Das aktuelle Wetter Duisburg 12°C
Walsum

Duisburger „Schalomplatz“ stört den Frieden

19.11.2010 | 18:24 Uhr
Duisburger „Schalomplatz“ stört den Frieden
Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg. Der Rathausvorplatz in Duisburg-Walsum soll unbenannt werden, doch wie soll er heißen? Schalomplatz, Barbara-Platz oder Platz der gemeinsamen Erinnerung standen alle mal im Raum. Die Gräben zwischen den Parteien sind tief. Ein Resümee.

Bürger wollen sich erinnern im Duisburger Ortsteil Walsum, darüber sind sie sich so gut wie einig. Deshalb soll ihr Rathausvorplatz endlich einen würdigen Namen bekommen . Die Frage ist nur: Woran wollen sich die Walsumer erinnern? An die 1051 jüdischen Bürger aus Duisburg, die während der Nazi-Zeit ermordet wurden? Oder an die Bergbau-Tradition der Stadt? Schließlich ziert eine monumentale heilige Barbara bereits den Platz.

Bergbautradition oder Holocaust? Eine Frage der Erinnerungskultur, bei deren Diskussion der CDU-Politiker Peter Hoppe wenig Fingerspitzengefühl bewies. Auf einer karnevalistischen Sitzung gab er das Thema der Lächerlichkeit preis: Lauthals fragte Hoppe die rund 600 Jecken, wer dafür sei, dass der Platz am Bezirksrathaus den Namen Schalomplatz bekommt. Keine Hand erhob sich, niemand stand auf. Ob Stimmungsmache oder Abstimmung, für Hoppe steht fest: „Keiner will einen Schalom-Platz“.

Vorausgegangen war eine tagelange Diskussion über dieses Thema. Im Nachhinein will Hoppe die Frage zwar als karnevalistischen Jux rechtfertigen. Kritiker werfen ihm aber vor, dass ihm die Frage bitterernst war.

Sinneswandel

Dabei hatte alles so harmonisch begonnen: Dem Antrag der Grünen, den Rathaus- in Schalomplatz umzubenennen, konnten alle anderen Fraktionen folgen, die gesamte Bezirksvertretung schien sich einig zu sein. Aber dann, bei der formellen Abstimmung, folgte der Eklat: Statt den gemeinsamen Antrag durchzuwinken, stoppten CDU und SPD das Verfahren. Begründung: Man habe vergessen, den Walsumer Heimatverein einzubinden, und das sei ein Verstoß gegen gute, alte Traditionen.

Der plötzliche Sinneswandel der Christ- und Sozialdemokraten sorgte für starke Irritationen bei den Grünen, aber auch in der Jüdischen Gemeinde Duisburgs. Und für heftige Kritik aus der Bürgerschaft. Zumal durchsickerte, dass der Vorstand des 400 Mitglieder starken Heimatvereins den Namen Schalomplatz rundweg ablehnt. Schließlich gebe es im Ortsteil bereits genug Gedenkstätten für Opfer der Nazizeit, hieß es ernsthaft und: Man könne doch einen Platz, auf dem der Schutzpatronin der Bergleute, der Heiligen Barbara, ein Denkmal gesetzt worden sei, nicht einfach so Schalomplatz nennen. Dann doch wohl eher Barbara-Platz. Der Heimatverein machte sich sogar die Mühe, nicht nur Narren, sondern Normalbürger zu befragen, beim Einkauf in der Stadt oder beim Spaziergang.

Platz der Probleme

Das einhellige Ergebnis laut Heimatverein: Niemand wolle einen Schalomplatz.

Der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde in Duisburg, Michael Rubinstein, hält wiederum die Argumente gegen den Namen Schalomplatz für „scheinheilig“. Offenbar, so vermutet er, „scheint es einige Leute zu geben, die mit einem Schalomplatz Probleme haben“.

Wie die Politiker aus der Nummer herauskommen? Rubinstein zuckt mit den Schultern. Ohne Gesichtsverlust, glaubt er, sei das kaum möglich. Aber er macht einen unverfänglichen Versöhnungsvorschlag: Friedensplatz. Doch auch der kommt bei den Bezirksfraktionen nicht so richtig an. Die Kommunalpolitiker wollen sich in einer Sondersitzung auf den schlichten(den) Namen „Platz der gemeinsamen Erinnerung“ verständigen. Dann kann sich jeder erinnern, an was er will – böse Zungen behaupten: auch an den letzten Auswärtssieg des MSV.

