Journalist plauderte in Duisburg aus dem Vatikan-Nähkästchen

Andreas Englisch.
Andreas Englisch.
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Was wir bereits wissen
Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) hatte eingeladen. Gastredner Andreas Englisch berichtete von seinen Erlebnissen.

Obermarxloh..  Mit den Worten „die Augen und Ohren katholischer Christen sind gespannt nach Rom gerichtet, weil sie im Vatikan eine veränderte Atmosphäre spüren“, hat Pater Thomas die Menschen in der St.-Norbert-Kirche begrüßt. Das Gotteshaus war voll besetzt, die Augen und Ohren der Besucher gehörten ganz dem Gastredner Andreas Englisch.

Zeichen der Hoffnung

Der Journalist und Buchautor war bis 2010 der Vatikan-Korrespondent der Bildzeitung und lebt seit 1987 in Rom. Auf Einladung der KAB sprach er zum Thema: „Franziskus - Zeichen der Hoffnung.“ Englisch hat die Päpste auf ihren Reisen begleitet und schöpft aus einem großen anekdotischen Vorrat. Und man möchte ihm einfach glauben, er erzählt so schön und so lebendig.

Die Zuhörer erfahren, dass Pius XI in seinem ersten Automobil aus protokollarischen Gründen nicht mit seinem Fahrer sprach und daher einen Drehknopf hatte, mit dem er „rechts“, „links“ und „nach Hause“ signalisieren konnte. Ach ja, apropos Knopf, Paul VI war so schüchtern, dass er bei allzu gesprächigen Besuchern ein verborgenes Köpfchen drückte, um seinen Sekretär zu Hilfe zu rufen, der den Heiligen Vater dann befreite.

Johannes Paul II hatte diesen Knopf nicht nötig. Englisch weiß über seinen erklärten Lieblingspapst zu erzählen, dass er sich beim Fußballspielen mit den Kindern in Castel Gandolfo dreckig machte, während doch drinnen eine Königin auf Audienz wartete. Und dass er gerne Polnisch sprach, um den Kardinalstaatssekretär Casaroli zu ärgern, der dann nur noch Bahnhof verstanden habe. In Casarolis Nachlass habe man eine Menge Polnisch-Lehrbücher entdeckt, sagt Englisch schmunzelnd.

Benedikt kommt nicht so gut weg wie sein Vorgänger. Zu intellektuell, zu wenig volksnah fand der Journalist den deutschen Papst. Und kommt auf die Show von Johannes B. Kerner zu sprechen, wo der Bruder des frisch Gewählten beklagte, dass eine Romreise für ihn zu teuer sei und er nicht glaube, dass sein Bruder ihm im Vatikan ein Zimmer besorgen könne. Das Interview wurde durch anhaltendes Telefongeklingel gestört. Das sei Benedikt gewesen, der wollte seinem Bruder sagen: „Halt die Klappe“. So, oder so ähnlich habe es Kerner erzählt.

Und Franziskus? In früheren Interviews hat Englisch gesagt, dass Franziskus sehr konservative Positionen vertrete und man von ihm keine großen Veränderungen erwarten dürfe. Aber inzwischen ist er überzeugt davon: „Dieser Papst bringt die Revolution von oben!“ Als Beleg hat er jedoch wenig mehr als den bekannten Prunkverzicht des asketischen Jesuiten zu bieten. „Das päpstliche Apartment hat 14 Vorzimmer, aber Franziskus empfängt lieber in seinem 23 Quadratmeterzimmer im Gästehaus“, sagt Englisch, „da hat er auch mit Tebartz- van Elst gesprochen.“