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Kaum Streit in Sicht

12.08.2008 | 16:37 Uhr

Änderung in der Verfahrensweise raubt den Schiedsleuten die Streitigkeiten. Schiedsmänner Erich Fischer und Dieter Feldkamp wurden für ihr langjähriges Engagement ausgezeichnet

Die Schiedsleute haben ein Problem: der Streit wird nicht weniger und dennoch haben sie weniger zu tun. Früher waren die Schiedsleute eine reiche Quelle an Dönekes und Erzählungen aus dem Leben.

Klar, diese Schwänke aus dem Leben eines Streitschlichters gibt es immer noch. Erich Fischer zum Beispiel, der gestern nach 22 Jahren sein Amt zur Verfügung stellte und dafür vom Leiter des Amtsgerichts Hamborn, Ernst-Walter Paulußen, geehrt wurde. In seiner langen Praxis kamen anfangs auch viele Türken zu ihm. In einem Fall verlangte er dass der Streithahn versprach, künftig netter zu sein. Der war dazu nur allzu gerne bereit. Sogar schwören wolle er. Fischer, ein cleverer Marxloher, hatte sogar einen Koran griffbereit und verlangte einen Friedensschwur auf das heilige Buch der Moslems. Kein Problem. Aber wenig erfolgreich. Fischer: "Eine Woche später gab es eine noch viel heftigere Klopperei und noch dazu in der Moschee."

Die Streitigkeiten, die so ein bisschen an Königlich-Bayrisches Amtsgericht erinnern, sind aber weitestgehend Vergangenheit. Seit im Jahr 2002 die Polizeibeamten angewiesen sind, Anzeigen aufzunehmen und an die Staatsanwaltschaft weiterzureichen, ist die Zahl der Schiedsfälle drastisch zurückgegangen.

Ernst-Walter Paulußen, Direktor des Amtsgerichts Hamborn verwies auf Prozeßkostenhilfe und Rechtsschutzversicherungen, die den Gang zum Schiedsmann aus Sicht der Streitenden überflüssig machten. Dieser Weg sei nämlich kostenlos. Wenn dann nach sechs Monaten die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Geringfügigkeit einstelle, würde keiner mehr zum Schiedsmann gehen. Denn hier sind noch einmal unter Umständen 50 Euro Gebühren fällig. Paulußen schätzt Schiedsleute. Denn hier geht es schnell und der Rechtssuchende hätte eher eine Genugtuung: "Dann müsste sich der Gegner noch einmal damit beschäftigen."

Für Dieter Feldkamp, der für zehn Jahre Schiedsmannstätigkeit geehrt wurde, ist die Streitschlichterei auch auf niedrigerem Niveau angekommen. Der langjährige Betriebsratsvorsitzende und ehrenamtliche Richter am Arbeitsgericht wünscht sich mehr Hilfesuchende, um auch in der Praxis zu bleiben. Heinrich Jansen, Leiter des städtischen Rechtsamtes, sieht ebenfalls die Gefahr, dass die Schiedsleute durch zu wenig Fälle ihre Routine verlieren. Paulußen ist das skeptisch und hat wenig Hoffnung: "Ich seh da keinen Weg mehr zurück."

Wer Hilfe bei Schiedsleuten sucht, kann den noch mal zum Gespräch zwingen. Der Weg über die Anzeige ist da weniger befriedigend: Klagen werden fast immer von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Andererseits: Die Stadt sucht noch Schiedsleute, Männer und Frauen. Im Amtsgerichtsbezirk Hamborn sind derzeit zwei von sechs Bezirken nicht besetzt. Interessenten könnten sich bei der Stadt melden. GK

Von Gerhard Klinkhardt

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