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Hamborner Kantor kennt alle Orgeln der Welt

29.12.2012 | 10:00 Uhr
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Hamborner Kantor kennt alle Orgeln der Welt
Kantor Peter Bartetzky kann auf seiner Heimorgel die großen Orgeln dieser Welt (digital) simulieren.Foto: HAYRETTIN ÖZCAN

Duisburg-Hamborn.   Kantor Peter Bartetzky von der Hamborner Abteikirche hat keine normale „Heimorgel“. Er kann Orgelklänge aus aller Welt vom PC herunterladen.

Virtuos gleiten seine Finger über die drei Klaviaturen. Passend dazu wandert er mit den Füßen über die Pedale. Mal erzeugt er langsame, tragende Harmonien, mal hören wir blitzschnelle Variationen. Peter Bar­tetzky, Organist der Hamborner Ab­teikirche, gibt eine Kostprobe seines Könnens. Aber das macht er nicht an der imposanten Pfeifenorgel. Der Kantor hat in sein Haus eingeladen.

Pfeifen nur zur Zierde

Im ausgebauten Dachgeschoss, unweit der Abteikirche gelegen, hat er sich seine private Orgelwelt geschaffen. Ein mächtiger Spieltisch mit drei Klaviaturen und Pedal, davor eine breite Bank, empfängt den Besucher. Echte Orgelpfeifen sind hier Zierde. Dahinter befinden sich Lautsprecherboxen. Eine weitere Box steht seitlich und erzeugt Basstöne, die sich raffiniert im Raum verteilen - wie in der Kirche eben.

Die digitale Orgel, die Bartetzky sich 1992 hat bauen lassen, war damals einzigartig: Es handelte sich um eine Kopie der großen Abteiorgel. 45 verschiedene Klangfarben (Register) hat dieses Instrument, die miteinander kombiniert werden können. Der niederländische Orgelbauer Adrian van der Poel hatte jede einzelne von ihnen in der Kirche aufgenommen und auf den Computer der Orgel übertragen. Dank exzellenter Lautsprecher hört man das Luftblasen der Pfeifen, genau wie beim Original.

„Aber diese Technik ist längst Schnee von gestern“, sagt der Kantor. Ein Orgelschüler, ein pensionierter Ingenieur, machte ihn mit neuen Möglichkeiten vertraut. Peter Bar­tetzky ist seitdem noch mehr von seiner Leidenschaft für die „Königin der Musikinstrumente“ ergriffen. Denn mit Hilfe eines Computerprogramms kann er die Original-Klangfarben der berühmtesten Kirchenorgeln weltweit auf sein eigenes Instrument laden.

Das ist nicht ganz billig. Der 57-Jährige verfügt deshalb vorläufig über „nur“ vier Vollversionen solcher Orgeln. Rund 100 wären verfügbar. Aber auch ein Meister wie er kann jede einzelne Orgel ja nicht so schnell ausreizen.

Neben dem Spieltisch steht ein Computer-Bildschirm. Mit ein paar Mausklicks ruft Bar­tetzky die Orgel der St.-Peter-Kirche im französischen Menesterol auf. Auf dem Bildschirm erscheint sie schemenhaft. Per Mausklick „zieht“ er die Register. „Die Qualität einer Orgel“, sagt er, „hängt ja nicht nur an der Größe, sondern auch an ihrem Charakter.“ Die Orgel in Menesterol ist mit 21 Registern und zwei Klaviaturen eher klein. „Aber sie ist hervorragend für Bach’sche Orgelkompositionen ausgelegt“, hören wir, bevor der Meister in die Tasten greift. Wir vernehmen zwei scheinbar unabhängige Stimmen, die miteinander wetteifern, barocke Orgelmusik eben. Das Klangbild ist ganz anders als bei der Abtei-Orgel. Wir hören harte, zackige Töne.

Riesenorgel aus England

Der Organist hält inne, greift wieder zur Maus und lädt die Orgel der Kathedrale von Hereford in England. Das ist ein anderes Kaliber, mit 67 Registern auf vier Klaviaturen. „Die ist zugeschnitten auf französische und englische Orgelmusik“, sagt er. Wir hören weiche, näselnde Klänge, kein Wechselspiel der Stimmen, romantische Orgelmusik eben.

Martin Kleinwächter

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