Marxloher Schreiner fertigte vor 111 Jahren die Rathaustür

Familie Haverkamp (in der vorderen Reihe) mit den Angestellten der Schreinerei.
Familie Haverkamp (in der vorderen Reihe) mit den Angestellten der Schreinerei.
Foto: Haverkamp
Was wir bereits wissen
Wilhelm Haverkamp war ein Meister seines Fachs: er lieferte fürs neue Rathaus in Hamborn die schwere Eingangstür. Seine Enkelin erzählt.

Alt-Hamborn/Marxloh..  111 Jahre alt wird das Hamborner Rathaus an der Duisburger Straße 213 in diesem Sommer. Genauso alt ist die schwere, verzierte Tür des Haupteingangs. „Die hat mein Großvater hergestellt“, sagt die Neudorferin Edith Haverkamp-Hermann (79). Sie erinnerte sich daran, als sie kürzlich einen Bericht über das Rathaus in der Tageszeitung gelesen hatte.

„Mein Großvater, der Schreinermeister Wilhelm Haverkamp, hatte seinen Betrieb an der Warbruckstraße 1.“ Wann er gegründet wurde, das weiß die Seniorin nicht. Sie hat zwar einiges an alten Dokumenten, aber keines, das die Gründung des Unternehmens belegt. Klar ist nur: Die Firma hatte bereits vor 1889 existiert, denn aus der Zeit gibt es Nachweise. Genau nannte sich der Betrieb: Bau- und Möbel-Schreinerei.

Großvater Wilhelm hatte offenbar den richtigen Riecher, als er sich damals in Marxloh niederließ: Zechen und Hütten machten auf, die Bevölkerung wuchs rasant, an allen Ecken und Kanten wurde gebaut. Und somit hatte er alle Hände voll zu tun. Es ging ihm, sagt Edith Haverkamp-Hermann, so gut, dass er sich recht spendabel zeigte: Als ein sehr, sehr frommer Mensch habe er der Kirche ein Grundstück vermacht. Als die Gemeinde dort ein Versammlungshaus errichtete, „spendierte er die gesamte Bestuhlung“, weiß die ehemalige Sekretärin aus alten Unterlagen.

Wilhelm Haverkamp war ein Meister seines Fachs

Dass Ihr Großvater, den sie nie kennengelernt hat, da er relativ früh verstarb, ein wohlhabender Mann war und die schwere Rathaustür geschreinert hatte, erfuhr sie von Verwandten.

Wilhelm Haverkamp war ein wirklicher Meister seines Fachs. Noch heute besitzt seine Enkelin etliche der von ihm hergestellten Möbel. Wunderschöne Schränke, eine Herrenkommode, Nachttischschränkchen, einen Stuhl, wie die Miniaturausgabe eines Königssitzes. „Das ist noch echte Wertarbeit“, sagt die Neudorferin stolz. „Da wurde kein einziger Nagel verwendet. Alle Teile sind gezapft und verleimt.“ Und so sehen die Möbel aus, als wären sie gerade fertiggestellt worden. Echte Schmuckstücke.

Sogar ein Ehebett mit reich verziertem Kopfteil existiert noch. Als Edith Haverkamp-Hermann nach dem Tod ihres Mannes in eine kleinere Wohnung zog, musste sie sich davon trennen. Einen Abnehmer musste sie nicht lange suchen: Die Verwandtschaft griff sofort zu.

Der 119. Kunde der damaligen Telefongesellschaft

Das alte Haus mit der Werkstatt an der Ecke Warbruck-/Weseler Straße existiert heute nicht mehr. Wann der Betrieb geschlossen wurde? Auch das kann die Enkelin nicht sagen. Sie hat zwar einige Briefe und andere Unterlagen, aber daraus ist nichts Derartiges zu entnehmen.

Der Briefkopf des Unternehmens aus dem Jahr 1915 verrät noch etwas: Wilhelm Haverkamp war der 119. Kunde der Telefongesellschaft in der noch jungen Großstadt Hamborn: Deshalb war er unter genau dieser Rufnummer am Draht erreichbar.

Großvater Johannes fuhr im Vierspänner durch Hamborn

Nicht nur die Haverkamps waren angesehene Bürger in Hamborn, das 1911 Großstadt geworden war. Auch die Mutter von Edith Haverkamp-Hermann stammte aus einer recht wohlhabenden Familie.

Dieser Großvater, Johannes Hille, besaß eine Dachdeckerei, ebenfalls an der Warbruckstraße. Da das Baugeschäft damals florierte, spielte Geld in ihrer Familie keine große Rolle. „Mein Großvater verdiente so viel, dass er mit einem Vierspänner durch Hamborn fuhr“, weiß sie von der Verwandtschaft.

Der Handwerker deckte die Dächer zahlreicher Häuser, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hamborn und Marxloh wie Pilze aus dem Boden schossen, um Wohnraum für die vielen, vielen Menschen zu schaffen, die wegen der Arbeit in der Stahlindustrie und auf dem Pütt in diese Stadt drängten.

„Mein Großvater hatte bald soviel Geld gemacht“, so die Enkelin, „dass er sich mit gerade mal 50 Jahren schon zur Ruhe setzen und den Betrieb an den Sohn Karl übergeben konnte“.