im Kindergarten mit vielen anderen im Sommer nackig gebadet, das war normal. Heute ist alles gleich eine Straftat. Wir als Gesellschaft werden immer hysterischer.”

An die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen: „Behalten sie die Nerven und verlieren Sie nicht den Mut.”

Ich finde die Idee, Kinder nackt spielen zu lassen, im Prinzip gut. Kinder, insbesondere im Kindergarten, haben da eine noch völlig unvoreingenommene Einstellung. Da ist noch nichts mit sexuell-orientierten Gedanken... Auch wenn mal das eine oder andere Körperteil erforscht wird. Das hat nix mit Aufgeilen, Pornografie oder ähnlichem zu tun. Pubertierende Kinder würde ich sicher nicht nackt zusammen spielen lassen.”

„Klar, im Sommer wird nackt gebadet, aber wir haben November und eine Kita als Indoor-FKK-Club?”

„Manche verwechseln Erwachsenen-Sexualität mi der Kinder Sexualität.”

„Sind das die Vorboten eines neuen Zeitalters der spießigen Verklemmtheit und Denunziation?”

„Meine Kinder sind vier Jahre alt und sie laufen zu Hause nicht so rum.”

„Türken und Migranten setzen sich hier fest, etablieren eine Parallelgesellschaft, verweigern jegliche Integration, ja lehnen ein Gesellschaftsmodell ab, in das sie gekommen sind, unternehmen aber jeden Versuch, diese Gesellschaft mit ihrem verquasten Weltbild zu vergewaltigen und zu verdammen.”

„Ich schicke meine Kinder lieber in einen muslimischen Kindergarten als dass ich diese nur eine Stunde diesen Vollprofis überlasse.”

„Ich habe gedacht, die Zeiten der Prüderie und der Tabuiesierung der Nacktheit und Sexualität wären seit 40 Jahre vorbei. Diese ganze Geschichte ist absolut albern und aus meiner Sicht das Produkt einer verklemmten Sexualität.”

„Wenn in dem KiGa Kinder sexuelle Szenen nachgespielt haben sollen, dann müssen sich die betroffenen Eltern selbst die Frage stellen, wo sie sich dieses Szenario abgeschaut haben.”

„Eine solche Hetzkampagne führt zu nix und schadet nur den Kindern, weil sie womöglich übereifrig aus dem Kindergarten genommen werden, in dem sie sich pudelwohl fühlen.”

„Die ganzen Perversionen entspringen euren kranken Erwachsenengehirnen, gleich ob erzkonservative Deutsche oder Migranten.”

Aufklärung

Eine ganze Menge Informationen sind bei der „Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung” zu bekommen. Auf der Startseite (www.bzga.de). Hier gibt es Broschüren und viele weitere Links zu anderen Seiten. Aber auch das Jugendamt der Stadt hilft weiter.

Mehr zum Thema: 

Gerhard Klinkhardt

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Kommentare
01.12.2008
16:16
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #44

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.12.2008
16:14
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #43

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.11.2008
09:39
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von Pyrinja | #42

Wenn Nacktsein was schlimmes wäre, würden wir alle im Rollkragenpullover zur Welt kommen.

Wegen Nacktsein so einen Aufriss zu machen ist schlicht und ergreifend peinlich.

Spielen Kinder Sexscenen nach, sollten sich die eigenen Eltern an die Nase fassen und über IHR Verhalten nachdenken.

Kinder laufen nunmal gerne nackt rum und es ist eine Phase, irgendwann ist es ihnen selber nämlich peinlich, ganz normale Entwicklung.

Wenn ich von Mitgefühl gegenüber der Betroffenen Eltern lese muss ich mich auskippen vor Lachen, wer oder was ist denn Ernsthaft zu Schaden gekommen, wenn ein Kind nackig rumläuft? So wie die Situation dargestellt wird wurde doch kein Kind gegen seinen Willen entkleidet und zum mitspielen gezwungen.

Leute, es gibt doch genug wirkliche Probleme in der Welt.

26.11.2008
21:48
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von mwalsum | #41

Mitgefühl gegenüber den be-
troffenen Eltern ausdrücken?????????????!!!!!!!!!!!!!!!!!! sorry aber das gefühlt hatten wir (eltern) NICHT!!!!!!!!!!!!

24.11.2008
17:13
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von Mousepad08 | #40

Stellungnahme des Elternrates des städt. Kindergartens Josefstraße

Der Elternrat bedauert, dass er weder durch Eltern, noch durch die Kindergartenleitung von dem „Nacktbereich“ und den Vorgängen dort in Kenntnis gesetzt wurde. Dadurch war ihm ein Handeln nicht möglich. Ferner möchten wir unser Mitgefühl gegenüber den be-
troffenen Eltern ausdrücken.

