In Duisburg-Marxloh fehlen viele Kindergartenplätze

Hier entsteht ein neuer Kindergarten Im Holtkamp.
Hier entsteht ein neuer Kindergarten Im Holtkamp.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Marxloh ist der Stadtteil im Bezirk Hamborn, der die wenigsten Kindergartenplätze hat. Aber: Auch die Nachfrage ist die geringste.

Hamborn..  Marxloh ist im Stadtbezirk Hamborn der Stadtteil, dessen Bevölkerung am meisten Unterstützung benötigt. Ausgerechnet dort werden die wenigsten Kindergartenplätze angeboten.

Aber wesentlich mehr Plätze werden offenbar von den Bewohnern auch nicht nachgefragt. Das alles führte Sebastian Haak, den SPD-Sprecher in der Bezirksvertretung Hamborn, jetzt dazu, von einem „ziemlichen Skandal“ zu sprechen.

In der Bezirksvertretung ging es im Grunde nur um eine Formalie, um die ab Sommer benötigten Kindergartenplätze. Und es ging um ihre Bedarfsanmeldung beim Familienministerium in Düsseldorf. Aber die Art und Weise, wie das geschah, rief jetzt die Kritik der drei politischen Partner SPD und Linke/Grüne in der Bezirksvertretung Hamborn hervor.

Jedem Kind steht nach dem Gesetz ein Kita-Platz zu. In der Praxis gilt das bei einer Quote von 95 Prozent als erfüllt. Im Stadtbezirk Hamborn wird ab 1. August jedoch nur eine Quote von 89,3 Prozent erreicht - die niedrigste aller sieben Duisburger Bezirke. Und hier ist vor allem Marxloh schwach versorgt. Die Quote beträgt dort gerade einmal 59,7 Prozent. Und das auch nur, weil die in Röttgersbach entstehende Kita Im Holtkamp/Kopernikusstraße phantasiereich vom Jugendamt Marxloh zugeschlagen wurde.

Zwei entschieden vorab alleine

„Das ist eine Bankrotterklärung“, monierte Haak. Vom Jugendamt forderte er eine Darlegung, wie es die Familien der vielen Zuwanderer in Marxloh davon überzeugen will, dass eine Betreuung in der Kita der erste wichtige Schritt zur Integration ist. Das wurde mit einem einstimmig verabschiedeten Antrag untermauert.

Herbert Fürmann (Linke) dagegen sah den Rat und die Bezirksvertretung ihrer Rechte beraubt. Für die Anmeldung der Plätze ist ein Ratsbeschluss nötig. Meldefrist in Düsseldorf war der 15. März. Erst Anfang März trudelten jedoch die letzten Bedarfszahlen einzelner Kitas beim Jugendamt ein. Und da der Rat der Stadt erst am 27. April nach Sitzungsplan wieder tagen sollte, gaben OB Sören Link und CDU-Ratsherr Peter Ibe die Bedarfsanmeldung kurzerhand per Eilentscheid als „Fall äußerster Dringlichkeit“ ab. Sie entschieden damit an Stelle des 84-köpfigen Stadtrates unter dem Vorbehalt, dass der ihre Entscheidung am 27. April genehmigen würde.

Herbert Fürmann dagegen beklagte diese Art der Entscheidungsfindung. Denn damit wurde auch die gesetzlich vorgeschriebene vorherige Anhörung der Bezirksvertretung umgangen. SPD-Ratsfrau Martina Herrmann gab zu bedenken, die Verwaltung habe eben nur 14 Tage Zeit gehabt.