Gregor Herberhold



Kommentare
20.11.2010
10:08
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #22

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.11.2010
10:07
Der Duisburger „Schalomplatz“ stört den Frieden
von Herr Bieler | #21

@turnaround

Der Sauerdrops ist doch aus Wehofen,
oder nicht.

20.11.2010
09:12
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #20

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.11.2010
01:38
Duisburger „Schalomplatz“ stört den Frieden
von Mir egal | #19

Wie wäre es mit mir doch scheisss egal denn es gibt wichtigerer Sachen über die man diskutieren sollte Platz

20.11.2010
00:25
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.11.2010
00:20
Der Duisburger „Schalomplatz“ stört den Frieden
von turnaround | #17

Scheinbar haben die Walsumer keine anderen Sorgen. Schlage vor, den Platz Sauerland-Abtauch-Platz zu nennen. Die Walsumer sollten sich besser um ihren unbeliebtesten Ober-Bürger kümmern.

19.11.2010
22:23
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.11.2010
21:25
Duisburger „Schalomplatz“ stört den Frieden
von grimo | #15

Wie lautet der Vorschlag von OB Sauerland?
Platz der flüssigen roten Tomate vielleicht?

19.11.2010
21:17
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.11.2010
21:09
Duisburger „Schalomplatz“ stört den Frieden
von wegmitdenpolitspinnern | #13

Wie wäre es denn mit Schildaplatz?
Oder Platz der sauerländischen Dickfelligkeit?
Oder Platz über die Freude des drohenden Putsches gegen Andrea Nahles?
Oder Platz der gesamtgesellschaftlichen Verdummung?

Aus dem Ressort
Stadt Duisburg will an Investor für Outlet-Center festhalten
Outlet Center
Die Stadt Duisburg hält offenbar weiterhin am Factory Outlet Center in Hamborn fest und will die Möglichkeit zum Vertragsausstieg verstreichen lassen. Stattdessen soll ein fester Zeitplan für die wichtigsten Planungsschritte vorgegeben werden, verbunden mit einem Sonder-Rücktrittsrecht.
Dank neuer Bodenplatten steht in Duisburg niemand im Matsch
Kirmes
Die Beecker Kirmes versank in den vergangenen Jahren im Bereich des Sportplatzes bei Regen oft im Matsch. Jetzt sind dort Platten ausgelegt, und jeder kommt trockenen Fußes zur den Fahrgeschäften. Bei Trockenheit helfen die Platten auch: Dann staubt’s nicht so.
Musikalischer Willkommensgruß für Jungjäger in Duisburg
Jagd
Für das „Grüne Abitur“, wie die Jägerausbildung auch genannt wird, haben sich bislang elf Personen angemeldet. Wer sich für die Jägerausbildung interessiert, kann sich bei Wolfgang Westenberger melden: Telefon 0203 - 31 11 42.
Auto-Träume aus den USA waren in Duisburg-Meiderich zu sehen
Autoschau
Beim 3. US-Cars & Bikes Charity-Meeting am Bürgerhaus Hagenshof konnten die Besucher amerikanische Oldtimer bewundern. Darunter ein alter Camaro, ein Buick und Mustangs. Die Männer kamen aus dem Staunen kaum heraus.
Eickelkämper ärgerten sich lange über gammeligen Gehweg
Beschwerde
Monatelang ärgerten sich die Anwohner der Hiesfelder Straße über ein Stück Gehweg, das völlig verwahrlost war. In den vergangenen Tagen brachten die Wirtschaftsbetriebe ihn in Ordnung. Und die Bürger sind zufrieden.
Umfrage
Es stinkt, es ist dreckig und oben am Gleis tropft es kontinuierlich. Nicht nur Reisende nehmen die Bahnhöfe an Rhein und Ruhr als einige der schlechtesten Bahnhöfe Deutschlands wahr. Wie zufrieden oder wie unzufrieden sind Sie mit dem Duisburger Hauptbahnhof?

Es stinkt, es ist dreckig und oben am Gleis tropft es kontinuierlich. Nicht nur Reisende nehmen die Bahnhöfe an Rhein und Ruhr als einige der schlechtesten Bahnhöfe Deutschlands wahr. Wie zufrieden oder wie unzufrieden sind Sie mit dem Duisburger Hauptbahnhof?

 
Fotos und Videos
Stadtspaziergang
Bildgalerie
Fotostrecke
Beecker Kirmes 2014
Bildgalerie
Fotostrecke
Neue Brücke über Vinckekanal in Ruhrort
Bildgalerie
Brückenmontage
Stadtteilspaziergang
Bildgalerie
Oase der Ruhe