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Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister

28.01.2013 | 17:25 Uhr
Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister
Abgewiesen wurde Walsums Bezirksbürgermeister Heinz Plückelmann, als er den 18-jährigen Frank zum Jobcenter begleitete.Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Der Walsumer Bezirksbürgermeister Heinz Plückelmann will einem jungen Mann helfen, der seit sechs Monaten praktisch mittellos ist. Die Art, wie der 18-Jährige vom Duisburger Jobcenter behandelt und abgefertigt wurde, erschreckte den SPD-Politiker.

Heinz Plückelmann sitzt in der Redaktion an der Weseler Straße, führt mit zitternder Hand seine Teetasse zum Mund und ringt vergeblich um Fassung: „Wie dort beim Jobcenter mit Menschen umgegangen wird – unfassbar, einfach unfassbar.“

Gemeinsam mit dem sichtlich erschütterten Walsumer Bezirksbürgermeister in die Redaktion gekommen ist der Walsumer Frank (18 Jahre/Name geändert und der Redaktion bekannt), ein magerer, schüchterner junger Mann mit wachem, intelligenten Blick.

Mutter will zu Sohn keinen Kontakt

Weil er mit seinem Stiefvater nicht klar gekommen sei, habe seine Mutter Frank im August 2012 aus dem Haus geworfen, sagt Frank. Bis heute wolle die Frau mit ihrem Sohn nichts mehr zu tun haben. Frank, ein sozial engagierter Junge mit Hauptschulabschluss – er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr und Mitglied eines Spielmanns-Orchesters – kam zuerst bei einem Feuerwehr-Kameraden unter. Mit Hilfe eines Marxloher Sozialarbeiters erwirkte Frank, der sich nichts sehnlicher wünscht als einen vollen Kühlschrank und einen Ausbildungsplatz , am 4. Oktober 2012 einen Bewilligungsbescheid der Arge für ei­ne Wohnung. „Nach seinem Einzug hat das Jobcenter keine einzige Miete bezahlt, ihm droht der Rauswurf“, sagt Plückelmann, dem Frank im Zuge eines Karnevalstermins im Walsumer Rathaus vorgestellt wurde.

Kommentar

Welche Bedürfnisse und Chancen hat ein junger Mann wie der Walsumer Frank, wenn er – wie in diesem Fall geschehen – von der eigenen Mutter vor die Tür gesetzt wird?

Seit Oktober, sagt Frank, gehe er praktisch jeden Tag zum Hamborner Jobcenter. Wenn er überhaupt an die Reihe käme, werde er mit Terminen in 14 Tagen oder drei Wochen abgespeist, die dann wieder verschoben würden: „Ich bekomme zwar mittlerweile mein Kindergeld, 185 Euro im Monat, aber davon kann ich auch nicht überleben.“

Plückelmann setzte sich mit Frank zusammen, prüfte nach, ob Frank über alle Anträge verfügt, die er beim Jobcenter vorlegen muss, um endlich Geld zum Leben zu beziehen. „Nicht Leben“, sagt Plückelmann zornig, „ums Überleben geht es bei dem Jungen.“ Am Montag ging Plückelmann gemeinsam mit Frank frühmorgens zum Jobcenter: „Weil ich nicht glauben wollte, dass die ihn einfach weg schicken.“ Doch genau dies passierte: „Wir kamen nicht mal an der Pforte vorbei. Da sagte man dem Jungen und mir, wir sollten am 6. Februar wieder kommen.“ Das Argument, der Junge habe aber nichts zu essen und sei ein Härtefall, habe man im Jobcenter einfach überhört, sagt Plückelmann.

Er werde dem Jungen nach Kräften weiter helfen, sagt Plückelmann: „Es ist nur beschämend, zu sehen, dass die, die Frank von Amts wegen helfen müssen, das offensichtlich gar nicht tun.“

Christian Balke



Kommentare
02.10.2013
13:51
Und jetzt 2v2
von Habakuk63 | #135

Wir haben es zugelassen, dass notwendige weitere Reformen NICHT umgesetzt und teilweise nicht BEGONNEN werden.
1. Wir werden immer älter (ich bin einer davon) und tun so, als ob es diese demografische Entwicklung mit der daraus resultierenden BELASTUNG für die Rentenkassen nicht gibt.
2. Wir weigern uns das System der Krankenkassen zu ändern. Ca. 250 gesetzliche Krankenkassen, die zu 95% identische (weil gesetzlich vorgeschrieben) Leistungen erbringen. Jede dieser Kassen hat einen umfangreichen Vorstand mit Fürstenhof, die alle nicht ehrenamtlich arbeiten.
3. Wir leisten uns ein Beamtentum, dessen Ursprung in der Unabhängigkeit vom jeweiligen Landesherrn und der Treue zu seinem obersten Dienstherrn lag. Aktuell und seit mindestens 40 Jahren gibt es die Notwendigkeit für dieses unser Beamtentum nicht mehr, nur ändern wollen wir es nicht. Hier liegt großer sozialer und wirtschaftlich / politischer Sprengstoff.
4. Wir tun alles, damit Kinder ein Bündel von Risiken für die Eltern werden

02.10.2013
13:35
Und Jetzt? 1v2
von Habakuk63 | #134

Mich würde interessieren, was in diesem Fall unternommen wurde und mit welchem Ergebnis. Wie geht es diesen Menschen heute? Wie ist ihre Lage, ihre Situation?

