Einladung an die Phantasie

Großformatige Werke mit Liebe zum Detail: Barbara Lenders. Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Großformatige Werke mit Liebe zum Detail: Barbara Lenders. Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Barbara Lenders Ausstellung in der ruhr-Art-galerie am Leinpfad schärft den Blick für große Formate und kleine Details. Leichtigkeit des Farbenspiels

Ruhrort..  „Wir sind seit Oktober wieder hier!“, sagte Klaus Grospietsch bei der der ersten Vernissage in der wiedereröffneten ruhr-Art-galerie am Ruhrorter Leinpfad und strahlte mit den ausgestellten Bildern um die Wette. Der Galerist betrieb die kleine Kunststätte zwischen Rhein und Vinckekanal schon von 2008 bis 2011. „Das war die blauäugige Periode“, sagt er rückblickend mit einem Schmunzeln, „aber jetzt kommen doch hoffentlich die rosaroten Zeiten.“

Barbara Lenders, deren Werke die Wände füllen, hat keine Angst vor rosarot. Die meisten ihrer Bilder sind von einer Farbe dominiert. Man sieht lichtes Grau, Zitronengelb, Flieder, Zartgrün und leuchtendes Rot. Die Bilder der Ausstellung „Schichtarbeit“ zeigen, dass sie von Farben fasziniert ist.

Lenders bearbeitet große Formate und trägt Spachtelmasse, Acrylfarbe, Ölfarbe und Sand in Schichten auf. Dabei liegen die Bilder während sie daran arbeitet. Im Grunde würde sie gerne noch größere Werke schaffen, ihr Traum wären Formate von drei auf zwei Meter, aber das scheitert an der Größe ihres Ateliers.

Solange sie malt, schaltet sie Gedanken und Zeitgefühl ab. „Manchmal höre ich erst auf, weil ich plötzlich merke, dass mir schon alle Knochen wehtun“, sagt sie. Es kommt vor, dass sie abends nach stundenlanger Arbeit denkt: „Jetzt hast du es versaut“. Aber im Licht des nächsten Morgens betrachtet, stellt sie dann fest, dass sie ein Stück vorangekommen ist.

Die Bilder leben von ihren Farben und strahlen eine große Leichtigkeit aus. Über einen durchscheinend türkisenen Hintergrund fließt eine kupferglänzende Kontrast-Ader, wie ein heißer Lavastrom. Zarte lasierende Farbschichten in rosa und grün erinnern an Seerosenteiche und sommerlich schimmerndes Blattwerk. Eine dunkelblaue Fläche löst sich nach unten in weißliches Leuchten auf und gibt den Blick auf eine kreuzähnliche Struktur frei.

„Ganz ehrlich, ich sehe selbst oft Dinge auf meinen Bildern, die ich nicht bewusst gemacht habe“, sagt Lenders. Sie deutet auf eine wirbelnde Struktur in dem glutroten Werk „Eruption“. „Für mich sind das Trollgesichter, die da zum Vorschein kommen“, sagt sie leicht verlegen. Sie möchte nicht den Anschein erwecken, als sei sie in die esoterische Ecke unterwegs.

Aber das Unbewusste, das was sich dem Verstand entzieht, ist ein wichtiger Teil ihres künstlerischen Prozesses. Und macht ein großes Stück der Faszination aus, die ihre Bilder auf die Ausstellungsbesucher ausüben. Ihre Werke sind eine Einladung an alle Betrachter, sich der eigenen Phantasie hinzugeben.

Sie schränken nicht ein, sondern weiten den Blick. So schaut man nicht nur auf die inneren Landschaften der Künstlerin, auch die eigenen kommen mit in Betrachtung.