Im Interesse der Kinder befürwortet der Elternrat den Erhalt des Kindergartens. Unser
Kindergarten ist ein anerkannter Bewegungskindergarten. Der einzige Kindergarten in
Walsum mit einem offenen Konzept, Vollwerternährung und ständig offenem Außenbe-
reich. Zu erwähnen ist auch das Bistro, in dem die Kinder frühstücken oder sich das Essen
selber zubereiten können, die Waldprojektwoche und die vielen Ausflüge der Maxikinder
(Feuerwehr, Polizei, Bäckerei, Imker, usw.) . Für 120 Kinder sind in Walsum sicher auch
nicht ausreichend andere Kindergartenplätze vorhanden.

Wir bedauern, dass das Jugendamt aufgrund der z. Zt. geringen Anzahl von Kindern
eine Schließung des Kindergartens in Erwägung zieht.

Der Elternrat möchte, dass die Mitarbeiter, gegen die kriminalpolizeiliche Ermittlungen
laufen, beurlaubt werden, bis diese Vorwürfe geklärt sind. Wir erhoffen uns von dieser
Maßnahme, dass auch die Kinder, die z. Zt. nicht in den Kindergarten gebracht werden,
den Kindergarten wieder besuchen werden.

Der Elternrat sieht einen großen Vertrauensverlust bei den Eltern. Der Elternrat wünscht eine lückenlose Aufarbeitung der Vorfälle mit Eltern, Personal und Jugendamt.

Wir fordern für die Zukunft die Pflicht die Elternräte zu informieren und ein Mitsprache-
Recht auch in pädagogischen Fragen.

Der Elternrat distanziert sich hiermit ausdrücklich von jeglicher Nationalitätendiskussion.

Der Elternrat

24.11.2008
09:56
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von EtienneDubois | #39

Man kann sich über alles aufregen, so man will! Wenn die Kinder nicht gerade bei Schnee nackig rumrennen, dient das der Abhärtung. Ehrlich gesagt, alle Menschen sind unter der Kleidung nackt, ob das den Eltern gefällt oder nicht. Ein Sturm im Wasserglas.

22.11.2008
16:08
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von Sonne1981 | #38

@duisserner
Nein mein Kind hat jetzt keine Störungen/die betroffenen denke ich auch nicht!
-wollte nur auf dei Tatsache aufmerksam machen das es um mehr geht!
-wird im Beitrag ja nicht erwähnt,was ich auch gut finde! HIER bei den Beiträgen und unter denb Eltern ist genug Aufregung!
>>>Und ich bin der Meinung das sogenate Doctorspiele im KiGa nichts zu suchen haben!
°°°° & das OHNE ABSPRACHE mit den Eltern°°°°

22.11.2008
16:03
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von TerroreV | #37

Das ist die westliche Kultur mit ihren Erziehungsmethoden..

22.11.2008
15:23
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von miriamlessmann | #36

[Entfernt von Moderator]

22.11.2008
15:04
Nackt im Kindergarten: Jetzt Elternboykott
von fragender | #35

Wen ich das alles hier so lese stelle ich mir als Vater von demnächst kindergartenfähigen und schulpflichtigen Kindern doch ein paar Fragen:

Wenn knapp 70% aller Kinder nicht mehr in die Einrichtung gehen, sind alle 70% muslimisch ?

Hier wird immer wortreich beklagt, dass MigrantInnen ihre Kinder nicht in den Kindergarten schicken, sich sonst nicht kümmern und überhaupt. Jetzt erfolgt Engagement, welches den Sozialprofessionellen nicht passt und man rückt die Migranten sofort in die Hisbollah Ecke. Warum ?

Warum passiert so etwas nicht im Süden, in Rahm oder Serm ? Wenn es dort einen ähnlichen Vorfall gegeben hätte, was wäre dort los ?

Herrscht in allen öffentlichen Einrichtungen ein derartiges Informationsdefizit ?

Soll ich meine Kinder mit erheblichem Mehraufwand (finanziell und auch sonst) direkt in eine private Einrichtung anmelden, wo ich dank üppiger Zahlung mich mit keiner Behörde sondern direkt mit den Verantwortlichen auseinandersetzen kann ?

Soll ich nicht einfach, wie soviele andere Familien auch und im Hinblick auf die Zukunft meiner Kinder, ganz einfach die Stadt verlassen und mich am linken Niederrhein in einer intakten Umgebung mit fähigem Aufsichtspersonal niederlassen ?

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