Manfred Kleinrahm berichet über dunkle Zeiten in Duisburg

Manfred Kleinrahm berichtet Schülern am Sophie-Scholl-Berufskolleg in Duisburg-Hamborn über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg.
Manfred Kleinrahm berichtet Schülern am Sophie-Scholl-Berufskolleg in Duisburg-Hamborn über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Manfred Kleinrahm berichtet als Zeitzeuge am Sophie-Scholl-Berufskolleg von persönlichen Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs.

Marxloh..  Die Möglichkeit, mit einem Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs zu sprechen, bietet sich nicht alle Tage. Entsprechend gespannt und aufmerksam waren einige Schüler des Sophie-Scholl-Berufskollegs in Marxloh, als Manfred Kleinrahm ihnen von seinen Erlebnissen erzählte.

Der 87-jährige Mitbegründer der Duisburger Zeitzeugenbörse, der als Junge selbst das Gebäude an der Dahlmannstraße als Schüler besuchte, hielt ganz persönliche Erlebnisse aus seiner Kindheit sowie viel Wissenswertes über Nazi-Deutschland für die interessierten Jugendliche der Erzieher-Klasse bereit.

Schüler lauschten fasziniert den Schilderungen

Ganz still und fasziniert saßen die 20 Schüler an ihren Tischen und lauschten Kleinrahm, der viele Bilder aus seiner Jugend mitgebracht hatte. Vor allem die Vergleiche Kleinrahms von seiner Schulzeit mit der heutigen Zeit ließ die jungen Erwachsenen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren ungläubig mit dem Kopf schütteln.

Daran, dass jede Unterrichtsstunde mit dem Hitler-Gruß begann, erinnert sich Kleinrahm noch bestens. „Wir kannten es nicht anders. Es gehörte einfach dazu. Wir wussten ja nichts über den Nationalsozialismus und die ganzen damit verbundenen Verbrechen“, so der Röttgersbacher. Ein weiteres Detail aus dem früheren Unterricht sorgte für Entsetzen unter den Zuhörern: Die „körperliche Züchtigung“. „Mädchen wurde an den Ohren gezogen, bis sie bluteten und Jungs wurden mit Stockschlägen malträtiert“, erinnert sich Kleinrahm. Eine Schülerin legte erschrocken die Hände vors Gesicht: „Das ist heftig. Hätte ich nicht gedacht“, flüsterte sie ihrer Sitznachbarin vor. Diese erwiderte: „Stell dir mal vor, das wäre heute auch noch so.“

Grausige Unterrichtsmethoden

Obwohl die Schüler schon einiges über den Zweiten Weltkrieg im Unterricht gelernt, gelesen oder im TV gesehen haben – das persönliche Gespräch mit einem, der vieles davon selbst erlebt hat, ist etwas ganz anderes. Genau deshalb hat es sich Kleinrahm zur Aufgabe gemacht, Schülern ausgiebig von früher zu erzählen. „Ich denke nicht, dass wir solche Dinge für uns behalten sollten. Es gibt so vieles, das an die nächsten Generationen weitergegeben werden muss. Und diese schreckliche Zeit gehört dazu.“

Nicht nur von grausigen Unterrichtsmethoden, auch von den düsteren Tagen des Kriegs berichtete Kleinrahm. „Ich sehe noch vor mir, wie die Synagogen in Duisburg brannten. Und ich als kleiner Bub dachte nur: Wieso brennen die so ein schönes Haus ab.“ Ebenso lebendig erzählte er von den Bomben, die auf Duisburg fielen. „Das kann man sich nicht mehr vorstellen. Man war nirgends sicher.“

Fragerunde zum Abschluss

Schließlich bekamen die Jugendlichen die Chance, Kleinrahm, der auf Grund seines Jahrgangs nicht an die Front musste, Fragen zu stellen. Er hatte ausdrücklich darum gebeten: „Ich will nicht nur ein Opa sein, der hier erzählt, sondern auch individuelle Fragen beantworten.“ Und so erzählte er auf Wunsch von der Hitler-Jugend und von seinem Dienst als Luftwaffenhelfer.