Humor ist keine Wissenschaft

Vince Ebert präsentierte in Meiderich sein Programm „Evolution“. Hier eine Aufnahme von Eberts Auftritt in Voerde im Februar.Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services
Vince Ebert präsentierte in Meiderich sein Programm „Evolution“. Hier eine Aufnahme von Eberts Auftritt in Voerde im Februar.Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Vince Ebert präsentierte mit „Evolution“ an der Meidericher Kleinkunstbühne vor (fast) vollem Haus einen Mix aus wissenschaftlichen Kuriositäten und Humoristik.

Meiderich..  Fans von Bildschirmen, die auf Berührung reagieren, sogenannten „Touchscreens“, blickten am Donnerstagabend ganz neidisch auf die Bühne im Meidericher Centrum Westende.

Der große Onkel aller Smartphones – Vince Ebert hatte ihn neben sich auf der Bühne postiert und setzte die moderne Präsentationstechnik vortrefflich für die eigenen Zwecke ein.

Der studierte Physiker – man bekommt es im Programm mindestens 25, 30 mal zu hören, was der Mann irgendwann mal studiert hat – und ehemalige Unternehmensberater erklärt den Gästen auf der spiegelnden Glasscheibe die Geschichte der Welt.

„Warum ist der Mensch und nicht die Kakerlake am Drücker“, fragt der gebürtige Odenwälder, der in Frankfurt am Main lebt, ins gespannte Plenum. Anpassungsfähig sei der Mensch, bindungsfähig auch. Zumindest wenn – wie bei Ebert und dessen an diesem Abend vielzitierter Gattin – ein gemeinsamer Sinn für Humor besteht.

Ebert erklärt dem staunenden Publikum, dass das größte Landlebewesen kein Elefant ist, sondern ein Pilz, der sich in der Natur über Quadratkilometer erstreckt. Vor dem Urknall, der unsere Galaxie erschaffen habe, sagt Ebert, sei es im riesigen schwarzen Nichts, ohne jegliche Materie, zugegangen wie im heimischen Odenwald: „Wenn sich nix tut, wenn alles stehen bleibt, vergeht keine Zeit.“

Dann erklärt der Physiker – hatte ich das schon erwähnt? – wie klein der Mensch doch eigentlich ist, in Anbetracht der Milliarden Sterne, die im Universum in Lichtjahre entfernten Galaxien umherschwirren.

Ebert arbeitet sich ausführlich ab am kirchlichen Schöpfungsgedanken, verteilt kleine Seitenhiebe auf den Islam.

Ebert bringt das ansonsten stets temperamentvolle Meidericher Publikum zum ersten Mal so richtig in Stimmung, als er von seinen ganz persönlichen Lieblingstieren erzählt. Der süße Panda? „Ein kleiner Schnösel!“

Weil er in der Evolution so überflüssig sei wie ein Kropf. Überflüssig, dass chinesische Zoowärter ihn mangels Interesse zur Paarung drängten. Der Löwe? „Löwen sind A...öcher!“, sagt Ebert, „miese kleine Trittbrettfahrer, die den süßen Hyänen das Fressen wegschnappen.“

Süß, sagt Ebert, ja, süß seien die putzigen Hyänen – und das Publikum wiehert wie ein Rudel Wildpferde – denn sie seien die fürsorglichsten Tierchen unter der Sonne Afrikas.

Ebert spricht darüber, wie der Mensch gelernt habe, Mitgefühl für andere Wesen zu entwickeln, spricht darüber, wie das Kochen im Laufe der Jahrmillionen das Gehirn der Menschen vergrößert habe und spricht über die Probleme, die – ach, ja – Physiker mit Frauen haben.

Zum Abschluss des Programms wird Ebert mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Es bleibt jedoch der Eindruck, dass er sich an diesem Abend mehr dem Hirn und nicht den Herzen des empathischen Meidericher Publikums angenähert hat.

Humor ist eben keine Wissenschaft.