Ex-Chefärzte rechnen mit Helios-Kliniken als Arbeitgeber ab

Die ehemaligen St.Johannes-Chefärzte Prof. Michael Starker (2. v li.) und Dr. Bernhard Dreuw (2. v. re.) – jetzt „nur“ noch Oberärzte – werden von den Chefärzten Dr. Jürgen Schmitz (li.) und Prof. Jochen Erhard (re.) begeistert empfangen. Foto: Ulla Emig WAZ Fotopool
Die ehemaligen St.Johannes-Chefärzte Prof. Michael Starker (2. v li.) und Dr. Bernhard Dreuw (2. v. re.) – jetzt „nur“ noch Oberärzte – werden von den Chefärzten Dr. Jürgen Schmitz (li.) und Prof. Jochen Erhard (re.) begeistert empfangen. Foto: Ulla Emig WAZ Fotopool
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Was wir bereits wissen
Was im Medienraum des Evangelischen Klinikums Duisburg-Nord (EKD) als Vorstellung ärztlicher Neuzugänge begann, entwickelte sich mit zunehmender Dauer zur Abrechnung zweier ehemaliger Chefärzte mit dem Arbeitgeber Helios.

Fahrn.. „Den wirtschaftlichen Druck mag man in allen Krankenhäusern spüren, bei Helios jedoch war das extrem“, sagt Privatdozent Dr. Bernhard Dreuw, „das ging so weit, dass ich nicht mehr mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen konnte.“

Was im Medienraum des Evangelischen Klinikums Duisburg-Nord (EKD) als Vorstellung ärztlicher Neuzugänge begann, entwickelte sich mit zunehmender Dauer zur Abrechnung zweier ehemaliger Chefärzte mit dem Arbeitgeber Helios. Genauer: Mit der Umstrukturierungs-Politik, die der Klinikkonzern seit 2011 im traditionsreichen Hamborner Hospital an der Abtei betreibt.

Prof. Dr. med. Jochen Erhard, Chefarzt der Klinik für Chirurgie/Viszeral- und Gefäßchirurgie am EKD, und sein Kollege Dr. med. Jürgen Schmitz, seines Zeichens Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, waren dabei erstmal in einer ungewohnten Situation. Begrüßten sie doch zwei neue Oberärzte als „Neuzugänge“ aus der Nachbarschaft, die ihnen über Jahre als Chefarzt-Kollegen auf Augenhöhe begegnet waren.

Steigerung der Fallzahlen

Neben Dr. Bernhard Dreuw (54 Jahre), Viszeralchirurg mit besonderer Expertise auf dem Gebiet der Bauchdecken-Brüche, arbeitet künftig auch Professor Dr. Michael Starker (60) in Fahrn. Der renommierte Orthopäde war 15 Jahre lang Arzt am Hamborner St. Johannes Hospital und lange Jahre Chefarzt der Orthopädie.

Der beklagte ebenso wie sein Kollege Dreuw, dass die Streichung von insgesamt 160 Stellen durch Helios die Arbeitsbedingungen in Hamborn enorm verschlechtert hätten. Es sei außerdem offensichtlich, dass „teure“ Ärzte mit langjähriger Erfahrung in Hamborn sukzessive durch jüngere, „billigere“ Kollegen ersetzt würden, deren Gehalt teilweise auf Bonus-Zahlungen basiere.

In diesem Zusammenhang wiesen beide Ärzte darauf hin, dass der Druck, die Fallzahlen kontinuierlich zu steigern, von der Bundesregierung gewollt sei. Ein Sprecher des Helios-St. Johannes-Hospitals sagte auf Nachfrage: "Wir wünschen den Herren für ihren weiteren beruflichen Lebensweg alles Gute. Die Vorwürfe kommentieren wir nicht.“