Geladene Atmosphäre
01.06.2011 | 16:06 Uhr 2011-06-01T16:06:00+0200
Duisburg-Hamborn.Reichlich geladen waren die rund 80 Teilnehmer der SPD-Bürgerversammlung zum Thema „Tropenhäuser Hamborn “ am Dienstagabend.
Aber nicht nur die: Auch der stellvertretende Leiter des Umweltamtes, Volker Heimann, war geladen. Und obendrein sehr dünnhäutig. Noch bevor die Diskussion begann, drohte er den Veranstaltern schon: „Wenn ich hier an den Pranger gestellt werde, dann gehe ich.“ Das wurde er tatsächlich ein Stück weit im Laufe des Abends. Schließlich war er als offizieller Vertreter des verhinderten Stadtdirektors Peter Greulich gekommen und musste sich folglich anhören, was man dem Umweltdezernenten eigentlich gerne ins Gesicht gesagt hätte.
Das war ein Beispiel dafür, wie man nicht mit Bürgern umgehen sollte.
Man kann Volker Heimann ja verstehen: Er muss den Kopf hinhalten für eine Behörden-Entscheidung, die alles andere als populär und politisch gewollt ist. Das heißt aber nicht, dass er dünnhäutig auftreten und mit seinem Abgang drohen darf, wenn ihm die Runde zu kritisch wird. Es ist nun mal sein Job, Fragen zu beantworten.
Ein Ergebnis lieferte der Abend nicht. Wohl aber die Erkenntnis, dass Bürger und Politiker den Ausführungen der Behördenmitarbeiter nicht (mehr) glauben. Und dass sie es satt haben, stets mit dem Totschlagargument „Wir sind pleite“ abgespeist zu werden. Denn die Menschen erkennen sehr wohl, dass für Prestigeobjekte noch Geld da ist - nur nicht für Dinge vor ihrer Tür.
Etwa dies: „Warum missachtet die Verwaltung den politisches Beschluss, den Garten mit den Treibhäusern zu erhalten?“ Heimann: Die Kosten für Reparaturen, Heizung und Personal seien seinem Amt einfach zu hoch. Er sei schließlich ein Verwaltungsmann und müsse mit immer weniger Geld auskommen. Die Treibhäuser seien aus seiner Sicht einfach zu teuer.
Fragen über Fragen
Oder: „Warum wird in den Ortsteilen nördlich der Ruhr immer weniger getan und investiert?“ „Warum hat man die Treibhausdächer so vergammeln lassen?“ Heimann lieferte durchweg Standard-Antworten, die niemanden zufriedenstellten, sondern für Unruhe und Ärger sorgten. Die Folge waren weitere kritische Fragen und Hinweise wie dieser: „Gibt es bei der Stadt eigentlich keine Leute, die Ideen entwickeln?“ Etwa, wie man mit Sponsoring Reparatur- oder Heizkosten senken könnte. Oder: „Ist es ein Zufall, dass ein Hinweisschild auf den Botanischen Garten unmittelbar nach der Schließung im April der Gewächshäuser abgebaut wurde?“ Und: „Wie kann es sein, dass das Dach im letzten Winter etwa 300 Kilogramm Schneelast pro Quadratmeter aushielt und jetzt ohne Last plötzlich unsicher ist?“
Wieder blieben schlüssige Antworten aus, trug Heimann längst Bekanntes vor oder wich aus. Was für weitere Kritik sorgte: Er solle doch endlich mal die Fragen beantworten, tönte es ihm aus den Reihen entgegen.
Dem Umweltamtsmann schmeckte das gar nicht. Mit hochrotem Kopf verbat er sich diese Verbalattacken und drohte nun auch dem Publikum zu gehen: Ich bin nicht der Buhmann.“ „Hier kann jeder sagen, was er will“, ließ ihn Diskussionsleiter Frank Börner daraufhin wissen - Heimann blieb.
Mehrfach versuchte der stellvertretende Amtsleiter noch die Position der Verwaltung und die Gründe für die Treibhausschließung an dem Abend deutlich zu machen. Gebetsmühlenartig. Wirklich glauben mochte ihm jedoch niemand.
Der Zorn der Bürger
„Sie machen hier im Norden einfach alles dicht“, erzürnten sich zwei Gäste: „Schulen, Sportstätten, die Rhein-Ruhr-Halle und jetzt auch noch die Tropenhäuser.“ Nicht fehlen durfte natürlich auch der Hinweis, dass es eine gefühlte Ungleichbehandlung gebe. „Für die Küppersmühle sind Millionen da und hier wird gespart“, warf jemand in den Raum und erhielt reichlich Beifall.
Eine Frau rief daraufhin spontan zur Spende für die Hamborner Gewächshäuser auf und überreichte dem Amtsleiter gleich einen Topf mit fünf Euro aus ihrem Portemonnaie.
Zum Schluss wurde nochmals der schon bekannte Umgestaltungsplan für den Botanischen Garten Hamborn präsentiert, der vor allem den Anliegern die Sorgen nehmen sollte: Die befürchten nämlich, dass die Tropenhäuser nun einfach als Bauruinen vergammeln und ihre Grundstücke deshalb an Wert verlieren könnten. Greulich will die Treibhäuser bekanntlich als Gerippe (also ohne Scheiben) stehen lassen und den Garten an sich als „gepflegte Grünanlage“ weiter betreiben.
In einer weiteren öffentlichen Runde will die SPD das Thema in absehbarer Zeit erneut diskutieren, vorher aber noch Detailinformationen zu „all den unbeantworteten Fragen“ einholen, so Börner.
19:13
Was erwarten wir denn von dem Grünen Greulich anderes?
07:28
Die Tropenhäuser sind ja auch kein Prestige - Objekt. Für solche Objeke ist ja genügend Geld da.
Ideen oder Kreativität bei der Stadtverwaltung? Die sind nur da, wenn es um Postenverteilung geht.
Es war schon immer so, Mitarbeiter, die Einsatz zeigen werden gemobbt und entlassen, die Mobber, die sich durch die Abteilungen schlafen, bloß keinen persönlichen Einsatz zeigen, Stundenabrechnungen frisieren, bleiben.
Nicht nur der OB sollte abgewählt werden, es gibt auch reichlich weitere, deren Gehalt besser investiert werden könnte.
Und jetzt sind die Tropenhäuser dran.
Erst Fakten schaffen und hinterher sagen: tut uns leid - das kostet dann auch nichts mehr.
Es ist zum kot.... was hier in und mit unserer Stadt passiert.
00:08
Dem Umweltamtsmann schmeckte das gar nicht. Mit hochrotem Kopf verbat er sich diese Verbalattacken und drohte nun auch dem Publikum zu gehen
Der arme Mann musste wohl als Watschenmann des Herrn Greulich herhalten, der zu diesem Termin angeblich verhindert war. Unbequeme Termine mag Greulich ebensowenig wie Sauerland. Da läßt man sich doch lieber von Subalternen vertreten. Der Eindruck bleibt, die Schäden am Dach der Tropenhäuser sind geringer, als Greulich es uns glauben macht. Die Stadt will nur mit aller Gewalt zu Ungunsten der Bürger im Duisburger Norden sparen, um das Geld in ihre sog. Leuchtturmprojekte wie den Erweiterungsbau der Klappsmühle zu stecken. Zu durchsichtig, zu schmierig.