Finanznot zwingt Presbyter in Duisburg zum Rücktritt

Gemeindemitglieder der Kirche am Oberhof in Duisburg-Beeck protestierten im Herbst 2014  mit einer Unterschriftensammlung gegen die Schließung ihrer Kirche.
Gemeindemitglieder der Kirche am Oberhof in Duisburg-Beeck protestierten im Herbst 2014 mit einer Unterschriftensammlung gegen die Schließung ihrer Kirche.
Foto: WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Das Presbyterium in Ruhrort/Beeck ist geschlossen zurückgetreten. Nun wird ein Bevollmächtigtenausschuss eingesetzt. Das Geld reicht nicht aus.

Duisburg-Ruhrort/Beeck.. Das gesamte Presbyterium der Evangelischen Gemeinde Ruhrort/Beeck ist zurückgetreten. „Wir haben es uns nicht einfach gemacht“, sagt der ehemalige Stellvertretende Vorsitzende, Oliver Teichert (46). „Wir haben jahrelang die Verantwortung getragen und haben auch zu unseren Beschlüssen gestanden. Aber jetzt wissen wir nicht mehr weiter, können nicht zu einer Lösung des Problems beitragen.“

Das Problem ist nicht neu, es heißt: Geldnot. Die Kirchensteuereinnahmen reichen bekanntlich schon lange nicht mehr aus, um die Gemeinde mit ihren drei Kirchen, drei Friedhöfen und mehreren Gemeindehäusern finanzieren zu können. Für 2014 standen 417.000 Euro zur Verfügung – nach Abzug aller Kosten (für Personal, Gebäude etc.) blieb, so Pfarrer Rüdiger Klemm, kein Cent übrig. Damit nicht genug: Allein der Unterhalt der drei Friedhöfe sorgt für ein Defizit von jährlich 70 000 Euro.

Früher 20.000 Mitglieder, jetzt nur noch 6000

Bei der Fusion der Gemeinden gab es 2003 noch 8250 Mitglieder (zuvor waren es in Spitzenzeiten 20.000 Mitglieder), heute habe sie nur noch 6000 Mitglieder, so Rolf Schotsch, Sprecher der Evangelischen Kirche Duisburg. Für die deutlich verringerte Anzahl von Menschen benötige man erheblich weniger Räume. Ein Beispiel, so Teichert: „Wir brauchen nur noch eine Kirhe.“ Nun sei es aber nicht einfach, sich von Gebäuden zu trennen, weil sich erst einmal Käufer finden müssten.

Und so laufen die Kosten weiter – etwa für die Kirchenbeheizung, um die Gebäudesubstanz zu erhalten. Auch die Friedhöfe lassen sich nicht einfach schließen oder anderweitig nutzen: Bis die Liegezeiten enden, vergehen 20 Jahre. „Dann kommt auch das Presbyterium irgendwann an seine Grenzen“, so Teichert. Deshalb habe man nun die Notbremse gezogen und sei geschlossen zurückgetreten.

Alle Kirchen geschlossen, bis auf die am Ostacker

Nun muss nach Kirchenrecht eine neue Gemeindeleitung installiert werden, die sich Bevollmächtigtenausschuss nennt. Der Ausschuss wird die Geschickte der Gemeinde so lange leiten, bis ein neues Presbyterium gewählt ist. Noch ist unklar, wie sich dieses Gremium zusammensetzen wird. Teichert ist aber guter Dinge, dass dann auch Fachleute dabei sein werden, die mit einem „neuen Blick“ auf die Probleme die Schwierigkeiten meistern können.

Vergangenes Jahr hatte das Presbyterium alle Gemeinderäume und Kirchen bis auf die am Ostacker schließen lassen.