Erinnerung an einen Heimatdichter

Der Knappenverein Walsum besuchte in Begleitung der Familie Bartock das Grab des Duisburger Schriftstellers Willy Bartock.
Der Knappenverein Walsum besuchte in Begleitung der Familie Bartock das Grab des Duisburger Schriftstellers Willy Bartock.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Willy Bartock wäre am vergangenen Freitag 100 Jahre alt geworden. Walsumer Knappenverein lud die Familie des „Kohlen-Goethe“ zu diesem Anlass ein.

Walsum..  „Nun steht die Treue auf dem Küchenbord, nachdem ich sie wieder blank gemacht.

Dört träumt sie von der Zeit im dunklen Schacht.

Und blinkt mir nach, geh ich zur Arbeit fort“ – die letzte Strophe von Willy Bartocks Gedicht über die „Alte Kaffeteute“, die ein Bergmann arglos wegwarf, um sie dann reumütig zu polieren und wert zu schätzen, diese letzte Strophe hat es Heinz Plückelmann vom Knappenverein Walsum besonders angetan.

„Willy Bartock ist regional und überregional einer der bedeutendsten Bergbau-Literaten“, sagt der ehemalige Bezirksbürgermeister bewegt, „sein Buch, ,Nacht, die mich nicht schlafen lässt’, liegt bei mir unterm Kopfkissen.“ Deswegen sei es für ihn selbstverständlich gewesen, seinen Vereinsvorsitzenden Uwe Wandelt vom anstehenden 100. Geburtstag des „Kohlen-Goethe“ am 2. Januar 2015 zu informieren.

Die Walsumer Knappen machten Nägel mit Köpfen und begrüßten am gestrigen Freitag die Familie des 1995 verstorbenen „Pütt-Poeten“ zu einer Feierstunde am Grab des Dichters in Alt-Walsum. „Es hat mich sehr überrascht und auch sehr gefreut, dass der Walsumer Knappenverein an den 100. Geburtstag meines Vaters gedacht hat“, sagte Helga Lautermann, älteste Tochter Bartocks auf der anschließenden Feier im Knappenheim auf der Teutonenstraße.

Gemeinsam mit ihr waren ihre Schwester Monika und ihr Bruder Rainer mit ihren Familien zum festlichen Anlass erschienen. Der gebürtige Hamborner Bartock, der mit 16 Jahren schon erste Gedichte und Kurzgeschichten verfasste, wurde 1950 vom legendären Walsumer Bergwerkschef Heribert Barking zum „Kulturbeauftragten“ des Schacht Walsum gemacht: „Er war damals gleichzeitig auch so etwas wie ein Integrationsbeauftragter“, sagte Tochter Helga Lautermann im Knappenheim.

In vielerlei Hinsicht sei ihr Vater seiner Zeit voraus gewesen: „Er hat viele Probleme, die erst später gesellschaftlich wichtig wurden, ganz früh erkannt.“ So wies der überzeugte Linke und Gewerkschafter, dessen Eltern einst in Nazi-Haft starben, schon in den frühen 1960’er Jahren auf Umweltverschmutzung und gebotener Toleranz gegenüber Ausländern hin.

„Ich lese manchmal Opas Gedichte“, sagte eine Enkelin, „und dadurch bleibt er, der ein gütiger, stiller und strenger alter Herr war, für mich lebendig.“

Knappen-Vorsitzender Uwe Wandelt, der die Familie des Jubilars mit Präsenten ehrte, will auch einen Beitrag leisten, Bartocks Vermächtnis am Leben zu halten: „Deswegen musste mich Heinz Plückelmann um diese Feierstunde auch gar nicht lange bitten.“