Familie Cegla floh nach Slowenien – der Hunger war zu groß

Günter Cegla als junger Mann Ende der 1950er Jahre.
Günter Cegla als junger Mann Ende der 1950er Jahre.
Foto: Günter Cegla
Im Hungerwinter 1946/47 floh die Hamborner Familie Cegla nach Jugoslawien. Dort flossen zwar nicht Milch und Honig, aber man wurde wenigstens satt.

Ostacker..  „Es war die pure Not, der Kohldampf, der uns zwang, die Heimat zu verlassen“, erzählt Günter Cegla. Das war vor 68 Jahren. Aber der heute 78-Jährige erinnert sich noch an den Winter 1946/47, als wär’s gestern gewesen.

Mutter Cegla und ihr (zweiter) Ehemann nahmen die drei Kinder an die Hand und marschierten mit dem, was sie schleppen konnten, zum Bahnhof, um auszuwandern. Die Reise führte nach Slowenien, wo zwar nicht Milch und Honig flossen, wo man sich aber wenigstens sattessen konnte, berichtet Günter Cegla.

Wir treffen den ehemaligen Handwerker auf dem Friedhofsgelände am Ostacker. Dorthin zieht es Cegla noch gelegentlich. Denn dort lebte er mit seiner Familie in einer Gartenlaube, nachdem das Haus von Bomben zerstört worden war. Es war eine bittere, entbehrungsreiche Zeit. Aber immerhin: Seine Familie hatte ein Dach überm Kopf und konnte neben der Gartenlaube auch Obst und Gemüse anbauen. Einen Friedhof gab es damals dort noch nicht. Es handelte sich um einen freien Acker, heute würde man Grabeland dazu sagen. „Ganz legal war es sicherlich nicht, dauerhaft in der Laube zu leben“, so Günter Cegla. Aber was will man machen, wenn rundherum alles in Schutt und Trümmern liegt?

Die Not war groß im Hungerwinter

„In Slowenien“, sagt der Handwerker (er war im Laufe der Zeit unter anderem als Eisenbieger, Maurer, Betonbauer, Putzer und Steinmetz tätig), „ging es uns verhältnismäßig gut. Ich konnte zur Schule gehen, mein Stiefvater hatte Arbeit im Bergbau, es gab genug zu essen. Wir waren versorgt.“ Anders im zerbombten Duisburg: Dort war in besagtem Hungerwinter die Not so groß, dass sogar Katzen geschlachtet wurden, erinnert sich der 78-Jährige.

1951, am Sonntag vor Weihnachten, kehrte die Familie zurück nach Duisburg. Lebte zunächst wieder in der Laube, versorgte sich dort erneut mit Lebensmitteln aus dem eigenen Anbau, führte ein sehr einfaches Leben mit Plumpsklo und Wasser aus dem eigenen Brunnen.

Erst 1959 gelang es, eine Wohnung anzumieten: An der Marxloher Wilfriedstraße kam die Familie unter. Cegla fand auch rasch eine Anstellung – als Bergmann auf Schacht 2/4/5. Heute befindet sich auf dem Gelände die Firma Ikea.

In der Tanzschule lernte Günter seine künftige Frau kennen: Ingrid, geborene Rosendahl.1962 heiratete das Paar standesamtlich im Hamborner Rathaus, die kirchliche Trauung folgte in Hiesfeld. Nun gelang es auch, eine eigene Wohnung anzumieten – ohne Trauschein war das damals nahezu unmöglich. Die in Dinslaken wohnenden Eheleute haben zwei Söhne, vier Enkel und eine Urenkelin.

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