Herbstzeit der Träume
22.09.2008 | 17:51 Uhr 2008-09-22T17:51:00+0200Von Gerhard Klinkhardt
„Wir sehen das positiv”, sagt Marion Borth, „wer weiß, wozu das gut ist.” Aber so recht mag man ihr den so leicht dahin gesagten Satz nicht abnehmen. Kein Wunder: Nach harten Jahren des Aufbaus, des Existenzkampfs, haben Marion Borth und Monika Burau den Kampf aufgegeben. In ein paar Tagen ist Schluss an der Heerstraße. Dann muss der Betrieb besenrein an die Eigentümerin übergeben werden. Jetzt geben sich die Leute die Klinke in die Hand, die die Schilder gesehen haben: „Räumungsverkauf”. Die beiden Power-Frauen hatten vor dreieinhalb Jahren ihr Schicksal selbst in die Hand genommen, als die Gartencenter-Kette Pötschke und damit auch die Filiale an der Heerstraße in Walsum zahlungsunfähig wurde. Ihnen drohte der Gang zum Arbeitsamt. Darauf hatten beide keine Lust. Sie wollten selbst was machen, nicht resignieren. „Zwischendurch lief es richtig gut”, sagt Monika Burau, auch wenn es ein Knochenjob war: „80 Stunden in der Woche reichten nicht.” Trotzdem haben sie es gerne getan, haben sich eine Nische erobert, in der sie dachten, gut leben zu können. Viele Stammkunden haben ihnen die Treue gehalten. Aber vor allem die gestiegenen Energiekosten machen ihnen zu schaffen: „Die Leute überlegen, wo sie sparen können.” Es wurde immer weniger in der Kasse. Und es waren auch immer weniger Monate, in denen die Kunden genug kauften. Im Frühjahr kommen die Kunden spärlicher, und im Winter setzt der Andrang auch immer später ein. Während früher nach dem Sommerloch die Umsätze im September meist wieder nach oben gingen, geht es heute erst Ende Oktober und November los. So wurde die Durststrecke immer größer. Bis sie jetzt endgültig kapitulierten. Dass ihnen die Banken außer Werbesprüchen nichts zu bieten hatten und finanzielle Hilfe verweigerten, machte es noch schlimmer. Aber auch in diesem Punkt haben die Frauen ihren optimistischen Blick auf das Elend nicht verloren: „Wer weiß, wozu das gut war.” Und auch sonst sind die beiden durchaus stolz, dass sie nicht bei der Pötschke-Insolvenz resigniert haben: „Wir haben immerhin vier Frauen einen Arbeitsplatz gesichert.” Wie es mit ihnen selbst weitergehen wird, wissen sie noch nicht. Tränen werden jedenfalls keine fließen, behaupten sie. Aber so wahnsinnig glaubwürdig hört sich das nicht an. Marion Borth will erst einmal etwas kürzer treten: „Die geschundenen Knochen ein bisschen schonen.”
15:02
Ähm,
darf man auch erfahren, was die Damen in ihrem Laden verkauft haben?
Gartendcenterzubehör?