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Flucht-Schicksale auf Leinwand

10.01.2013 | 16:51 Uhr
Flucht-Schicksale auf Leinwand
Ergriffen von „Flucht im Spiegel der Kunst“: Sandra Königs vom Finanzamt Hamborn und Cornelia Spitzlei vom Deutschen Roten Kreuz.Foto: Kerstin Bögeholz/WAZ Foto-Pool

Duisburg-Hamborn.   Wie Frauen die Flucht aus ihrer Heimat verarbeiten. Zu sehen im Finanzamt Hamborn

Eigentlich müssten zur Ausstellungseröffnung von „Flucht im Spiegel der Kunst“, zehn Künstler in der Eingangshalle des Hamborner Finanzamtes stehen, ein Gläschen Sekt trinken und stolz ihr Gesicht in die Kamera halten. Aber diese Ausstellung ist anders.

Die Menschen, die ihre Erlebnisse als Flüchtlinge auf den dreizehn quadratischen Bildern der Ausstellung festgehalten haben, stammen aus Äthiopien, dem Iran, Nigeria, Ruanda, dem Kongo, Sibirien und Afghanistan.

Sie haben es bis nach Deutschland geschafft, aber sie können und wollen ihre persönlichen Erfahrungen mit Krieg, Gewalt, Angst und Schutzlosigkeit nicht öffentlich in Worte zu fassen. Sie bleiben im Schutz der Anonymität. Ihre Bilder müssen für sich sprechen.

Auf einem sieht man eine Frau auf eine Stadt zuwandern. Ihre Habseligkeiten trägt sie nach afrikanischer Weise auf dem Kopf. Ihre Füße sind nicht zu sehen. Ihr Weg ist weiß, vielleicht liegt Schnee. Ein kleiner Junge geht hinter ihr her.

„Die Künstlerin floh mit ihrem Sohn aus dem Kongo“, erklärt Cornelia Spitzlei von der Beratungsstelle des Roten Kreuzes für ausländische Flüchtlinge, „ sie kam erst in Italien an, von dort aus ist sie dann mit dem Kind zu Fuß bis nach Deutschland gegangen.“

Gänsehaut löst dies bei der stellvertretende Geschäftsstellenleiterin Sandra Königs aus. Sie organisiert mit zwei Kolleginnen regelmäßig die Kunstausstellungen im Finanzamt. „ Trotz der schlimmen Schicksale, die da hinter stehen, strahlen viele von den Bildern so viel Mut und Hoffnung aus“, findet sie und zeigt auf das Bild eines Mannes, der aus dem Rollstuhl aufgestanden ist und keine Krücken mehr braucht.

Was nach der Ankunft in Deutschland auf viele Flüchtlinge wartet, zeigen die zwei Bilder einer Sibirierin. Ein endlos langer Flur mit vielen Türen: Das Ausländeramt, in schwarz-weiß und kalt. Farbig sind nur die Träume von der alten Heimat-von goldenen Zwiebeltürmen, dem Samowar und den Ziegen im Garten. Die Idee zu der Ausstellung kam von den Betroffenen. Cornelia Spitzlei sieht die Malerei als Chance für die Flüchtlinge, sich zu repräsentieren und auch das Unsagbare auszudrücken.

„Getrennt von meinem Körper, auch der Schmerz hat keinen Platz“, steht an einem Gemälde. Die Figur auf dem Bild ist zwischen dicken Gitterstäben gefangen. Spitzlei spricht über Zwangsprostitution und das Elend der ehemaligen Kindersoldaten. Es gibt noch viel zu verarbeiten.

Das Bild der Frau aus dem Kongo heißt „Angekommen“. Ihr langer Marsch hat sich gelohnt. Sie wohne jetzt auch innerlich hier in Deutschland, hat sie Cornelia Spitzlei erzählt und dass der Sohn sich gut entwickle.

Sabine Merkelt-Rahm

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