Ganz allgemein glaube ich, dass die Agenda 2010 der richtige Schritt war aber leider das Augenmaß verloren ging. Es hilft nicht die Menschen in schwierigen Lebenslagen zum Kunden umzubenennen und ansonsten wenig Aktivität zu entwickeln. Ich glaube auch, dass nur die Umsetzung der Agenda 2010 und die Ausweitung der Kurzarbeiter-Regelungen Deutschland vor einem kompletten wirtschaftlichen Absturz bewahrt haben. Hierfür haben wir von den europäischen Nachbarn viel Bewunderung erhalten. Leider sind keine weiteren Reformen und ich meine nicht Kürzungen umgesetzt worden. Wir, die wir in Deutschland gutes Geld verdienen und wirtschaftlich abgesichert sind, haben uns einseitig mit Kürzungen der Leistungen bei Bedürftigen Menschen zufriedengegeben aber leider nicht an den anderen notwendigen Stellschrauben gedreht.

14.02.2013
07:18
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #133

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02.02.2013
19:37
Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister
von altwissen | #132

die mitteilung vom politbüro an die basis ist endlich auf der untersten stufe im parteiengeflecht direkt vor der basis angekommen. aber noch nicht bei der basis selbst. hartz IV ist ******** und die damit verbundene sanktionspraxis auch. also erst beim unterbezirk. und der hat noch unlängst (fast ganzseitig abgebildet auf den seiten der nrz) dem feldherrn blutzoll geschworen und auf ihr schild gehoben, dass der peer es schon richten wird. der gleiche peer der mit schröder das gesetz durchgebracht hat. tolle sozialdemurxetie!

31.01.2013
10:10
Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister
von nolkyimPott | #131

Viele dieser Missstände sind lange bekannt. Oder warum heisst es
heute nicht mehr Arbeitsamt sondern Jobcenter. Oder warum ist man
dort als Hilfesuchender ein "Kunde".
Es ist eine Entstaatlichung, eine Abweisung von Verantwortung dem
Bürger gegenüber eingetreten. Eigentlich können die Verantwortlichen
mit uns machen was sie wollen. Sorry, es gibt ja keine Verantwortlichen
mehr. Politiker erhalten sich genauso. Sie übernehmen keinerlei Verantwortung für
den Mist, den Sie eigentlich zu verantworten haben.

30.01.2013
19:21
@ 987654 | #128
von AuroraBorealis | #130

"Hat EINER, nur ein EINZIGER eine Ahnung worum es dem Jungen geht?"

Haben SIE (!) denn Ahnung, worum es dem Jungen geht?!

Schön für Sie, wenn Sie offenbar nur positiv über das für Sie zuständige JC zu berichten vermögen.
Aber die überwältigende Mehrheit hier berichtet unisono wie es dem Tenor des obigen Berichts zu entnehmen ist, nämlich ausschließlich negativ über die Erfahrungen mit den Jobcentern.
Daher ist sind die diesbzgl. Erfahrungsberichte auch in keinster Weise, wie Sie allerdings schreiben, als "anmaßend" zu werten.
Ganz im Gegenteil!
Diese Erfahrungsberichte sollte endlich einen bundesweiten und dauerhaften Sturm der Entrüstung über den Umgang der Jobcenter mit ihren "Kunden" in Gang setzen!
Verniedlichungen, wie Sie sie hier vornehmen möchten, sind von der Realität längst überholt!

1 Antwort
Ja, es braucht eine "Verbraucherberatung" für vom Jobcenter betrogene, belogene
von nachdenken | #130-1

und schikanierte sowie ausgenommene "Kunden!

30.01.2013
19:04
@ Morgens_Fango_Abends_Tango | #120
von AuroraBorealis | #129

"Der/ Die Mitarbeit/in hält sich doch auch nur an die Anweisungen von ganz oben."

Die Verbrecher des Naziregimes und die DDR-Mauerschützen haben sich "doch auch nur an die Anweisungen von ganz oben" gehalten.
Ist damit das ausgeübte Unrecht entschuldbar?
Niemals! Bei allen Drei nicht!

1 Antwort
Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister
von HolPa | #129-1

absolut korrekter Beitrag.....

30.01.2013
18:23
Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister
von 987654 | #128

Hat EINER, nur ein EINZIGER eine Ahnung worum es dem Jungen geht? Was er möchte? & warum es nicht funktioniert?
Ob er eventuell Unterlagen einreichen muss oder es rechhtliche Grundlagen gibt, die besagen, dass er nicht berechtigt ist Hartz IV zu beziehen????
Ich hab schon eigene Erfahrungen mit dem jobcenter in Hamborn gemacht und da bin ich immer an die Reihe gekommen. Wenn man sich anstellt, kommt man automatisch dran und das viel schneller als so manche denken.
Ich finde es einfach anmaßend zu glauben man könne gegen das Amt oder die Mitarbeiter loshetzen, ohne Hintergrundwissen darüber zu haben. Denn das haben wir nicht und sind somit nicht berechtigt hierüber urteilen zu können. Und dass der liebe Herr Plückelmann zitternd diese Geschichte erzählt glaube ich ebenfalls nicht...

30.01.2013
18:07
Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister
von HolPa | #127

guckt mal den Bericht auf Radio Duisburg...Ordnungsamt sucht Nachwuchs...wär doch was für unseren Sorgenfall...ich ruf da morgen auch an, mal gucken, ob Hr.Link sich weiterhin projekt-technisch freut....(Radio Duisburg-Lokalnachrichten)

30.01.2013
14:42
Jobcenter-Visite in Duisburg erschütterte Bezirks-Bürgermeister
von Jean_Fairtique | #126

20 Jahre Bürgermeister,
10 Jahre Hartz IV,
Jetzt kapiert!
Politiker halt...

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