Grünröcke in Duisburg-Hamborn ehren Montag den neuen König

Die Schießmeister Joachim Stöhr und Ralf Hugo überwachen am Montag das Königsschießen.
Die Schießmeister Joachim Stöhr und Ralf Hugo überwachen am Montag das Königsschießen.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Der Bürger-Schützen-Verein Hamborn 1837 feiert vom 13. bis 15. Juni sein Schützenfest. Am Sonntag legen die Gäste an. Zapfenstreich am Samstagabend.

Alt-Hamborn..  Aus astfreiem Weichholz hat Schreinermeister Martin Schweers einen gut 60 Zentimeter großen Vogel gefertigt. Am kommenden Montag, 15. Juni, werden ihn die Grünröcke des Bürger-Schützen-Vereins Hamborn 1837 im Stadtwald von der Stange holen. Auch im 178. Jahr seit Gründung des Vereins wird wieder um die Königsehre geschossen.

Was denn so ein kunstvoll gestalteter Vogel kostet, wollte die Redaktion wissen – und erntete ein Schmunzeln: „Zwei Bier“, lacht Vereinsvorsitzender Wolfgang Neirich. Kein Wunder: Der Schreinermeister ist Mitglied im BSV. Ehrensache also, die Vogelfertigung zu übernehmen.

Bereits am Samstag, 13. Juni, beginnt das dreitägige Fest. Die 270 Vereinsmitglieder nebst Familie, Freunde und alle Interessierten sind eingeladen, mit den Schützen zu feiern. Am Samstag beginnt die erste öffentliche Veranstaltung um 18 Uhr: Die Grünröcke treten am Schützenhaus an, ziehen dann über die Jägerstraße zum Altmarkt. Dort beginnt um 19 Uhr der große Zapfenstreich. Anschließend geht es zur Abtei, wo der Abschiedsball des Königshauses gefeiert wird.

Heiße Phase am späten Nachmittag

Der Sonntag ist den Kindern und den Familien gewidmet. Sie sind von 15 bis 17 Uhr im Stadtwald (Zugang von der Dieselstraße) willkommen. Gleichzeitig geht das Gästeschießen über die Bühne. Montag marschieren die Schützen nochmals durch die Hamborner Innenstadt (gegen zehn Uhr), danach beginnt das Königsschießen.

Die heiße Phase erwartet Neirich gegen 16, 17 Uhr. Es sei denn, es passiert dasselbe wie 1980: Da legte Josef Baasen im zweiten Schießdurchgang (mit etwa 30 Kandidaten) an – und landete einen Volltreffer. Mit gerade mal 30 und ein paar Schüssen fand der Wettbewerb ein jähes Ende. „Und der Josef war überraschend nochmal König geworden“, erinnert sich Neirich.

Normalerweise fallen mindestens 150 Schuss. Auf die Pfänder (also alles, außer den Rumpf) wird mit Kleinkaliber geschossen, danach geht es mit „Flintenmunition“, also Kaliber 12 und 16, zur Sache. Dann rumst es gewaltig. „Spätestens beim fünften Schuss mit richtiger Munition“, erzählt BSV-Sprecher Hermann Eschenbruch, „schaut auch der letzte Zuschauer zum Vogel“.

Kette wiegt 5,5 Kilogramm

Der Gewinner darf zur Inthronisierung die 5,5 Kilogramm schwere Königskette umlegen – allerdings nur probeweise. Denn sie muss ja noch um ein Medaillon mit seinem Konterfei ergänzt werden.

Neue Technik für den Schießstand

Die technische Ausstattung ihres Schießstandes macht die Hamborner Schützen stolz: Seit Anfang dieses Jahres wird jeder Schuss vollelektronisch festgehalten. Fehlentscheidungen sind nicht mehr möglich.

„Die Lichtschranken messen auf den Zehntel Millimeter genau“, verraten die Schießmeister Ralf Hugo und Joachim Stöhr. Die neue Technik hat ihren Preis: Rund 20 000 Euro investierten die Grünröcke. Kommendes Wochenende wird die Anlage der Öffentlichkeit beim Schützenfest vorgestellt. Dann findet dort auch ein Preisschießen für Gäste statt.

Bis Ende vergangenen Jahres war die alte Standardtechnik im Einsatz. Die 50 Meter entfernten Schießscheiben wurden auf Schlitten, die von Seilen bewegt worden waren, hin- und hergefahren. Mit bloßem Auge mussten die Schießmeister die Treffer einordnen. War ein Ring angekratzt, wurde die Bewertung zur Auslegungssache. „Das ist jetzt vorbei“, sagt Vereinsvorsitzender Wolfgang Neirich.

Der erste (heute noch bekannte) Schießstand der Hamborner Schützen befand sich auf dem Hottelmannshof. 1904 teilten sich die Grünröcke das Areal mit dem Jagdclub. 1910 zogen die Schützen zum Rönsbergshof um. Auch dort blieben sie nicht lange: 1928 zogen sie weiter. Sie fanden bei der Gaststätte Barlen an der Duisburger Straße eine neue Bleibe.

Seit 1952 im Stadtwald beheimatet

Von 1937 bis 1951 ruhte das Vereinsverwesen. Seit 1952 besitzt der BSV sein eigenes Domizil im Stadtwald Hamborn. Dort bauten die Grünröcke ein Vereinsheim und den 50 Meter langen Schießstand und richteten einen Festplatz ein.