Urlaub vor der Haustür
Es raschelt im Laub
29.07.2010 | 16:58 Uhr 2010-07-29T16:58:00+0200
Das Wetter im Ruhrgebiets-Sommer kann man sich nicht aussuchen. Mal knallt die Sonne und man schmilzt bei 35 Grad nur so dahin.
Ein paar Tage später ist es trüb, es gibt Schauer, man möchte am liebsten schon wieder die Frühjahrsjacke rausholen.
Aber was soll’s: Man muss das Beste daraus machen, wenn man Urlaub hat und Daheim bleibt - oder sich einfach mal einen Tag Auszeit zwischendurch gönnen möchte.
Ein Spaziergang durch den Jubiläumshain lohnt sich immer. Bei jedem Wetter. Wenn es glühend heiß ist, kann man sich dort unter dem dichten Laub der teilweise uralten Bäume erfrischen. Bei Regen bieten sie Schutz, jedenfalls für eine gewisse Zeit. Wie am Donnerstagnachmittag.
Es fängt an zu tröpfeln, und schon rauscht es im Wald. Richtig, Teile des Parks waren vor gut 100 Jahren Teil des Marxloher Waldes - der Charakter ist bis heute in Abschnitten erhalten geblieben. Mitten in der Stadt, umzingelt von Wohngebäuden noch solch ursprüngliche, grüne Lungen zu finden, das ist selten. Man läuft wahlweise auf gepflasterten oder auf kiesbedeckten Wegen. Ganz leise bewegt man sich auf ersteren fort, ideal, wenn man Häschen und Vögel nicht erschrecken will. Oder man geht auf dem feinen Kies, der unter den Schuhen knirscht.
Hinter jeder Wegesbiegung darf man etwas Neues erwarten: Mal einen Wasserspielplatz, mal ein Basketballfeld. Mal eine Spiel- und Liegewiese (mit provisorischen Fußballtoren aus Mülleimern der Wirtschaftsbetriebe). Mal eine Hängebirke, die ein heimeliges Örtchen zaubert, wie in einem Beduinenzelt. Mal eine alte Kirsche mit dicken Pilzwucherungen, die, je nach Blickwinkel, wie zerfurchte Gesichter oder Kunstskulpturen wirken. Mal ein Stück Wildnis mit hoch in die Bäume rankendem Efeu, mal herrlich bunte Blumenbeete, über die fette Hummeln schwirren.
Hier kann man die Seele mal richtig baumeln lassen, zumal es auch zahlreiche Sitzgelegenheiten gibt. Unter Bäumen, unter Dächern. Am Wegesrand oder ein Stück abseits gelegen. Am Rande der Spielplätze, wenn man Kinder zu beaufsichtigen hat. Und natürlich neben den duftenden Blumen unter freiem Himmel.
Viel Getier wird man nicht zu Gesicht bekommen. Von ein paar Häschen mal abgesehen. Maulwürfe, die es zuhauf gibt - jedenfalls ihren Hügeln nach zu urteilen, wird man eher nicht zu Gesicht bekommen - sie sind zu scheu. Vögel dagegen gibt es reichlich. Eine Schautafel am Wegesrand klärt über die heimischen Singvögel auf.
Blumen-, Strauch- und Baumfreunde haben ihre helle Freude: Sie werden auf Schritt und Tritt Neues entdecken. „Das ist hier schon fast wie in einem Botanischen Garten“, meint ein Spaziergänger.
Das ist vermutlich der Grund, weshalb der Park bei gutem Wetter und am Wochenende immer recht voll ist. Wer ihn für sich allein haben will, sollte sich lieber einen Regentag aussuchen.
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