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Neumühler Karnevalszug

Ein Hauch von Venedig

15.02.2010 | 17:09 Uhr
Ein Hauch von Venedig

Duisburg. Rosenmontag, halb Neun in Neumühl. Die letzte „Lagebesprechung” ist über die Bühne gegangen und die Zugleitung macht sich auf den Weg. Auf dem Parkplatz vor „Haus Birken” tummeln sich Hunderte gut gelaunter Jecken, die die 25 Zugwagen begleiten.

 A und O (hier Anfang und Ende des Zuges) sind die Pils-Sucher in ihrer Eigenschaft als Organisatoren. Die Stimmung lädt sich kurz vor Anpfiff noch mal richtig auf, die letzten klettern auf ihre bunten Zugwagen, in überdimensionierte Bollerwagen und die Hartmann-Truppe sogar in eine Kutsche, die wird aber von einem Bully gezogen und nicht von Pferden. „Etwa drei Tonnen Kamelle werden heute unters Volk gehen”, schätzt Zugleiter Reiner Terhorst, der auch Präsident der „Pils-Sucher” (KG Blau-Weiß) ist. Allein in seinem Wagen, auf dem auch KG-Geschäftsführerin Petra Hofstetter mitfährt, liegen 1000 Euro in Form von Klümpkes.

Zum elften Mal angereist aus 400 km Entfernung ist der Musikzug Halstenbek. Der setzt gerade an zur fetzigen musikalischen Untermalung, da fliegen auch schon die erste Kamelle Richtung Bürgersteig. Insgesamt 65 000 Besucher säumen die Zugroute beim 35. Neumühler Viertelszug, um gemeinschaftlich auf Naschwerkjagt zu gehen. „Man muss ein bisschen aufpassen mit der Kamelle. Alle sollen möglichst gleichmäßig bedient werden, und es muss für den ganzen Zug reichen”, weiß Hofstetter aus langjähriger Bonbon-Wurferfahrung. Zeit für lange Erklärungen hat sie nicht. Ständig muss sie für Nachschub sorgen, hoch oben auf ihrem Wagen. Der süße Spaß finanziert sich übrigens nicht über Vereinsbeiträge. Den Löwenanteil tragen die Mitglieder privat. Julia Balkhausen (12) und ihre Freundin Tanja Kojic (11) sind genauso fleißig wie die „Großen”: Sie lassen vom Wagen des „Kampfelfen”-Männerballetts die Bonbons regnen. „Das tollste daran mitfahren zu dürfen, sind die vielen fröhlichen Gesichter”, berichten die Mädchen munter. Von da oben aus kann man steuern, wer besonders mit Süßem bedacht werden soll. Man hat schließlich den Durch-, pardon: Überblick. Besonders die Kleinen sollen möglichst viel abbekommen. Das gelingt den Werfenden irgendwie immer, wie Pascal Huth (13) stolz berichtet. Er hat zusammen mit seinen Geschwistern Saskia (8) und Rene´ (2) etwas mehr als fünf Einkaufstüten voll Kamelle gefangen. Mutter Michaela ist sich sicher, dass die Kinder nicht mehr als drei Tage brauchen, „um alles zu verputzen”. Bauchschmerzen inklusive.

Der Zug bewegt sich langsam, die Zuschauer jubeln den Jecken auf ihren Wagen zu. An der Freiburger Straße haben die Bewohner es sich schon in ihren Vorgärten bequem gemacht, mit Nachbarn und Familie an der improvisierten Theke. Vergnügt beobachtet man von dort aus die Vorbeiziehenden Wagen bei einem kühlen Bierchen. Glühwein wäre passender gewesen. . . Kommerzielle Bierstände sieht man seit Jahren nicht mehr bei diesem Viertelzug. „Weil wir kinderfreundlich sein wollen”, so Terhorst. Auf den letzten Metern fliegen die letzten Bonbons. Der Vorrat hat mal wieder gerade eben so gereicht. Bis jetzt ging alles ganz gemütlich. Aber nun macht sich doch etwas Hektik breit: Die Wagen müssen ja noch weiter. In die Innenstadt, wo ja auch noch Abertausende auf Kamelle warten.

Ein Hauch von Venedig

Julia Große-Vorholt

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Kommentare
16.02.2010
15:18
Ein Hauch von Venedig
von Kostageber | #1

Das war das beste, was in der langen Geschichte der Neumühler Karnevalszüge geboten wurde, einfach wunderbar für alle Teilnehmer und Zuschauer, die Begeisterung war groß - kein Viertelzug in Duisburg kommt an diese feine Darstellung heran. Glückwunsch an den großartigen Organisator Reiner A. Terhorst und an seinen perfekten Regisseur Stefan Hambücker - die Garanten für diesen phänomenalen Erfolg.

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